Kirchengemeinde Havetoft - Glaubensfragen



Soll ich Freundschaften mit Nichtchristen pflegen?

Die Frage im Wortlaut:
Ich selbst bin gläubiger Christ und habe sowohl Freunde, die Christen sind, als auch Freunde, die "Papierchristen" sind oder die gar nicht an Gott glauben.
Meine Frage ist: Soll ich diese Freundschaften beibehalten? Was sagt die Bibel dazu?
Ich weiß natürlich, dass gelebter Glaube auch bedeutet, anderen vom Glauben zu erzählen. Dennoch wissen wir alle, dass viele Menschen einfach nichts davon wissen wollen und dass Freundschaften an Missionierungsbestrebungen auch zerbrechen können.
Ist es für mich als gläubiger Christ schlecht, mit Nichtgläubigen in Kontakt zu sein? Was sagt Jesus/die Bibel dazu? Soll ich solche Freundschaften beenden? Und wenn ja warum? Oder nicht? Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie diese Frage beantworten. Ich bin gespannt auf Ihre Antwort.
Gott zum Gruss, Jens




Lieber Jens, ich glaube nicht, dass es eine allgemeingültige Antwort auf deine Frage gibt, außer dieser: bete darüber und bitte den Heiligen Geist um seine Leitung. Dennoch ein paar Gedanken dazu:

1.) Echte Freundschaft ist ein seltenes und kostbares Geschenk. Danke Gott für deine Freunde und behandle sie gut!

2.) Wie sollen Menschen zum Glauben finden, wenn Christen sich nur mit ihresgleichen abgeben? Jesus schickt seine Jünger in die Welt (Mt 28), um dort Licht und Salz zu sein (Mt 5,13f).
Zu einer Freundschaft gehört es, dass man auch über Dinge redet, die einem wichtig sind - dein/mein Leben mit Gott gehört selbstverständlich dazu. Das kann ganz heilsam sein, denn weil deine Freunde wissen, das du zu Jesus gehörst, werden sie dein Leben mit Argusaugen beobachten, um herauszufinden, was sich daran von ihrem unterscheidet. Eine kostbare Schule der Demut!
Oft wird es allerdings so sein, dass freundschaftliche Kontakte früher oder später im Sande verlaufen, einfach weil man sich mit Jesus in eine andere Richtung entwickelt, als wenn man ohne ihn lebt und man immer weniger Berührungspunkte mit seinen alten Freunden hat.

3.) Was die Missionierungsversuche angeht: ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass wir erst mit Gott über einen Menschen reden sollen, bevor wir mit dem Menschen über Gott sprechen. Darum bittet Paulus auch um Gebetsunterstützung, damit eine "Tür für das Wort" aufgetan wird (Kol 4,3). Wenn einer zum Glauben kommt, dann ist das immer das Werk des Heiligen Geistes. Bemühungen aus menschlicher Kraft sind eher kontraproduktiv.
Mit anderen Worten: eine Freundschaft ist mehr als eine missionarische Gelegenheit. Natürlich wünsche ich mir, dass auch meine Freunde die Erfahrung mit Jesus machen, die mir so viel bedeutet, aber ich kann und will es nicht erzwingen. Wer eine Freundschaft durch fruchtlose Missionierungsversuche zerstört, hat nichts gewonnen. Wer aber um des lieben Friedens willen von Jesus schweigt, handelt ungehorsam seinem Herrn gegenüber.

4.) Eine Grenze ist dort gegeben, wo mich der Umgang mit Ungläubigen selbst gefährdet. Wenn jemand zB aus der Drogenszene kommt, ist es meist besser für ihn, seine alten Kontakte abzubrechen, als Gefahr zu laufen, in die Sucht zurück zu fallen, weil er hofft, die alten Freunde retten zu können. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schmerzhaft das sein kann, aber hier muss man demütig seine Grenzen erkennen.

Im Zweifelsfall empfiehlt sich das Gespräch mit einem erfahrenen Seelsorger.
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