Predigt über 1. Korinther 9,24-27
Gehalten am
31.01.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft
Zum Inhalt: Glaube braucht Training!
Der Predigttext:
"Wisst ihr nicht, dass die, die in der Kampfbahn
laufen, die laufen alle, aber einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass
ihr ihn erlangt. Jeder aber, der kämpft, enthält sich aller Dinge; jene nun,
damit sie einen vergänglichen Kranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.
Ich aber laufe nicht wie aufs Ungewisse; ich kämpfe mit der Faust, nicht wie
einer, der in die Luft schlägt, sondern ich bezwinge meinen Leib und zähme ihn,
damit ich nicht andern predige und selbst verwerflich werde." (1.Kor
9:24-27, Luther1984)
Angenommen, Sie würden gebeten, die Bedeutung, die der
Glaube für Sie hat, durch ein Bild auszudrücken - was würde ihnen da als erstes
einfallen? Ich habe es mir verkniffen, an dieser Stelle Stifte und Zettel zu
verteilen, auf die jeder seine Gedanken aufschreiben kann, obwohl das
vielleicht ganz interessant sein könnte.
Mir sind jedenfalls schon viele verschiedene Bilder
begegnet. Positive und negative. Zum Beispiel "das Gesetzbuch". Für manche
Leute ist der Glaube in erster Linie eine Sammlung von Dingen, die verboten
sind. Das ist nicht sehr attraktiv, aber viele erleben den Glauben so. Deswegen
halten sie sich auch am liebsten fern davon.
"Staatsbürgerschaft" wäre auch so ein Bild. Man wird
hineingeboren in den christlichen Glauben, so wie man in die deutsche
Staatsbürgerschaft hineingeboren wird. Man hat es sich nicht ausgesucht, aber
man wächst darin auf, es ist einem vertraut, manches prägt bewusst oder
unbewusst das Leben, aber normalerweise hat es keine weitere Bedeutung im Alltag.
Der Glaube als Krücke - das Bild wird gerne von Menschen
verwandt, die dem Glauben ablehnend gegenüberstehen. In ihren Augen ist der
Glaube nur etwas für schwache Menschen, die aus sich selbst heraus nicht genug
Kraft zum Leben haben und darum Zuflucht zu - wie sie meinen - alten Märchen
nehmen.
Der Glaube als Versicherungspolice - man bezahlt
regelmäßig für den Fall der Fälle, man ist in der Kirche, damit man abgesichert
ist, falls irgendetwas passiert, und damit man an seinem Lebensende eine
anständige Beerdigung bekommt.
Der Glaube als Schulfach - man besucht den
Konfirmandenunterricht, um die Grundlagen des Glaubens zu lernen, und am Ende
der Konfirmandenzeit ist das Thema dann abgeschlossen.
Der Glaube als Feuermelder - im Notfall Scheibe
einschlagen und Knopf drücken. Gut dass es ihn gibt, aber besser, wenn man ihn
nicht braucht.
Der Glaube als Teddybär - das kuschelige Gefühl von
Geborgenheit. Man kann viel besser schlafen wenn man ihn hat und im Notfall
kann man damit auch werfen, wenn man geärgert wird.
Diese Liste ließe sich vermutlich beliebig verlängern.
Wichtig daran ist mir, dass die entsprechenden Bilder eine gewisse Eigendynamik
entfalten. Das Bild, das ich vor Augen habe, prägt unweigerlich mein Denken und
Verhalten, darum macht es Sinn, diese Bilder anhand der Bibel einmal zu überprüfen.
Wenn jemand den Glauben als Gesetzbuch ansieht, wird er
in der Regel nicht verstehen können, warum Menschen freiwillig zur Kirche gehen
und sogar Spaß daran haben. Das passt in dieses Bild nicht hinein.
Wenn jemand den Glauben als Schulfach ansieht, wird er dazu
neigen, seine Konfirmanden am Sonntagmorgen an der Kirche auszusetzen und dann
wieder nach Hause zu fahren, denn er ist ja schon mit der Schule fertig. Er
braucht nicht mehr in den Gottesdienst zu gehen.
Jemand, der den Glauben als Versicherungspolice ansieht,
wird sie wahrscheinlich irgendwann aufkündigen, wenn das Geld knapper wird und
aus der Kirche austreten.
So haben diese Bilder jeweils ihre ganz eigene Dynamik.
Das Bild, das Paulus im heutigen Predigttext verwendet,
geht in eine ganz andere Richtung: Er beschreibt den Glauben als eine Art
Leistungssport. Und zwar nicht den, den man im Jogginganzug vor dem Fernseher
betreibt, sondern so richtig mit Bewegung und so.
Die Korinther haben jedenfalls gut verstanden, was er
meinte, denn in ihrer Stadt fanden alle zwei Jahre berühmte Sportwettkämpfe
statt: Die "Isthmischen Spiele", die nach den Olympischen Spielen damals die bekanntesten
waren. Monatelang haben sich die Athleten auf dieses Ereignis vorbereitet,
haben hart trainiert, haben auf ihre Ernährung geachtet, haben wirklich alles
gegeben, nur um einen Lorbeerkranz zu ergattern, der schon nach wenigen Wochen
verwelkt war.
Diese Sportler stellt Paulus den Christen als Beispiel
hin. Seht euch nur diese Leute an, sagt er, was die alles auf sich nehmen. Und
das alles nur für die paar Minuten auf dem Siegertreppchen. Natürlich ist es
schön, bejubelt und gefeiert zu werden, aber es dauert nicht lange, dann ist
der Ruhm vergessen und ein anderer Sportler steht dort oben. Trotzdem sagen
sie: "Es hat sich gelohnt!".
Von diesen Sportlern sollen wir als Christen lernen,
denn der Siegeskranz, der auf uns wartet, verwelkt nicht, der ist unkaputtbar.
Wenn Jesus am Ziel zu uns sagt: "Recht so, du treuer Knecht, du hast einen
guten Job gemacht, sei willkommen in meinem ewigen Reich", dann haben wir für
alle Zeiten ausgesorgt. Dafür lohnt es sich schon, etwas zu investieren.
Allerdings ist der Wettkampf, in dem wir stehen, etwas
anders als beim Sport. Hier kommt es nicht darauf an, wer als erster durchs
Ziel geht, sondern hier kommt es darauf an, dass wir bis zum Ende durchhalten
und uns ein Leben lang nicht davon abbringen lassen, im Glauben, in der Liebe
und in der Hoffnung zu wachsen. Mit tut es immer ein bisschen weh - ich habe im
Laufe der Jahre viele Menschen miterlebt, die mit Begeisterung angefangen
haben, eifrig dabei gewesen sind und dann wurde es nach und nach weniger und
irgendwann hatte die Welt sie zurück. Schade.
Beim Wettlauf des Glaubens bekommt nicht derjenige die
meisten Punkte, der seine Konkurrenten am geschicktesten aus dem Rennen wirft,
sondern derjenige, der anderen hilft. Nicht der Stärkste wird siegen, sondern
derjenige, dem es am besten gelingt, die Kraft Jesu wirken zu lassen. Dafür
sollt ihr trainieren, sagt Paulus. Dafür sollt ihr bereit sein, auf andere
Dinge zu verzichten.
Für den heutigen Menschen mag das fanatisch klingen. Es
passt ja auch wirklich nicht mehr in unsere Zeit.
Da treffen sich zwei Freunde und der eine sagt zum
anderen: "Kommst du am Samstagabend mit, wir wollen uns mal so richtig die
Kante geben!" Der andere antwortet: "Nee du, das passt mir gar nicht, ich habe
am Sonntag ein wichtiges Fußballspiel! Wenn wir es in dieser Saison gut
anstellen, haben wir echte Chancen auf die Meisterschaft!" "Super! Wie oft
trainiert ihr denn?" "Naja, im Moment dreimal die Woche. Schließlich wollen wir
gewinnen!". Dann wird der andere das vermutlich verstehen und wahrscheinlich
den aktiven Sportler insgeheim bewundern.
Antwortet der andere aber: "Nee du, ich komme am Samstag
lieber nicht mit, sonst schaffe ich das am Sonntag nicht in den Gottesdienst",
dann kann er sich auf eine verwunderte Reaktion einstellen. "Was, wieso gehst
du in die Kirche, du bist doch schon konfirmiert?!" "Ja, das stimmt schon, aber
ich möchte gerne in meinem Glauben weiterwachsen. Ich habe gemerkt, dass meine
Beziehung zu Gott leidet, wenn ich nicht in den Gottesdienst gehe." "Wie jetzt -
soll das heißen, dass du jeden Sonntag in die Kirche gehst??" "Ja klar, und
dienstags ist Hauskreis. Da diskutieren wir über die Bibel und beten zusammen -
das ist eine ganz tolle Sache". Spätestens an diesem Punkt müssen wir damit rechnen,
dass der Freund beginnt, sich Sorgen darüber zu machen, welche Sekte hier wohl
am Werk sein könnte.
Ist ja auch klar: Wenn ich den Glauben als Feuermelder
verstehe, dann macht es keinen Sinn, mehr als nötig dafür zu tun. Wenn ich ihn
aber als Leistungssport ansehe, dann ist es ganz selbstverständlich, dass ich
auch etwas dafür investiere. Es ist selbstverständlich, dass ich zum Training
gehe und auf Dinge verzichte, die meine Entwicklung beeinträchtigen. Wer an einem
Marathonlauf teilnehmen will, für den ist es völlig klar, dass er regelmäßig
joggen geht, dass er nicht raucht und auf seine Ernährung achtet.
Weil ich im Glauben wachsen will, lese ich jeden Morgen
einen kleinen Abschnitt in der Bibel. Das ist meine geistliche Nahrung. Und
natürlich verzichte ich darauf, das Horoskop in der Zeitung zu lesen, denn ich
will im Vertrauen auf Gott wachsen und nicht an irgendwelche kosmischen Mächte
glauben, die angeblich mein Schicksal beeinflussen.
Weil ich im Glauben wachsen will, nehme ich mir Zeit für
das Gebet, denn jede Beziehung lebt vom Gespräch. Und ich möchte in meiner
Beziehung zu Gott wachsen. Und wie ein Sportler sich immer mal wieder aufraffen
muss, um zum Training zu gehen, obwohl er eigentlich keine Lust hat, muss ich
auch immer wieder mal gegen innere Unlust und Störungen von außen ankämpfen.
Manchmal ist das Gebet etwas sehr schönes - und manchmal einfach eine Frage der
Disziplin.
Weil ich im Glauben wachsen will, versuche ich, meine
Fantasien reinzuhalten. Ich sehe mir weder Horror- noch Sexfilme an, zum einen,
weil sie mich nicht interessieren, zum anderen, weil ich weiß, dass sie mir
nicht gut tun würden.
Weil ich im Glauben wachsen will, versuche ich, guten
Input zu bekommen. Ich lese christliche Bücher, höre Predigten und nehme
regelmäßig an einem Hauskreis teil. Ich verzichte auf Computerspiele, die meine
Zeit und meine Kraft und meine Fantasie rauben würden.
Dies sind nur ein paar Beispiele meines persönlichen
Trainingsprogrammes.
Ich will damit nicht sagen, dass es jeder genauso machen
müsste wie ich. Das wäre Quatsch, denn jeder Mensch ist anders und muss auf
andere Dinge achten.
Paulus selbst verzichtet auch bewusst darauf, Listen aufzustellen
von Dingen, die für Christen verboten sind. Darin sind wir Christen oft
Weltmeister: Listen von Verboten aufzustellen und dann anderen Menschen daran
zu messen, ob sie sich an unsere Listen halten oder nicht.
Denn darum geht es nicht. Der Glaube ist eben kein
Gesetzbuch. Paulus selbst schreibt an einer Stelle sogar: "Mir ist alles
erlaubt!". Der Glaube ist keine Sammlung von Regeln, die zu befolgen sind!
Es gibt kein Gebot, das uns verbietet, giftige Pilze zu
essen. Trotzdem würde ich das niemandem empfehlen. Es ist einfach ungesund.
Es gibt kein Gebot, das uns verbietet, zu rauchen.
Trotzdem würde ich auch das niemandem empfehlen. Es ist ungesund und es raubt
uns unsere Freiheit. Ich bin Jesus heute noch dankbar dafür, dass er mich von
meiner Nikotinsucht befreit hat.
Gott möchte uns Freiheit schenken. Er möchte aber auch,
dass wir diese Freiheit auf kluge Weise nutzen. Wir sind frei, uns unser
persönliches geistliches Trainingsprogramm aufzustellen.
Und ich denke, wir werden ähnliche Erfahrungen machen,
die ein Sportler macht. Für den ist das Training ja nicht nur Schinderei,
sondern in der Regel fühlt man sich, wenn man sich im Sport so richtig
ausgepowert hat, anschließend entspannt, glücklich und zufrieden.
So wird uns das im geistlichen Training auch gehen: Wenn
wir Zeit und Kraft für Gott investieren, erleben wir, dass nicht wir etwas
gegeben haben, sondern dass wir beschenkt wurden. Und das macht glücklich und
zufrieden - Jesus, der immer mehr Raum in unserem Leben bekommt!
Amen
Zum Seitenanfang