Kirchengemeinde Havetoft - Predigt zTh. Muttertag


Predigt zTh. Muttertag

 

Gehalten am 09.05.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

beim GOLF zum Thema: "Weil Gott nicht überall sein konnte, schuf er die Mütter"

Zum Inhalt: Mutter sein ist gar nicht so leicht - aber eine wichtige Aufgabe



Am Freitag war ich im Blumenladen und freute mich darüber, dass das Plakat vom heutigen Golf dort an der Pinnwand hing. Wie mir die Verkäuferin erzählte, war ein Kunde so begeistert von dem Titel, dass er das Plakat am liebsten mitgenommen hätte: "Weil Gott nicht überall sein konnte, schuf er die Mütter" - so weit ich weiß, ist das ein arabisches Sprichwort.

Natürlich könnte man da jetzt mit der Bibel draufhauen und sagen: "So ein Quatsch, natürlich ist Gott überall, er ist allmächtig und braucht niemanden, der ihm hilft" - aber dieses Sprichwort hat doch insofern recht, als Gott vorzugsweise durch andere Menschen handelt.

Wenn zB jemand zum Glauben kommt, dann passiert es eher selten so, dass Gott ihm in einer Vision erscheint und ihn direkt anspricht, obwohl es für Gott ja kein Problem wäre. Sondern in der Regel funktioniert es so, dass ihm andere Menschen von Gott erzählen, meist sogar viele verschiedene Menschen, und irgendwann geht ihm das Herz auf und er fängt ein Leben mit Gott an.

Ähnlich verhält es sich, wenn neue Menschen entstehen. Die Bibel sagt uns, dass wir allesamt von Gott erschaffene Einzelstücke sind - aber um uns zu erschaffen, handelt Gott durch die Mütter. Na gut, die Väter sind auch beteiligt, aber im Vergleich zu dem, was der weibliche Körper in neun Monaten leistet, ist ihr Beitrag eher gering...

Neun Monate lang teilt die Mutter ihren Körper mit einem fremden Wesen. Da wächst ein völlig neuer Mensch in ihr herein und schließlich bringt sie ihn auf die Welt unter Lebensgefahr und fürchterlichen Schmerzen. Eine unserer Hebammen pflegte zu sagen: "Wenn die Männer die Kinder kriegen würden, dann gäbe es nur Einzelkinder".

Und mit der Geburt ist es ja auch noch nicht getan, danach geht es erst richtig los mit durchwachten Nächten -  ich weiß noch, wie es bei unserem ersten Kind war. Es war etwa ein viertel Jahr alt, als wir von Freunden gefragt wurden: "Und, schläft euer Kind schon durch?" "Ja", sagte ich, "es schläft durch". Meine Frau sah mich ungläubig an und fragte: "Wie bitte?" Da dämmerte es mir, dass ich wohl der einzige in der Familie war, der durchschlief.

Also: durchwachte Nächte, Windeln wechseln, Brei kochen, Geschichten vorlesen, Krankheiten heilen und, und, und. Es ist ein unglaublich wichtiger Dienst, den die Mütter hier leisten. Gerade in den ersten Monaten und Jahren seines Lebens braucht ein Kind diese enge Bindung, diesen festen Rückhalt zur Mutter, um eine innere Sicherheit aufzubauen, die ihm die Kraft gibt, die Welt zu entdecken.

Deshalb kann ich nicht nachvollziehen, warum dieser Dienst der Mütter gesellschaftlich so gering geachtet wird. Wenn man nach dem geht, was man so in der Zeitung liest, könnte man meinen, dass das politische Idealbild darin besteht, dass die Frauen zwar Kinder auf die Welt bringen sollen, damit die nachfolgende Generation für die Rente gesichert ist, aber dann sollen sie sie möglichst schnell in der Krippe abgeben und zur Arbeit gehen, weil nur derjenige, der Geld verdient, anscheinend etwas wert ist. Dabei verdienen die Mütter sehr viel Geld. Sie bekommen es nur nicht!

Es wäre auch in keiner Weise zu finanzieren, wenn man diese vielfältigen Tätigkeiten bezahlen sollte: Hauswirtschafterin, Nachhilfelehrerin, Taxifahrerin, Animateurin, Krankenschwester, Köchin, Schneiderin, Gärtnerin, Nachtwache - wer sollte das alles bezahlen?

Darum ist die Wertschätzung dieser Arbeit durch die Männer auch so unglaublich wichtig. Dass sie nicht nur am Muttertag sondern auch zwischendurch immer mal wieder zum Ausdruck bringen, dass sie sehen, was ihre Frauen leisten und ihren Dienst achten.

Der Beruf der Mutter und Hausfrau ist nämlich nicht nur ausgesprochen schlecht bezahlt, es ist obendrein auch ein ziemlich undankbarer Job - man sieht nämlich meist nicht, was man geschafft hat und man hat mehr zu tun, als ein normaler Mensch schaffen kann, vor allem wenn auch noch überhöhte Ansprüche hinzukommen.

Da hat die Mutter mit viel Mühe ein Kostüm fürs Kinderfasching vorbereitet, das Kind ist begeistert, es sieht auch gut darin aus, aber verglichen mit dem was manche andere Kinder so anhaben, regt sich wieder der kleine Stachel: "Es ist nicht gut genug für mein Kind". Ich bin nicht gut genug.

Das Essen gelingt meistens ganz gut, es schmeckt auch allen, aber dann ist da diese Feier und es soll etwas ganz Besonderes sein - zur Anregung sieht man sich "Das perfekte Promi - Dinner" an; und zurück bleibt das Gefühl: "Vergiss es, da kommst du doch niemals heran."

Und dann gibt es da noch diese Nachbarin oder Bekannte, die auch kleine Kinder hat, nebenher noch arbeitet, und deren Haushalt scheint von alleine zu laufen. Immer alles picobello. Und ich bin den ganzen Tag zuhause, aber bekomme längst nicht alles perfekt hin. Irgendwas kann doch mit mir nicht stimmen.

Und dann diese Tage, wo man von morgens bis abends kein Wort mit einem Erwachsenen wechselt. Nur die Kinder. Eines davon ist ein bisschen krank und quengelt den ganzen Tag herum, das Geschwisterkind fühlt sich vernachlässigt und fordert mit Nachdruck seine Aufmerksamkeit. Das sind so die Momente, wo Neidgedanken hochkommen: "Mein Mann hat es viel besser als ich. Er kann morgens die Tür hinter sich zumachen und kann zur Arbeit fahren. Dort hat er nette Kollegen, die mit ihm schnacken, er bekommt Anerkennung und Geld für das was er tut, und wenn er Feierabend hat, dann hat er Feierabend!"

Und dann kommt der Vater nach Hause, die Kinder haben sich mittlerweile müde gespielt, rufen: "Papa, Papa!", Papa ist der Beste, liest noch ein bisschen vor und dann liegen die Kinder im Bett und schlafen. An dieser Stelle sollte er sich unbedingt verkneifen so etwas zu sagen wie: "Eigentlich hast Du es ja gut. Du kannst den ganzen Tag zuhause bleiben und mit den Kindern spielen, brauchst nicht zu arbeiten und hast keinen Chef, der dich nervt". Sonst entsteht eine dieser Gelegenheiten, wo Männer immer ganz verdutzt sind, warum ihre Frauen plötzlich ausrasten.

Wir merken: Mutter sein ist gar nicht so einfach, es ist eine Herausforderung, die ganz schön zu schaffen machen kann, besonders, wenn noch ein Hang zum Perfektionismus hinzu kommt.

 

Eine ganz berühmte Geschichte in der Bibel, die dieses Thema aufgreift, ist die von Maria und Martha, den unterschiedlichen Schwestern. Nachzulesen bei Lukas im 10. Kapitel.

Jesus kommt zu Besuch, und Martha überschlägt sich beinahe. Da muss noch schnell was weggeräumt werden, es muss Tee gekocht werden, natürlich gehört auch Gebäck auf dem Tisch, überhaupt muss der Tisch schön gedeckt werden und natürlich muss für alle Fälle auch ein Abendessen vorbereitet werden. Martha stöhnt. Das hätte man ihr ja auch vorher sagen können, dass da mal eben Jesus mit seinen 12 Jüngern zum Essen kommt, dann hätte man alles viel besser vorbereiten können. Und wo steckt eigentlich Maria, warum hilft sie nicht? Sie könnte doch schon mal die Zwiebeln schälen - aber nein, sie sitzt seelenruhig bei Jesus und hört zu, wie er über das Reich Gottes erzählt. Martha platzt der Kragen: Sie geht zu Jesus und raunzt ihn an: "Findest du es eigentlich in Ordnung, dass meine Schwester mich ganz alleine schuften lässt? Sag ihr doch bitte mal, dass sie mir gefälligst helfen soll!"

Jesus sieht sie an und antwortet: "Martha, du machst dir eine Menge Stress. Du musst aufpassen, dass du das Wichtigste dabei nicht verlierst. Maria hat sich das Richtige ausgesucht, das will ich ihr nicht nehmen."

Ich kann mir vorstellen, dass Martha nicht gerade begeistert war über diese Antwort. Aber es hat tatsächlich niemand von ihr verlangt, sich so viel Arbeit zu machen - außer sie selbst. Das Gebot der Gastfreundschaft hätte sie auch mit viel weniger Aufwand erfüllen können, aber sie wollte zeigen, was in ihr steckt. Und dabei ist die Begegnung mit Jesus untergegangen.

Ich kann mir vorstellen, dass sie sich Jahre später noch an diese Situation erinnert hat, und sich sagte: "So was Blödes, da hatte ich den Sohn Gottes bei mir im Haus, Jesus persönlich ist bei mir im Wohnzimmer - und was tue ich? Ich stehe in der Küche!"

Die Moral von der Geschicht': Es ist so wichtig, sich selbst Freiräume zu gönnen, sich Zeiten zum Durchatmen nehmen, zum Beten, zum Lesen, Zeiten, die helfen, dass sich die Prioritäten im Leben nicht unbemerkt verschieben. Niemand hat etwas von einer überarbeiteten, ausgebrannten, und unzufriedenen Mutter. Also erlaubt euch selbst eine Auszeit mit Jesus. Und wenn es nur 10 Minuten sind. Kinder können es lernen, wenn man ihnen sagt: "Mama hat jetzt Pause, und wenn der große Zeiger an der Uhr ganz oben ist, dann könnt ihr wiederkommen!" Es klappt wahrscheinlich nicht gleich beim ersten Mal, aber so etwas lässt sich einüben.

Das zweite biblische Beispiel, von dem ich heute erzählen wollte, steht im Alten Testament.
2. Buch Mose, Kapitel 18. Da geht es um eine "Mutter der Kompanie". Es ist ein Mann, der zuständig für ein ganzes Volkes war - die Rede ist von Mose.

Auftragsgemäß hat er die Israeliten aus Ägypten befreit und ist anschließend mit ihnen durch die Wüste gewandert auf dem Weg ins gelobte Land. Er hatte sich schon gedacht, dass das ein Fulltimejob sein würde und hatte Frau und Kinder wohlweislich bei seinem Schwiegervater Jitro zurückgelassen.

Eines Tages kam er an. Der Schwiegervater und die Frau und die lieben Kleinen. Es ist nicht überliefert, wie Mose reagiert hat, aber es deutet manches darauf hin, dass er wenig begeistert davon war. Es gab einfach viel zu viel zu tun. Ein ganzes Volk wollte etwas von ihm. Die quakten herum wie die kleinen Kinder. Und sie zankten sich auch wie die kleinen Kinder. Und der arme Mose musste schlichten. Von morgens bis abends saß er auf seinem Richterstuhl und versuchte die unzähligen Streitfälle zu klären, die ihm vorgetragen wurden. Sein Schwiegervater sah sich das eine Weile lang mit an und sagte schließlich: "Du, das ist nicht gut, wie du das machst. Du ermüdest dich und dein ganzes Volk. Mach es besser so: Suche dir angesehene Leute zusammen und setze sie als Leiter ein. Und wenn es Rechtsstreitigkeiten gibt, sollen die Leute zu denen gehen. Du konzentrierest dich darauf, dem Volk Gottes Wort zu predigen, und nur bei Problemen, mit denen deine Mitarbeiter nicht zurechtkommen, sollst du gefragt werden."

Und siehe da, es funktionierte. Das Volk war zufrieden, Mose war entlastet und hatte sogar Zeit für seine Familie. Die Moral von der Geschicht': Habe Mut zu Veränderungen. Veränderungsprozesse anzustoßen kostet Kraft. Es werden am Anfang Widerstände zu überwinden sein, aber am Ende profitieren alle davon.

Es steht nirgendwo in der Bibel, dass die Mutter das Dienstmädchen der Familie sein soll, auch wenn manche glauben, dass es irgendwo in der Bibel heißt: "Auf deinen Knien sollst du kriechen und Staub wischen dein Leben lang". Diese Stelle gibt es nicht.

Mütter sollen für ihre Kinder sorgen, aber die Kinder dürfen nicht verwöhnt werden, sondern sollen zu selbstständigen Menschen heranwachsen. Und dazu gehört, dass sie beizeiten lernen, mit einer Waschmaschine umzugehen, zu putzen und Essen zu kochen.

Natürlich sind die wenigsten Kinder begeistert, wenn man mit dem Thema "Tischdienst" anfängt. Das heißt, wenn sie noch klein sind, haben sie meistens ihren Spaß daran, Mama zu helfen, aber das lässt dann doch relativ schnell nach. So war es jedenfalls bei unseren Kindern. Und ihre Begeisterung hält sich bis heute in Grenzen. Sehr oft gab es Kleinkriege an diesem Punkt. Darum waren wir ganz überrascht, als eines unserer Kinder mal auswärts geschlafen hat und wir von den Gastgebern die begeisterte Rückmeldung bekamen: "Das ist ja toll, wie euer Kind im Haushalt mithilft!" Wir haben mehrfach nachgefragt, ob da vielleicht eine Verwechslung vorliegen könnte, aber es war tatsächlich unser Kind gemeint, das über den ungeliebten Tischdienst gelernt hatte, Hausarbeit zu sehen und zu tun. Umgekehrt staune ich auf Konfirmandenfreizeiten immer wieder darüber, dass ein Dreizehnjähriger nicht in der Lage ist, einen Tisch abzuwischen. Der hat noch nie einen Lappen in der Hand gehalten und weiß gar nicht, wie man damit umgeht!

Mutter sein heißt nicht, allen anderen die Arbeit abzunehmen, sondern dafür zu sorgen, dass die Arbeit gleichmäßig verteilt wird. Hier sind natürlich auch die Männer gefragt. Glücklicherweise leben wir ja in einer Zeit, in der es auch für sie immer selbstverständlicher wird, ihren Beitrag zur Hausarbeit zu leisten. Es wird auch so noch genug an der Frau hängen bleiben.

Also, denkt an Maria, die sich die Zeit genommen hat, Jesus zuzuhören. Und denkt an Jitro, den Schwiegervater des Mose, mit seinem weisen Rat, nicht alles selber zu tun, sondern die Arbeit auf mehrere Schultern zu verteilen.

Zum Schluss aber möchte ich allen anwesenden Müttern einmal danken. Danke für das Leben, das ihr geschenkt habt. Danke für das Zuhause, dass ihr bereitet habt. Danke für allen Trost und alle Geborgenheit, die ihr gespendet hat, und danke, dass ihr euren Kindern mit eurer Liebe das erste Zutrauen zur Liebe Gottes ins Herz gepflanzt habt.  Amen


Zum Seitenanfang

Valid HTML 4.01 Webseite der Kirchengemeinde Havetoft.                  Impressum: siehe Kontakt!             Webmaster: J. Arndt Letzte Redaktion: 12.05.2010