Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über 1.Petrus 1, 3-9


Predigt über 1.Petrus 1, 3-9

 

Gehalten am 11.04.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

(Mitschrift der gesprochenen Predigt)

Zum Inhalt: Wiedergeburt ist ein Geschenk Gottes


Der Predigttext:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereit ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.  (1.Petrus 1,3-9)



Man stelle sich vor, in Flensburg, im Fördepark, würde eine besondere Aktion veranstaltet: "Alt gegen neu". Man kann alles tauschen. Kostenlos. Kleidung, Schuhe, Computer, alte Röhrenfernseher gegen moderne Flachbildfernseher, Autos. Was man möchte. Einfach so. Alt gegen neu.

Die Folge wäre vermutlich ein Verkehrsstau, der von München bis nach Flensburg reicht. Dieses Angebot würde sich kaum jemand entgehen lassen.

Gott sagt: "Du kannst von neuem geboren werden. Gib mir dein altes Leben, tausche es ein gegen etwas völlig Neues. Gib mir das alte, alles was schief gelaufen ist, all die Schuld, all die Abwege, auf die du geraten bist, und du bekommst etwas Neues. Das ist Wiedergeburt. Das ist eine unglaubliche Erfahrung, von der Petrus hier schreibt. "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten."

Also zugegeben, das ist ein Satz, den man mindestens dreimal gelesen haben muss, bevor man ihn so einigermaßen kapiert. Unter anderem, weil es hier so einige Schlüsselworte gibt, die missverständlich sind. Was bedeutet denn bitte "Wiedergeburt"? Warum spricht man mitunter von einem "wiedergeborenen Christen"?

Also, was hier nicht gemeint ist, sind vergangene Leben. Mitunter liest man ja in der Boulevardpresse von irgendwelchen Hollywood-Stars, die fest davon überzeugt sind, schon einmal gelebt zu haben. Dieser Glaube an die sogenannte "Reinkarnation" kommt aus den östlichen Religionen und erfreut sich auch in unserer Kultur zunehmender Beliebtheit. Aber der Bibel ist dieser Gedanke fremd. Sie weiß nichts von vielen aufeinanderfolgende Leben, nach dem Motto "Neues Spiel, neues Glück", sondern es gibt das eine Leben, das Gott uns anvertraut, und über das er am Ende von uns Rechenschaft einfordert, um dann zu entscheiden, wo wir die Ewigkeit verbringen werden.

Was natürlich auch nicht gemeint ist, ist wenn wir im sprichwörtlichen Sinne sagen: "Ich fühle mich wie neugeboren" - etwa nach einer kühlen Dusche an einem heißen Tag. Das greift zu kurz.

Sondern gemeint ist das Wunder, dass sich ein menschliches Leben im tiefsten erneuert. Es geht um das Wunder, dass jemand, der von Gott getrennt war, jemand der sich von Gott abgewandt hat, jemand, der von ihm nichts wissen wollte, zu einem hingebungsvollen Jünger Jesu wird.

Insofern ist das geläufige Wort "wiedergeborener Christ" eigentlich doppelt gemobbelt. Dieser Ausdruck hat sich nur deshalb eingebürgert, weil in unserer Zeit nicht mehr klar ist, was eigentlich ein Christ ist.

Landläufig sagt man: Christ ist, wer getauft und möglichst noch konfirmiert ist und halbwegs anständig lebt - wobei man sich schon darüber streiten kann, ob die Kirchensteuern unbedingt dazugehören, oder ob man auch Christ sein kann, wenn man aus der Kirche ausgetreten ist.

Aber Christ wird man weder durch die Taufe, noch durch die Kirche, sondern Christ wird man durch Christus. Da kommt der Name her. Ein Christ ist jemand, der Jesus lieb hat.

Im Predigttext heißt es von den Christen, dass sie Jesus lieb haben, obwohl sie ihn nicht sehen. Also geht es um eine Herzensverbindung. Es geht darum, dass jemand Jesus bewusst als seinen Herrn und Erlöser angenommen hat, dass er sich zu ihm bekennt und dass er ernsthaft daran arbeitet, seinen Willen umzusetzen. Das ist ein Christ.

Das Problem ist nur, dass dieser ganze Prozess unserer menschlichen Natur zutiefst widerstrebt.

Es geht schon damit los, dass wir eigentlich gar nicht lieb haben können, was wir nicht sehen.

Und eigentlich sind wir auch viel mehr daran interessiert, unseren eigenen Willen durchzusetzen, als den eines anderen zu erfüllen. Das geht schon im Kindergartenalter los. Das kleine Kind sagt: "Ich will nicht immer wollen was ihr wollt, ich will auch mal wollen was ich will!". Das steckt in uns drin! Die Rebellion gegen Gott steckt uns in den Knochen! Gib mir ein Gebot, und ich werde dagegen verstoßen.

Keiner von uns hätte im Paradies anders gehandelt als Adam und Eva. Wir sind von Natur aus keine Heiligen, wir sind von Natur aus Sünder. Das heißt, wir haben unreine Gedanken, unheilige Bedürfnisse, wir haben in uns Zorn und Neid und Missgunst und all diese Dinge. Wir haben vielleicht eine gute Erziehung genossen, die uns hilft, diese Impulse zurückzudrängen. Wir haben vielleicht gute Vorsätze. Aber dennoch steckt es in uns drin. Und das führt auch dazu, dass wir von Natur aus eigentlich überhaupt keinen Erlöser wollen. Das widerstrebt nämlich unserem Stolz. Denn so schlecht bin ich ja nun wieder auch nicht, dass da einer für mich am Kreuz sterben musste.

Unserer Natur ist völlig inkompatibel mit der Natur Gottes. Die Bibel drückt das etwas anders aus, sie sagt: Wir sind "Fleisch", während Gott "Geist" ist - und das passt nicht zusammen. Und darum brauchen wir eine neue Geburt. Darum brauchen wir das, dass in unserem Inneren zutiefst etwas neu wird.

 

Und jetzt haben wir ein Problem. Diejenigen, die wiedergeboren sind, werden an dieser Stelle innerlich nicken und sagen: "Klar, kenne ich, so war das bei mir auch." Wer nicht wiedergeboren ist, wird sich dagegen sträuben - naturgemäß - und sagen: "Wieso das denn? Was brauche ich denn noch? Ich bin doch ein passabler Mensch! Ich bin natürlich nicht perfekt, aber das sind die anderen ja auch nicht! Schau doch nur mal an, was zurzeit über die Kirche in der Presse geschrieben wird! Da betreiben Geistliche Kindermissbrauch und misshandeln Kinder - da bin ich doch wohl noch deutlich besser als die!"

Die Bibel berichtet, dass einmal spät abends ein Mann zu Jesus kam. Er hieß Nikodemus und war ein angesehenes Mitglied des hohen Rates. Er war ein frommer Mann und ein Lehrer der heiligen Schriften. Von dem konnte sich so mancher eine dicke Scheibe abschneiden. Und er kommt zu Jesus - im Schutz der Dunkelheit, damit es möglichst niemand mitbekommt - und sagt zu ihm: "Jesus, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, der uns von Gott gesandt wurde, denn sonst könntest du niemals die Wunder tun, die du getan hast."

Jesus fällt ihm ins Wort und sagt: "Papperlapapp! Es geht hier nicht um Lehre! Es geht nicht darum, dass wir geistliches Wissen anhäufen bis wir platzen, sondern es geht darum, dass wir von neuem geboren werden - das sagt er zum Frömmsten der Frommen! Du musst von neuem geboren werden, sonst kannst du nicht in das Reich Gottes!

Wenn er das zu einem Zöllner gesagt hätte oder zu einer Prostituierten, mit denen er ja auch viel geredet hat, - aber er sagt das zu einem frommen Mann! Du musst von neuem geboren werden!

Nikodemus ist natürlich geschockt und versucht es ins Lächerliche zu ziehen, indem er sagt: "Wie soll das denn gehen, ich bin ein alter Mann, ich kann doch nicht in den Bauch meiner Mutter zurückkehren und von neuem zur Welt gebracht werden?" Jesus antwortet: "Wenn du nicht von neuem geboren wirst aus Wasser und Geist, so kannst du das Reich Gottes nicht schauen".

Wasser und Geist.

Klar, "Wasser" bezieht sich auf die Taufe. Damals wurden überwiegend erwachsene Menschen getauft, die eine geistliche Entscheidung getroffen hatten, und sich in der Taufe öffentlich dazu bekannten. Also steht das Wasser für das Bekenntnis des Menschen zu Gott. Entsprechend steht der Geist dafür, dass Gott diesen Menschen anrührt. Und beides kommt zur Wiedergeburt zusammen: Wasser und Geist. Wenn man das Wort "Wiedergeburt" aus dem Griechischen wörtlich übersetzt, dann steht dort "von oben her geboren werden". Es ist ein Werk Gottes.

Ohnehin ist eine Geburt ist etwas zutiefst Passives. Ein Mensch wird geboren. Er gebiert sich nicht selbst. Und darum geht es. Es ist von oben her, es ist das Werk des heiligen Geistes, es ist nicht etwas, was Menschen aus eigener Kraft tun können. Und das ist auch gut so, denn sonst würde der alte Mensch sofort wieder mit fleischlichem Stolz darauf reagieren und sagen: "Schaut mal, Leute, was ich da geschafft habe! Ich bin wiedergeboren und du man nicht!"

Deswegen schreibt Petrus auch nicht: "Herzlichen Glückwunsch, ihr wiedergeborenen Christen, super, dass ihr es geschafft hat", sondern er schreibt: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat" - das war Barmherzigkeit, er musste es nicht tun! Die Wiedergeburt ist ein Geschenk!

Natürlich hat das seine Vorgeschichte. Es kommt nicht von alleine und es kommt nicht überraschend. Man geht nicht über die Straße und wird unversehens wiedergeboren. So funktioniert es nicht - was unter anderem damit zusammenhängt, dass Gott unseren Willen respektiert. Er hat uns ja ganz bewusst nicht als Marionette erschaffen, sondern als Menschen, die in der Lage sind, zu Gott auch "Nein" zu sagen, als eigenständig denkende Wesen, die in der Lage sind, ihm den Rücken zu zukehren. Und er versucht uns zu werben, er versucht, uns mit seiner Liebe zu locken und hofft, dass wir umkehren, dass wir uns zu ihm bekehren, dass wir uns auf ihn hin ausrichten.

Wie das im Einzelnen passiert, ist individuell verschieden. Es gibt keine Normgeschichte. Aber in der Regel hat es mit Sehnsucht zu tun. Meistens steht die Sehnsucht am Anfang. Die Sehnsucht nach einem neuen Leben. Die Sehnsucht nach Erlösung. Nach Befreiung von Schuld. Die Sehnsucht, aus einer Abhängigkeit herauszukommen.

Und irgendwann wächst die Erkenntnis, dass es Gott ist, auf den sich die Sehnsucht richtet. Es sind nicht die Dinge dieser Welt, es ist Gott selbst, der mir fehlt. Und wenn ich diesen Weg weitergehen, stelle ich irgendwann fest, dass auch Gott Sehnsucht nach mir hat. Das ist schon eine bewegende Erkenntnis. Es ist so etwas wie eine Liebesgeschichte. Und am Ende dieser Liebesgeschichte steht dann die Hochzeit. Am Ende steht das Bekenntnis: "Ja, du sollst mein Herr sein für Zeit und Ewigkeit!"Und Gott sagt: "Und du sollst mein geliebtes Kind sein für alle Zeiten. Nichts soll uns voneinander trennen." Und statt Hochzeit gibt es dann eben die Taufe oder, wenn wir schon getauft sind, das bewusste Ergreifen der Taufe. Das ist Wiedergeburt.

Vorher weiß ich, ob ich wiedergeboren bin? Ein Mensch weiß es. Die Schrift sagt: "Der Geist Gottes gibt Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind" (Römer 8,16). Du weißt es. Wenn du wiedergeboren bist, weißt du es. Es kommt nicht so sehr darauf an, dass man Zeit und Stunde benennen kann. Es gibt unter Christen zum Teil so eine "Zeigen Sie mal Ihren Ausweis" - Mentalität. Wenn du den Termin deiner Wiedergeburt nicht genau benennen kannst, gehörst du nicht dazu und musst beseelsorgt werden. Aber wichtig ist nicht der Termin, sondern das Ergebnis des ganzen! Da wo ein Mensch Jesus lieb hat, ohne ihn gesehen zu haben, da wo geistliches Leben ist, hat auch eine Geburt stattgefunden.

Ich muss euch gestehen, ich kann mich an meine leibliche Geburt nicht erinnern. Wenn ich nicht irgendwo eine Urkunde hätte, auf der Zeit und Stunde meiner Geburt vermerkt ist, wüsste ich nicht, ob ich geboren bin oder nicht. Aber ich brauche ja nur in den Spiegel zu sehen, um festzustellen, dass ich geboren bin! Es lässt sich nicht leugnen: Ich lebe!

Und so ist das mit der Wiedergeburt auch. Lasst euch nicht verrückt machen, wenn ihr keinen bestimmten Zeitpunkt nennen könnt. Aber andererseits: Wer sich unsicher ist, und diese Sehnsucht nach Gott spürt, der sollte vielleicht mal einen Termin mit einem Seelsorger vereinbaren und klare Kante mit Jesus machen.

Nun ist es mit der Geburt allein natürlich noch nicht getan. Jemand der neugeboren ist, muss laufen lernen, muss lernen, sich im Leben zurechtzufinden - und das kann nicht gehen, ohne dass er dabei immer wieder auch hinfällt. Dann muss er lernen, aufzustehen und weiterzugehen.

Wer also glaubt, dass alle Probleme vom Tisch wären, wenn er neugeboren ist, der irrt! Wer denkt, er würde nie wieder sündigen, und würde keine unreinen Gedanken mehr haben, und keine Probleme mit anderen Menschen mehr haben, keine Krankheit, keine Not und keine Anfechtung erleben, weil er ja von neuem geboren ist, der ist auf dem Holzweg.

Manche erwarten das, mit dem Erfolg, dass sie ihren Glauben komplett infrage stellen, wenn es anders kommt, nach dem Motto: "Wenn ich wirklich von neuem geboren wäre, dann hätte mir das doch nicht passieren dürfen! Dann hätte ich doch nie auf diesen Abweg geraten dürfen!"

Aber Petrus schreibt: Es gehört dazu. Es ist normal und das hängt damit zusammen, dass diese Welt so ist, wie sie ist. Er bringt das Beispiel von Gold, das über dem Feuer geläutert wird. So wird unser Glaube geläutert. Wir werden als Menschen geläutert. Und das hat leider ganz oft mit Leiden zu tun.

Also: Zeiten, in denen wir leiden müssen, sind nicht das Zeichen dafür, dass Gott uns verlassen hat. Sondern es sind Zeiten, in denen wir zu neuer Tiefe und zu neuem Glauben heranwachsen.

Aber wir dürfen erleben, dass wir in diesen Zeiten getragen werden.

Da berichten Menschen, dass sie eine schwere Operation vor sich haben, eigentlich gäbe es allen Grund, Angst zu haben, aber trotzdem ist da dieser innere Friede, dieses Unbeschreibliche. Das ist die lebendige Hoffnung, von der Petrus hier schreibt - im Gegensatz zu allem weltlichen "Das wird schon wieder".

Da bekommt einer mit, dass seine Firma umstrukturiert wird, und viele Arbeitsplätze gefährdet sind. Natürlich macht er sich Gedanken, aber das Panikgefühl bleibt aus. Stattdessen ist da das tiefe Wissen darum, dass Gott für ihn sorgen wird. Das kann man nicht selber machen, es wird einem von oben her geschenkt.

So können wir erleben, dass Situationen, die erst wie ein bedrohlicher Angriff auf unseren Glauben erschienen sind, letztlich dazu dienen, unseren Glauben zu stärken. Der Glaube wächst durch die Herausforderung und bei jeder neuen Bedrohung hilft der Gedanke: Gott hat mir damals geholfen, er wird mich auch jetzt nicht im Stich lassen.

Das ist lebendiger Glaube, das Wissen darum: egal was kommen wird, Gott ist da. Und das sogar in der letzten schweren Anfechtung, nämlich dann, wenn ich einmal sterben muss.

Dieser Predigttext endet mit einer wunderbaren Aussicht: Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit. 

Schenke uns Gott, dass wir dieses Ziel erreichen!

Amen

 


Zum Seitenanfang

Valid HTML 4.01 Webseite der Kirchengemeinde Havetoft.                  Impressum: siehe Kontakt!             Webmaster: J. Arndt Letzte Redaktion: 19.05.2010