Kirchengemeinde Havetoft - Glaubensfragen



Wie passen die Schöpfungsgeschichte der Bibel und die Evolutionslehre zusammen?

Kurzantwort: Das hängt sehr davon ab, wie man beides interpretiert. Ausführlicher:



1.) Niemand weiß, wie diese Welt entstanden ist. Wir werden in eine bestehende Welt hinein geboren und irgendwann fragen wir uns, wo alles hergekommen ist. Auch vor 3000 Jahren haben Menschen danach gefragt. Einer von ihnen bekam von Gott eine Eingebung, die er in 1.Mose 1 niedergeschrieben hat.
Wir erfahren darin, dass Gott der Schöpfer von Himmel und Erde ist. Sein Wort hat schöpferische Kraft: Er spricht und es geschieht. Wir erfahren, dass diese Welt nicht auf einmal entstanden ist, sondern nach und nach in einer von Gott festgelegten, sinnvollen Reihenfolge.
Der Schöpfungsgeschichte zufolge geschah dies in dem symbolischen Zeitraum einer Woche, wobei hier ausdrücklich normale Tage zu je 24 Stunden gemeint sind: "Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag" (1.Mose 1,5)
Die zweite Schöpfungsgeschichte 1.Mose 2 weicht von der ersten erheblich ab: Gott schafft nicht durch sein Wort, sondern mit den Händen; der Mensch entsteht als erstes, nicht als letztes; der Ausgangspunkt ist eine Wüste, in der Gott einen Garten anlegt, kein Chaos-Meer, das erstmal in seine Ufer gewesen wird. Sie unterscheidet sich auch in ihrer Ausrichtung: sie will nicht auf die Frage antworten, wo alles herkommt, sondern auf die Frage: Wie kommt die schöpfungsfeindliche Macht der Sünde in dieser Welt?
Fazit: die Bibel ist sich einig darüber, dass Gott die Welt geschaffen hat, aber es gibt unterschiedliche Darstellungen über die Art und Weise.

2.) Die Naturwissenschaft geht einen völlig anderen Weg als derjenige, der Fragen an die Bibel stellt. Sie sammelt Fakten und stellt Hypothesen auf, die durch Experimente begründet oder widerlegt werden können. Sie beschäftigt sich nicht mit der Frage nach dem Warum – das ist den Philosophen und Theologen vorbehalten – sondern mit dem Wie.
Aus diesem Grund kann es – wenn beide Seiten sauber arbeiten – eigentlich zu keinem Konflikt kommen. Ein Biologe kann nicht sagen: „Gott gibt es nicht“. Ein Theologe kann nicht sagen: „Deine Forschungsergebnisse müssen falsch sein, weil es in meiner Bibel anders steht“

3.) Die sogenannte Evolutionslehre ist nichts weiter als eine Modellvorstellung, die manche Dinge erklären kann und andere nicht. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob das Leben wirklich auf diese Weise entstanden ist.
Wichtige Fragen sind nach wie vor ungeklärt, zum Beispiel wie der „Funke Leben“ in diese Welt kam. Wie konnte aus unbelebter Materie Leben entstehen?
Unstrittig ist die evolutionäre Weiterentwicklung innerhalb der Arten. Man kann auch heute noch beobachten, dass besser angepasste Wesen sich gegenüber den schlechter angepassten durchsetzen. Nicht zu belegen ist dagegen die Überschreitung von Artengrenzen. Ein Fisch bleibt ein Fisch, der wird nicht zum Krokodil.
Problematisch ist der Konflikt zwischen Grundannahmen der Evolutionstheorie und anderen wissenschaftlich gesicherten Lehrsätzen. So beschreibt etwa die Thermodynamik – vereinfacht ausgedrückt – dass in dieser Welt eine Tendenz zum Chaos (Entropie) besteht (das kann ich täglich auf meinem Schreibtisch beobachten...). Um Ordnung herzustellen, muss Energie aufgewandt werden. Der Evolutionstheorie liegt die unwissenschaftliche Annahme der Selbstorganisationsfähigkeit der Materie zu Grunde.
Im Bereich der Informatik sind „Zufall“ und „Information“ einander entgegengesetzte Größen. Der Informationsgehalt einer Nachricht kam durch Zufall nur verringert werden.
Wir wissen, dass die DNS Informationen in einer großen Dichte speichert. Dies ist meines Erachtens schlüssiger durch die planende Intelligenz eines Schöpfers als durch die blinde Macht von Zufall und Durchsetzungskraft zu erklären.

4.) Man muss sehr genau hinschauen, wo die Wissenschaft aufhört und der Glaube anfängt. Teilweise liegen diese Dinge auf unterschiedlichen Ebenen.
Ein Beispiel:
Psalm 139, 13: „Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe.“
Ähnlich Luthers kleiner Katechismus: „Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen…“
Das ist kein Widerspruch zu der Erkenntnis, dass das Heranwachsen eines Babys im Mutterleib durch „natürliche Entwicklung“ geschieht.
Es macht aber einen großen Unterschied im Lebensgefühl aus, ob sich jemand als das geplante Werk Gottes oder als Zufallsprodukt empfindet!
Was man beobachten kann, sind Phänomene der Natur – der gläubige Mensch wird sie zum Anlass nehmen, über die Phantasie und Intelligenz des Schöpfers zu staunen, wer nicht an Gott glaubt, kennt dieses Gefühl nicht. Meist wird dann von „der Natur“ oder „der Evolution“ in einer Weise gesprochen, die den Eindruck vermittelt, als handle es sich hierbei um ein denkendes Wesen. „Die Evolution hat dem Insekt einen Rüssel gegeben, der genau in die entsprechende Blume passt“.
Interessanterweise sind die Weichen für das Leben bereits beim Urknall (wenn es ihn denn gegeben hat – aber warum nicht: „Gott sprach und es knallte“) gestellt gewesen. Wäre die Architektur der Atome nur wenig anders als sie es ist, könnte es kein Leben geben.
Interessant hierzu: Harald Lesch „Big Bang, zweiter Akt“ – auf den Spuren des Lebens im All.

"Der Herr hat die Erde durch seine Kraft gemacht und den Himmel ausgebreitet durch seinen Verstand" (Jeremia 10,12)

(c) Pastor Jörg Arndt, Havetoft, 6.3.09


Material
Den Text als doc

Ein kleines Anspiel zum Thema: Alles Zufall oder was?

Ein selbstgeschriebener Schöpfungspsalm

Vgl hierzu auch Kapitel 4 aus meinem Buch.

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