Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Römer 5, 1-11


Predigt über Römer 5, 1-11

 

Gehalten am 28.2.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

(Mitschrift der gesprochenen Predigt)

Zum Inhalt: Ergreife Gottes Friedensangebot!


Der Predigttext:

Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den heiligen Geist, der uns gegeben ist.

Denn Christus ist schon zu der Zeit, als wir noch schwach waren, für uns Gottlose gestorben. Nun stirbt kaum jemand um eines Gerechten willen; um des Guten willen wagt er vielleicht sein Leben. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.

Um wieviel mehr werden wir nun durch ihn bewahrt werden vor dem Zorn, nachdem wir jetzt durch sein Blut gerecht geworden sind! Denn wenn wir mit Gott versöhnt worden sind durch den Tod seines Sohnes, als wir noch Feinde waren, um wieviel mehr werden wir selig werden durch sein Leben, nachdem wir nun versöhnt sind.

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesus Christus, durch den wir jetzt die Versöhnung empfangen haben.  (Römer 5,1-11)



"Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren" - Na, das ist doch mal eine gute Nachricht! Das müssen die Leute doch wissen!

Und dann machen sich zwei junge Menschen auf den Weg, um diese Nachricht weiter zu sagen. Sie gehen von Tür zu Tür und klingeln bei den Leuten, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Einmal passierte es ihnen, dass jemand öffnet, und sie sagen: "Wissen Sie, dass Christus für sie gestorben ist?" Und der Angesprochene antwortet: "Ach, da kommt ihr zu spät. Für mich ist der schon lange gestorben!"

Das ist bitter.
Aber mindestens genauso schwierig ist so eine Antwort wie "Natürlich weiß ich das, ich bin ja schließlich getauft und konfirmiert!"

 "Und, hat es den Auswirkungen auf ihr Leben?"

"Nö, wieso?"

 

Meistens folgt an dieser Stelle die "Man-kann-auch-Christ-sein-ohne"-Argumentation. "Ich kann doch auch Christ sein, ohne in die Kirche zu gehen! Ich kann doch auch Christ sein, ohne in der Bibel zu lesen! Ich kann doch auch Christ sein, ohne zu beten! Ich kann doch auch Christ sein, ohne zu glauben! Ich kann doch auch Christ sein, ohne Kirchensteuer zu zahlen!" Und so weiter und so weiter.

Es ist wirklich schwer, dagegen zu argumentieren, weil das Gespräch dann schnell einen verurteilenden Charakter annimmt - und das wollen wir ja nicht. Zudem: Es stimmt ja auch. Es stimmt ja, dass der Kirchgang alleine das Christsein nicht ausmacht. Es ist natürlich gut und richtig, sich am Sonntag Zeit zu nehmen für Gottes Wort und für die Gemeinschaft. Aber das entscheidet ja nicht über unser Christsein. Sonst müsste man ein Gesetz herausbringen: "Hiermit wird verfügt: Wer Christ sein will, muss jeden Sonntag in die Kirche kommen."

Mal abgesehen davon, dass das nicht zu der Grundstruktur unseres Glaubens passen würde - wir leben in der Freiheit vom Gesetz - wäre dieses Gesetz auch Unsinn. Was ist denn mit denen, die krank sind und deswegen nicht zur Kirche kommen können, sind die deswegen keine Christen? Was ist mit mir, wenn ich einmal verschlafe, dann hätte ich gegen das Gesetz verstoßen - wäre ich dann noch Christ? Also müsste man vielleicht eine Zahl festsetzen, so wie bei den Konfirmanden: 15 mal im Jahr musst Du zur Kirche kommen, wenn du ein Christ sein willst. Aber was ist, wenn ich nur 14 mal komme? Bin ich dann wegen dem einen fehlenden Gottesdienstbesuch kein Christ mehr?

Wir merken, es ist schwierig. Und um es noch komplizierter zu machen: was ist denn mit denen, die sogar 50 mal zur Kirche kommen, weil sie das als Kind so gelernt haben, aber die nur ihre Zeit absitzen, das Gehörte geht zum einen Ohr rein und zum andern heraus, und es ist in ihrem Leben nichts von der Liebe Gottes zu spüren?

Mit all diesen Problemen bekommen man zu tun, wenn man gegen das "Man kann auch ohne" argumentieren will. Und trotzdem merkt man, dass da etwas nicht stimmt.

Zwei Männer kommen miteinander ins Gespräch, und der eine sagt: "Ich bin HSV Fan!" - "Mensch super", sagt der andere, "ich auch! War das nicht ein tolles Spiel letztens gegen Eindhoven?"

"Das weiß ich nicht, ich habe es nicht gesehen!"

"Was, das hast du nicht gesehen? Ich war sogar im Stadion! Aber heute Abend, da geht es gegen die Bayern, dann kriegen die einen auf die Mütze!"

"Ach wirklich? Nein, da habe ich keine Zeit, meine Schwiegermutter kommt zu Besuch..."

"Hey, ich denke, du bist HSV Fan!"

"Ja, das bin ich auch, ich habe sogar einen Aufkleber an meinem Auto! Deswegen muss ich mir doch nicht jedes Spiel angucken!"

"Na ja, schon klar - was war denn das letzte Spiel, das du gesehen hast?"

"Das weiß ich nicht mehr - ich glaube das war letztes Jahr - oder vorletztes Jahr..."

"Na, Du bist mir ja ein schöner Fan!"

Er kann sich HSV Fan nennen, soviel er will, denn dieser Begriff ist nicht gesetzlich geschützt. Jeder kann ihn definieren, wie er es für richtig hält. Das ist reine Privatsache.

Wie aber ist es beim Christsein? Wer definiert eigentlich, was es heißt, ein Christ zu sein? Jeder selber? Der Pastor? Die Kirchenleitung? Oder Gott?

Ich denke tatsächlich, dass Gott derjenige ist, der darüber entscheidet - mit vollem Risiko, denn das kann ja bedeuten, dass er völlig anderer Meinung ist als ich! Das könnte ja heißen, dass ich mich ganz toll fühle, mit meiner Frömmigkeit und meinen guten Taten, mit meinen Fehlern, über die ich natürlich großzügig hinweg sehe, denn ich kenne ja einige, die viel schlimmer sind als ich, und es könnte sein, dass Gott die Dinge ganz anders bewertet als ich. Es könnte sein, dass er im Gericht zu mir sagt: "Sorry, aber Du kommst nicht in den Himmel. Du erfüllst nicht die Voraussetzungen!"

Das ist eine bittere Vorstellung! Kann das wirklich passieren?

Viele bestreiten das.  Sie behaupten, dass das nicht passieren könne. Gott, wenn es ihn denn überhaupt gibt, soll doch der liebe Gott sein, der alle Menschen liebt. Wie kann er dann jemanden zurückweisen? Das passt doch nicht zusammen!

Und es passt auch nicht in unsere Zeit. Wir haben uns an eine Art "Christentum light" gewöhnt: Sei  du nur getauft, sei konfirmiert, zahle Kirchensteuer, bringe möglichst keinen Menschen um, dann kommst Du auch schon in den Himmel. Du kannst betrügerisch sein und ehebrecherisch und so lieblos wie du willst, das macht nichts, dafür gibt es ja die Gnade!

Das ist das Gottesbild, wie es mir an vielen Stellen in unserer Volkskirche begegnet. Das verkauft sich soweit auch ganz gut, obwohl es jetzt einige Einbußen gibt, weil immer mehr Menschen sagen: "Wenn es so ist, dann wird Gott doch wohl auch nicht kleinlich sein, wenn ich keine Kirchensteuern zahle, oder?"

Das Grundproblem dieses Gottesbildes ist allerdings, das es nicht mit der Bibel übereinstimmt. Um es ganz deutlich zu sagen: Es ist Betrug an der Menschheit, solch ein Gottesbild zu predigen, denn es vermittelt eine trügerische Sicherheit. Wer so etwas verkündigt, ist noch schlimmer als ein Finanzberater, der zu seinen Kunden sagt: "Keine Angst, dein Geld ist bei mir sicher!" - und es anschließend an der Börse verzockt. Es werden im Moment ja etliche Prozesse gegen Finanzberater geführt, weil die Menschen empört sind und sagen: "Was, von Risiko hat mir ja keiner etwas gesagt, ich dachte immer, die Börse sei so eine Art Geldvermehrungs-Maschine..."

Verlorenes Geld lässt sich nachverdienen. Der Verlust lässt sich überwinden. Aber wenn wir unsere Seele verlieren, dann haben wir alles verloren.

In Finanzdingen sind die Menschen kritisch geworden. Bevor sie ihr Geld anlegen, informieren sie sich, sie hören nicht nur auf einen Berater, der ihnen in der Regel seine eigenen Produkte verkaufen möchte, sondern sie machen sich schlau und hören sich um. Dabei bemerken sie ganz schnell, wie gefährlich Halbwahrheiten auf diesem Sektor sind.

Beispielsweise sagt ein Berater: "Dieser Fonds, den ich Ihnen hier völlig uneigennützig verkaufen möchte, hat in den letzten sechs Monaten 5% Gewinn gemacht!" Das stimmt soweit auch. Aber wenn man sich dann schlau macht, stellt man fest, dass er in den letzten drei Jahren 20% verloren hat! Das sind Halbwahrheiten.

Ebenso ist es eine Halbwahrheit, wenn einer sagt: "Gott liebt alle Menschen!"

Es stimmt natürlich. Gott liebt alle Menschen, und seine Liebe ist so groß, dass Christus in die Welt gekommen ist, um für Sünden zu büßen, die er gar nicht selber getan hat. Nämlich für meine Sünden. Und für deine Sünden. Und für die Sünden derjenigen, die heute nicht da sind. Und auch für die derjenigen, die nie kommen und sogar für die derjenigen, die überhaupt nichts von Gott wissen wollen. Für die ist er am Kreuz gestorben.

Aber das ist nur ein Teil der Wahrheit! Das andere, was wir wissen müssen, ist das: Wer sündigt, macht sich Gott zum Feind! Wenn ich einem anderen Menschen schade, dann ist das nicht nur ein Ding zwischen ihm und mir, das ist nicht nur unsere Privatsache, sondern wir greifen Gott selbst damit an.

Wenn jemand meinen Kindern etwas zu Leide tut, dann bekommt es mit mir zu tun! Da kann keiner sagen: "Es ist meine Privatsache, dass ich deine Tochter verprügelt habe, das geht dich doch nichts an!" Ich rate keinem, das auszuprobieren...

Und ebenso lässt es auch Gott nicht kalt, wenn Menschen einander Leid zufügen. Das macht ihn zornig! Und es ist keine gute Idee, sich mit Gott anzulegen.

So, und jetzt haben wir eine paradoxe Situation: Wir haben die Menschen auf der Erde, und da ist nicht einer dazwischen, der nicht Gottes Zorn verdient hätte. Es ist nicht einer, der sich sein Leben lang an Gottes Regeln gehalten hätte, nicht einer, der wirklich seinen Nächsten von Herzen liebt wie sich selbst, nicht einer, der anderen niemals Unrecht tun würde, oder zu träge wäre, das Gute zu tun, das ihm möglich ist. Das heißt, wir sind von Natur aus Gottes Feinde - sagt die Schrift!

Und was macht man mit Feinden? Klar! Man bekämpft sie, man rottet sie aus, man bringt sie um... Es gibt allerdings noch einen viel besseren Weg, wie man mit Feinden fertig wird, und das ist der Weg der Versöhnung. Wenn es gelingt, sich mit seinem Feind zu versöhnen, dann ist wirklich Frieden. Dann haben wir die Feindschaft selbst besiegt. Und das ist das, was Gott möchte. Das ist das, was Paulus uns heute sagen möchte, wenn er schreibt: "Wir haben Frieden mit Gott durch Jesus Christus." Er ist an unserer Stelle gestorben, als wir noch Feinde waren und jetzt lädt er uns ein, das Lager zu wechseln. Lasst euch versöhnen! Geht über die Brücke, die Jesus gebaut hat! Ergreift die Hand, die er euch entgegen streckt! Und dann fangt ein neues Leben mit ihm an!

Ein Leben, in dem Gott nicht mehr "Unter ferner liefen" steht, sondern wirklich die Mitte ist, der Maßstab, an dem wir uns messen, das Licht, an dem wir uns orientieren.

Gott gibt uns die einmalige Chance, die Seiten zu wechseln. Es muss aber klar sein, dass wir, wenn wir das tun, plötzlich neue Feinde bekommen. Nämlich diejenigen, die die Seiten nicht gewechselt haben und das auch nicht tun wollen. Ganz oft sind die ehemaligen alten Freunde die schlimmsten neuen Feinde.

Dabei haben wir es in unserem Land ja noch gut, wir haben nicht viel auszuhalten, bestenfalls ein bisschen Spott oder einen mitleidigen Blick oder einen Spruch "Na, musst Du wieder zur Kirche rennen?" - In anderen Teilen der Welt sieht das ganz anders aus. Gegenwärtig werden tatsächlich mehr Menschen wegen ihres Glaubens an Jesus Christus bedroht, gefoltert und getötet, als damals zu Zeiten des Paulus.

Deswegen finde ich es gut, dass die EKD diesen Tag zum Gedenken an die verfolgten Christen bestimmt hat. Jahrelang ist dieses Thema totgeschwiegen worden. Man meinte immer, es stünde dem Dialog mit dem Islam im Weg, wenn man den Muslimen gleichzeitig vorrechnet, wie viele Christen sie auf dem Gewissen haben. Im Irak hat sich in den letzten Jahren die Anzahl der dortigen Christen halbiert. Es waren mal 1,2 Millionen.

Als wir in Indien waren, haben wir auch einiges davon mitbekommen, denn in dem Bundesland, in dem wir waren, ist es immer wieder zu Ausschreitungen gegen Christen gekommen, dort allerdings vonseiten radikaler Hindus. Wir merkten die Angst unserer Gastgeber. Sie waren ängstlich bemüht, uns von den anderen Menschen der kleinen Stadt abzuschotten. Wir hielten es erst für übertrieben, aber das war es nicht. In diesem Land werden Menschen verschleppt, es wird ihnen unterstellt, dass sie Hindus mit Geld bestechen, um Christen zu werden und dann kommen sie ins Gefängnis. Unabhängig davon, ob die Vorwürfe zutreffen oder nicht.

Diese verfolgten Christen schauen neidisch auf die westliche Welt. Sie sagen: "Was habt ihr das gut in Deutschland! Ihr könnt euch treffen, so oft ihr wollt. Ihr könnt euch Bibeln kaufen, ohne dafür ins Gefängnis zu kommen. Ihr dürft Gottesdienste feiern. Ihr habt sogar staatliche Unterstützung bei der Ausbildung eurer Pastoren. Was für ein Paradies!"

Und dann antwortet die Mehrheit der Deutschen Christen: "Ja, das stimmt schon, aber eigentlich brauchen wir das nicht. Eigentlich können wir auch Christen sein ohne Kirche. Eigentlich können wir auch Christen sein ohne Bibel. Eigentlich können wir auch Christen sein, ohne in unserem Leben etwas zu verändern..."

Wir wollen nicht darüber richten. Aber wir sollen auch nicht müde werden, die biblische Wahrheit hochzuhalten. Jesus Christus ist für uns in den Tod gegangen, um eine Brücke zu Gott zu bauen. Er bietet uns Frieden an. Er bietet uns Vergebung der Sünden, die ewige Gemeinschaft mit Gott an. Wer klug ist, geht auf dieses Angebot ein.

Amen.


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