Predigt über 2.Korinther 4,6-10
Gehalten am 24.1.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft
Zum Inhalt: Gott wirkt durch Menschen, die nicht perfekt
sind!
Der Predigttext:
Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott sei und nicht von uns.
Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht.
Uns ist bange, aber wir verzagen nicht.
Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen.
Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um.
Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde. (2.Kor 4:6-10, Luther 1984)
Schatzsuche macht Spaß. Wenn man Kindern eine
Schatzkarte in die Hand drückt, und ihnen die Möglichkeit eröffnet, einen
echten Piratenschatz zu finden, dann ist die Begeisterung groß, auch wenn am
Ende der Suche nur ein paar Süßigkeiten gefunden werden.
Aber auch Erwachsene haben ihren Spaß am Schatzsuchen.
Das nennt sich dann Geocaching. Mein Schwager befasst sich damit. Man braucht
dafür einen Internetzugang, um sich die Koordinaten der Schätze herunterladen
zu können, und ein tragbares GPS Gerät, das einem den Weg zu dem Schatz zeigt.
Die Schatzkiste selber ist meistens nur eine Art Tupperdose, in der ein
bisschen Schnickschnack liegt und ein Logbuch, in das sich der Finder eintragen
kann. Der eigentliche Spaß besteht im Suchen, weil die Schätze meistens in
reizvollen Gegenden versteckt sind, die man ohne dieses Spiel nicht entdecken
würde.
Schätze faszinieren. Unzählige Geschichten handeln
davon, ob es "die Drei Fragezeichen" sind oder "der Schatz im Silbersee", "Ali
Baba und die 40 Räuber" oder der Schatz der Nibelungen. Und nach wie vor hat
das Wort "Schatz" einen Spitzenplatz unter den beliebtesten Koseworten inne.
Auch im heutigen Predigttext ist von einem Schatz die
Rede. Allerdings geht es hierbei nicht um Silber oder Gold, sondern um eine
einzigartige Lebenserfahrung, die Paulus gemacht hat. Sein Schatz, von dem er
spricht, ist die Liebe Gottes, die er erfahren hat. Sein Schatz ist die
Gegenwart Jesu in seinem Leben, die er für kein Gold dieser Welt eintauschen
würde. Das kann ich verstehen! Sein Schatz ist das Licht, das der Heilige Geist
in sein Leben hinein gebracht hat. Und dieses Licht hat eine so große Kraft,
dass es andere Menschen anzieht und in ihnen die Sehnsucht weckt, Gott ebenfalls
nahe zu kommen.
Man kann sich von diesem Schatz nichts kaufen und der
Schatz selbst lässt sich auch nicht kaufen - durch kein Geld dieser Welt. Aber
er ist das Wertvollste, was ein Mensch überhaupt finden kann. Denn dieser
Schatz schenkt inneren Frieden, Zufriedenheit, Orientierung, Geborgenheit,
Glaubensgewissheit und nicht zuletzt das ewige Leben. Dieser Schatz kann
wirklich glücklich machen und anders als bei irdischen Schätzen braucht man
keine Angst davor zu haben, dass das Finanzamt oder andere Räuber ihn wegnehmen
wollen.
Und auch für diesen Schatz gibt es eine Schatzkarte. Es
ist die Bibel; und anders als bei Goldschätzen werden diejenigen, die ihn
bereits gefunden haben, nicht verhindern wollen, dass andere ihn auch finden,
sondern sie freuen sich, wenn sie bei der Suche helfen können.
"Suchet, so werdet ihr finden", hat Jesus gesagt, und
diese Verheißung gilt bis heute. Wer sich auf die Suche nach Gott macht, der
braucht keine weiten Reisen zu unternehmen und braucht weder Internetanschluss
noch GPS Gerät. Es braucht nur ein offenes Herz und die Bereitschaft, Gott in
seinem Leben Raum zu geben. Wer ernsthaft darum bittet, Gott kennen zu lernen,
der wird ihm über kurz oder lang auch begegnen.
Allerdings muss man vorsichtig sein mit falschen
Erwartungen. Manche denken ja, wenn Gott in meinem Leben am Werk ist, dann
müssten sich auch automatisch alle Probleme in Luft auflösen. Unter seinem
Segen muss fortan alles glattgehen, alle Krankheiten werden geheilt, die Eheprobleme
verschwinden im Handumdrehen, der nächste Lottoschein bringt den Volltreffer
und kein Unheil kann uns mehr treffen, denn Gott selbst ist in unserem Leben
gegenwärtig.
Das ist leider ein Trugschluss. Man kann natürlich viele
wunderbare Dinge mit Gott erleben, aber er packt uns nicht in Watte. Wir
bleiben nach wie vor dieser Welt ausgeliefert mit all ihren Problemen und
Krankheiten und bösen Mächten, die hier nun mal am Werk sind.
Paulus benutzt hierfür eine interessante Formulierung.
Er sagt: "
Wir haben diesen Schatz in irdenen Gefäßen". Damit meint er
Ton, Terrakotta, Blumentöpfe. Unscheinbare, zerbrechliche Gefäße, in denen man
alles andere vermutet, aber keinen Schatz.
Mit diesem Bild will er sagen, dass wir Christen weder
automatisch auf der Siegerstraße des Lebens sind, noch dass wir perfekt sind
oder sein müssten.
Wenn er das schreibt, dann spricht er zunächst über sich
selbst. Paulus setzt sich im zweiten Korintherbrief mit Menschen auseinander,
die in die Gemeinde, die er in Korinth gegründet hat, eingedrungen sind und nun
versuchen, ihn dort schlecht zu machen. Alles Mögliche haben sie an ihm
auszusetzen. Er würde eine falsche Lehre verbreiten und in Sünde leben, er
hätte keine Vollmacht, er könne zwar tolle Briefe schreiben, aber schlecht
reden, und überhaupt sei er eine erbärmliche und kränkliche Erscheinung.
Mit diesen Menschen musste Paulus sich
auseinandersetzen. Es ging ihm dabei gar nicht so sehr um seine Person, aber
diese Leute wollten die Gemeinde zugleich von Christus weglocken, sie wollten
ihnen ein anderes Evangelium unterjubeln, und das durfte er nicht zulassen.
Paulus geht unter anderem in diesem Abschnitt darauf ein
und schreibt sinngemäß: Liebe Leute, wenn Ihr denkt, dass ein Gesandter Gottes
der perfekte Hollywoodstar sein muss, dann seid ihr auf dem Holzweg. Wir haben
unseren Schatz in irdenen Gefäßen! Gott baut sein Reich ausschließlich mit
Menschen, die nicht perfekt sind. Das hat unter anderem den einfachen Grund,
dass er keine anderen finden kann. Und manchmal hat es sogar den Anschein, dass
Gott sich gerade die schwierigen Typen heraus sucht, um mit ihnen etwas
anzufangen. Wenn wir den Vers weiterlesen, dann heißt es da:
"Wir haben aber
diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwengliche Kraft von Gott sei
und nicht von uns."
Die allzu Perfekten brauchen Gott nicht. Oder sie
glauben zumindest, ihn nicht zu brauchen und strahlen das auch aus. Aber im
Reich Gottes geht es gerade darum, IHN wirken zu lassen und nicht aus eigener
Kraft zu glänzen. Darum sucht er sich mit Vorliebe diejenigen aus, die wissen,
dass sie auf seine Gnade angewiesen sind.
Wenn wir einmal einen Blick auf die Geschichte Gottes
mit den Menschen werfen, dann stellen wir fest, dass es von "irdenen Gefäßen"
nur so wimmelt.
Das ging schon mit Adam und Eva los. Ein einziges Gebot
hatten sie zu befolgen - und es hat nicht lange gedauert, bis sie es gebrochen
hatten.
Der Hoffnungsträger der Menschheit nach der großen Flut,
Noah - nachdem die Sintflut überstanden war, hat er den Alkohol erfunden und
sich dermaßen die Kante gegeben, dass er besinnungslos in seinem Zelt lag.
Abraham, der Stammvater der Juden, konnte es nicht
abwarten, dass Gott seine Verheißung erfüllte und hat seine Dienstmagd
geschwängert, um endlich Nachwuchs zu bekommen.
Mose, der das Volk aus Ägypten befreit hat, wurde wegen
Mordes gesucht, denn er hatte einen ägyptischen Aufseher erschlagen.
Überhaupt die Juden, Gottes auserwähltes Volk, konnten
nun wirklich nicht mit den großen Völkern der Geschichte mithalten. Sie waren
weder Dichter noch Denker, sondern einfache Nomaden, die mit ihren Viehherden
durch die Lande zogen. Zudem zeigten sie sich als eigensinnig und ungehorsam
und sind immer wieder den falschen Göttern hinterher gelaufen.
Deswegen hat Gott ihnen seine Propheten geschickt. Aber
das waren auch solche Typen:
Jeremias hat sich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt,
Gottes Wort zu verkündigen. Ebenso Jonas. Gott schickt ihn nach Ninive, nach Osten,
um den Menschen dort den Zorn Gottes zu verkündigen - aber er flieht so schnell
er kann nach Westen.
Selbst Jesus, unser Erlöser, der einzige Mensch, der es
je geschafft hat, ohne Sünde zu leben - auch er war ein "Schatz in irdenen
Gefäßen". Er war alles andere als vorzeigbar. Die Großen seiner Zeit haben über
ihn gelacht! Geboren in einem Stall - also bitte, das ist doch kein Umgang! Er
war ein einfacher Handwerker und ist als mittelloser Wanderprediger im Land
umhergezogen. Am Ende stirbt er sogar als verurteilter Hochverräter am Kreuz.
Petrus, sein Chefjünger, schwört im Palast des
Hohepriesters Stein und Bein, dass er Jesus noch nie zuvor gesehen hat, obwohl
er ihm doch versprochen hat, mit seinem Leben für ihn einzustehen.
Auch die anderen Jünger zweifeln immer wieder an Jesus,
obwohl sie doch so viel mit ihm erlebt hatten.
Und schließlich Paulus, ursprünglich bekannt als Saulus,
der grimmige Christenverfolger, der dachte, Gott einen Gefallen zu tun, wenn er
die neue Christensekte ausrottet. Selbst nach seiner wunderbaren Bekehrung war
er noch nicht perfekt. Unter anderem hat er sich mit seinem Missionskollegen
Barnabas so sehr in der Wolle gehabt, dass sie jede weitere Zusammenarbeit beendeten.
Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.
Das heißt, dieser ganze Heiligenkult, den es in manchen
Spielarten unseres Glaubens gibt, ist dummes Zeug. Da war nichts mit Blattgold
und Heiligenschein. Die Menschen, die Gott in seinen Dienst genommen hat, waren
zu allen Zeiten nur schwache, unvollkommene und angefochtene Menschen. Es gibt
den göttlichen Schatz nur in irdenen, in zerbrechlichen, unscheinbaren Gefäßen.
Aber das heißt auch: Wenn Gott mit solchen Typen etwas anfangen konnte, dann kann
er es mit uns auch!
Und das will er auch. Er will mit uns etwas anfangen.
Bis in die Gegenwart hinein wirkt er durch schwache,
unvollkommene Menschen. Er müsste das nicht tun. Er ist Gott, er kann tun, was
er will, er hätte die Macht, jedem einzelnen Menschen von Angesicht zu
Angesicht zu erscheinen und zu sagen: "Du sollst an mich glauben und mir
dienen" - aber das tut er nicht. Stattdessen sucht er sich Menschen um den
Glauben weiterzugeben. Er benutzt Großeltern und Eltern und Paten, auch Religionslehrer
und Pastoren, Freunde, Nachbarn - irgendwelche schwachen Menschen, die es in
ihrer Schwachheit aber doch fertig bringen, uns einen Impuls zu geben, der uns
letztlich zu Gott führt,
Er erwählt sich eine Kirche, um seine Botschaft durch
die Zeiten zu transportieren, die so viele Fehler gemacht hat, dass es ein
Wunder ist, dass es sie überhaupt noch gibt. Die Kirche ist auch so ein irdenes
Gefäß! Es gibt die Geschichte von einem Hindu, der sich mit Kirchengeschichte
beschäftigt hat und anschließend Christ wurde. Seine Begründung lautete: Ein
Glaube, der das aushält, muss der richtige sein...
Gott schafft es, durch unvollkommene Menschen zu
handeln. Und er möchte auch dich und mich in den Dienst nehmen. Und es ist ein
großartiges Gefühl, wo das passiert, wo man spürt, dass man ein Werkzeug Gottes
wird, dass er einen benutzt, um bei anderen Menschen irgendetwas zu erreichen.
In der Regel ist das mit einem tiefen Gefühl der Demut
verbunden, weil man genau merkt, dass das nun nicht die eigene Kraft war, die
da gewirkt hat.
Ich erlebe es beispielsweise beim Predigen. Oft genug
laufe ich den ganzen Samstag wie Falschgeld herum und versuche, etwas
Sinnvolles zu Papier zu bringen. Ich weiß ja, dass da am Sonntag wieder viele
Menschen mit großen Erwartungen sitzen. Aber das macht die Sache nicht gerade
einfacher. Oft genug bin ich gar nicht zufrieden mit dem, was mir eingefallen
ist und steige auf die Kanzel mit dem Gebet: "Herr, mach du etwas daraus!" -
Wunderbarerweise passiert es an solchen Tagen oft, dass Menschen mich hinterher
ansprechen und sagen: "Heute hat mich deine Predigt wirklich berührt. Heute hat
mir Gott in der Predigt dies und das klar gemacht. Kann ich die noch mal schriftlich
haben? Und ich bin dann immer ganz beschämt und denke: also mein Verdienst war
das aber nicht."
Das Umgekehrte kenne ich auch. Ich schreibe da etwas
zusammen, bin hoch zufrieden mit mir, denke, das wird wirklich eine tolle
Predigt - und bin dann so ziemlich der einzige, der das so sieht.
Wir haben unseren Schatz in irdenen Gefäßen. Gott will
durch schwache und unvollkommene Menschen handeln. Alles was es dazu braucht,
ist ein Herz, das für ihn offen ist. Dann kann man erleben, wie sich plötzlich
Menschen getröstet fühlen durch einen Nebensatz, den man eher unbewusst gesagt
hat. Dann kann man erleben, wie einem plötzlich das rechte Wort zur rechten
Zeit geschenkt wird, wie sich Weisheit oder Geduld in Situationen einstellen,
in denen man sie dringend braucht. So wirkt Gott, so wirkt sich dieser Schatz
aus, und nicht, indem er uns perfekt macht oder in Watte packt.
Das heißt eben auch, wenn wir zu leiden haben, wenn wir
uns mit Tod, Krankheit und Unglück auseinandersetzen müssen, dann ist das kein
Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hätte. Gott hilft nicht immer an der
Not vorbei, aber er hilft immer hindurch. Oder wie Paulus schreibt:
"Wir
sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht." Gott ist da!
"Uns ist bange, aber wir verzagen nicht." Gott ist da! "
Wir leiden
Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen." Gott ist da!
"Wir werden
unterdrückt, aber wir kommen nicht um." Gott ist da! (2.Kor 4,8-9)
Ich schließe mit einem Text, den ich mal irgendwo
gelesen habe, und mir in der letzten Zeit ganz neu wichtig geworden ist:
Ich bat um Kraft; Gott gab mir Schwierigkeiten, um meine
Kraft zu entwickeln.
Ich bat um Weisheit; Gott gab mir Probleme zu lösen.
Ich bat um Wohlstand und Gott gab mir Gehirn und Muskeln
zum Schaffen.
Ich bat um Mut; Gott gab mir Gefahren zur Überwindung.
Ich bat um Liebe; Gott vertraute mir belastete Menschen
an.
Ich bat um Gunst; Gott gab mir Gelegenheiten.
Ich erhielt nichts von dem, was ich erbat, aber alles,
was ich brauchte.
Amen
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