Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Römer 5, 1-11


Predigt über 1. Petrus 5, 5c-11

 

Gehalten am 12.09.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

(Mitschrift der gesprochenen Predigt)

Zum Inhalt: Der Demütige kann ohne Sorgen leben.


Der Predigttext:

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.
So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge.
Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen.
Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. Ihm sei die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. (1.Petrus 5,5c-11)


Der heutige Predigttext ist für einen modernen Menschen eine Zumutung - und zwar aus drei Gründen:

1.) spricht er vom Teufel, als würde es den wirklich geben; so als sei er nicht, wie heute allgemein angenommen wird, lediglich eine Märchen- oder Witzfigur.

2.) will er dem modernen Menschen eine seiner Lieblingsbeschäftigungen nehmen. Laut einer Umfrage aus diesem Jahr sind wir Deutschen Europameister im Sorgen machen. Niemand sonst in Europa macht sich so viele Sorgen wie die Deutschen. Ganze Industriezweige leben davon: Versicherungen, Schamanen, die Abwehrzauber versprechen, bis hin zu den Herstellern von Alarmanlagen und Psychopharmaka. Und das will uns dieser Predigttext nehmen!

3.) Die Krönung aber ist die Aufforderung zur Demut! Das ist wirklich das Allerletzte! Denn heute braucht man Ellenbogen. Man kann Kurse über Selbstbehauptung belegen, wenn es einem gelingt, einen Platz zu ergattern, denn sie sind schnell ausgebucht. Aber Kurse über Demut sucht man vergeblich. Da will keiner hin.

Das kann man auch eigentlich niemandem übel nehmen, denn es gehört zu den schlimmsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann, dass er von anderen gedemütigt und erniedrigt wird. Gerade Kinder und Jugendliche erleben hier oft schlimme Dinge. Meist geschieht es im Verborgenen, aber manchmal liest man auch in der Presse davon, wenn wieder auf irgendeinem Jugendlager Kinder von Gleichaltrigen gequält worden sind, am liebsten noch so, dass andere Jugendliche Bilder oder Videos davon machen und sie ins Internet stellen.

Auf der anderen Seite scheint das Thema Demut in der Bibel nicht gerade unwichtig zu sein. Es gibt viele Bibelstellen, in denen sie vorkommt - unter anderem im heutigen Predigttext, und zwar schon gleich im ersten Satz:

"Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade." Das ist schon heftig! Was möchtest du lieber: Dass Gott dir Gnade schenkt oder dass er dir widersteht, so wie wir der Sünde widerstehen sollen, dass du ihn zum Feind hast, dass er gegen dich angeht, oder dass er es gut mit dir meint!? Wenn du Gottes Gnade möchtest, kommst du an der Demut nicht vorbei.

Also, was ist damit eigentlich gemeint?

Ich habe einmal eine Karikatur gesehen, auf der jemand versucht hat, die zehn Gebote neu zu formulieren. Er kam mit zwei Geboten aus: 1.) Ich bin Gott und du bist es nicht und 2.) Werde damit fertig!

Das griechische Wort für "Hochmut" bedeutet vom Wortlaut her: "Jemand, der versucht, andere zu überstrahlen". Der Hochmütige muss immer im Mittelpunkt stehen. Alles dreht sich um ihn. Er ist der Mittelpunkt des Universums. Er weiß alles, er kann alles, er kennt alle. Das schlimmste aber ist, dass er blind für seinen eigenen Hochmut ist. Dafür hat er in der Regel keine Schwierigkeiten, ihn bei anderen zu entdecken. Gott kommt in seinem Universum entweder gar nicht vor, dann lächelt er herablassend über die Frommen, die für ihr Leben eine religiöse Krücke brauchen, oder aber er glaubt an Gott und ist der Meinung, dass Gott froh darüber sein müsste, so einen wie ihn in seiner Sammlung zu haben.

Der Demütige weiß: Gott ist Gott und ich bin es nicht. Und weil er es weiß, kann er bescheiden sein. Er kann sich selbst zurücknehmen, weil er darauf vertraut, dass Gott die Dinge lenkt. Er weiß, dass er ein Sünder ist, der vor Gott auf Gnade angewiesen ist, aber er weiß auch, dass er diese Gnade bei Gott findet. Das kann ihn auf eine gute Weise selbstbewusst machen. Demut im biblischen Sinne verträgt sich durchaus mit einem gesunden Selbstbewusstsein.

Und was Demut wirklich ist, können wir wie so vieles am besten bei Jesus erkennen. In einem zentralen Bibelvers, dem so genannten Heilandsruf, Mt 11,28, sagt er:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht." (Mt 11,28-30)

Ich finde, Jesus passt so gar nicht zu dem, wie man sich landläufig Demut vorstellt: Irgendwie geduckt, ohne Rückgrat, unterwürfig, ohne jede Selbstbewusstsein - Jesus hat nichts von dem an sich. Demütig werden bedeutet, ein Stück weit so zu werden wie Jesus. Und das ist ohnehin das Ziel, dass der Heilige Geist mit uns hat.

Allerdings ist ein Punkt hier völlig untypisch, nämlich dass Jesus um seine Demut weiß. Es klingt schon merkwürdig, wenn jemand sagt: "Ich bin von Herzen demütig". Das ist ein Widerspruch in sich. Aber Jesus kann das sagen.

Vielleicht kennt ihr dieses nette Büchlein von C. S. Lewis: "Dienstanweisungen für einen Unterteufel". Dort geht es darum, dass ein Unterteufel einen Klienten zu bearbeiten hat, er soll ihn reif für die Hölle machen, und das klappt alles nicht so, wie er sich das vorstellt. Darum bekommt er immer Tipps von seinem Vorgesetzten, mit dem er im Briefkontakt steht. Einmal schreibt der ihm: "Hilfe, was soll ich tun, mein Klient ist demütig geworden!" Er bekommt die Antwort: "Hast du es ihm schon gesagt?"

Wahre Demut weiß in der Regel nichts von sich selbst. Wahre Demut kann man auch nicht selber machen. Sie ist im Kern ihres Wesens Unterordnung unter den Willen Gottes. Ebenso wenig, wie man sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpf ziehen kann, kann man sich selber demütig machen, sonst wäre man konsequenterweise stolz auf seine Demut, was ein Widerspruch in sich wäre.

Echte Demut ist ein Geschenk Gottes. Wenn Gott uns demütigt, dann ist das in keiner Weise mit dem zu vergleichen, was passiert, wenn Menschen uns demütigen. Bei den Menschen hat es immer etwas mit der Lust an Grausamkeit oder Machtstreben zu tun. Sie wollen von der Demütigung ihres Opfers in irgendeiner Weise profitieren. Wenn Gott uns demütigt, dann führt er uns an unsere Grenzen und reicht uns gleichzeitig seine Hand, um uns weiter zu führen.

Ich finde es spannend, ich habe schon so oft über diesen Vers gepredigt: "Alle eure Sorgen werfet auf ihn." Man kann es so schön plastisch machen, die Sorgen zusammenknüllen wie einen Papierball und den dann wirklich werfen und natürlich loslassen, sonst geht es ja nicht.

Aber bei der Predigtvorbereitung ist mir jetzt anhand der Elberfelder Übersetzung zum ersten Mal der Zusammenhang deutlich geworden, in dem diese Aussage eigentlich steht. In der Elberfelder heißt es: "Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr alle eure Sorge auf ihn werfet, denn er ist besorgt für euch"

Das heißt also, wenn wir unsere Sorgen auf Gott werfen, dann ist das ein Akt der Demut. Und das ergibt Sinn, denn der Hochmütige sagt ja: "Ich brauche das nicht. Das kann ich alleine. Ich brauche keine Hilfe und ich will keine Hilfe!"

Ich habe in dieser Woche etwas erlebt, was gut zu diesem Thema passt: Zurzeit habe ich die Vertretung für die Kirchengemeinde Satrup, bin also für fast dreimal so viele Gemeindeglieder zuständig wie sonst, und das bringt mich immer mal wieder an meine Grenzen. Eines Morgens war ich so richtig frustriert. Und ich habe das aufgeschrieben. Ich kann manchmal am besten beten, indem ich schreibe. Gott kann ja lesen, er kann sogar meine Handschrift entziffern, und manchmal ist das ein guter Weg, schreibend und betend seine Gedanken zu ordnen. Ich habe also mein ganzes inneres Chaos zu Papier gebracht: "Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr, es ist mir alles zu viel, es kann doch nicht sein, dass ich jetzt schon anfangen, die Jahre bis zur Rente zu zählen, ich habe keine Lust mehr, 70 Stunden die Woche zu arbeiten usw. usw." Ich muss gestehen, dass ich nicht gerade fromme Gefühle dabei hatte. Ich war eher sauer. Und es war auch nicht so ein bewusstes Abgeben von Sorgen an Gott - das kenne ich auch. Es war vielmehr wie das Öffnen eines Überdruckventils. Und trotzdem hat er reagiert. Ich habe einen Tag erlebt, der wie am Schnürchen lief. Die Arbeit ging mir von der Hand, die Ideen flossen nur so, es war kaum zu glauben. Halleluja!

Mir ist an dieser Stelle einiges klar geworden, unter anderem, dass manches, was wir für Demut halten, in Wirklichkeit gar keine ist.

Wenn einer sagt: "Ich brauche keine Hilfe, ich möchte niemandem zur Last fallen", dann klingt das so richtig schön demütig, aber es ist in Wirklichkeit falscher Stolz.

"Ich kann Gott doch nicht mit meinem ganzen Alltagskram auf den Wecker gehen! Ich bete nur, wenn ich absolut nicht mehr weiter weiß." Das klingt so schön demütig, ist aber falscher Stolz. Denn Gott will das ja! Er fordert uns ausdrücklich dazu auf, unsere Sorgen an ihn abzugeben, von ihm alles zu erwarten und uns von ihm abhängig zu machen.

Natürlich, er erledigt unsere Arbeit nicht für uns. Das müssen wir schon selber tun. Aber er kann uns die Kraft geben. Er kann uns das Gelingen schenken. Alle unsere Sorgen auf Gott werfen, das heißt nicht, dass ich für die Mathearbeit nicht mehr lernen muss. Aber es heißt, dass ich entspannt herangehen kann, weil ich weiß, dass Gott da ist und er mir die innere Ruhe schenkt, die ich brauche um das Erlernte anwenden zu können.

Also: Wer sich von seinen Sorgen lieber erdrücken lässt, als sie Gott auszuliefern, der möge das von mir aus tun, aber es ist kein Zeichen von Demut, sondern es ist falscher Stolz. Wenn wir uns nämlich von unserem Sorgen gefangen nehmen lassen, dann sagen wir Gott damit im Grunde: "Du hast ja keine Ahnung, wie es mir geht und ich traue dir auch nicht zu, dass du irgendetwas tun kannst, um mir zu helfen. Aber ich, ich habe es in der Hand. Indem ich mir nämlich ständig das Schlimmste ausmale, kann ich auf wunderbare Weise mein Schicksal beeinflussen." Viel Spaß dabei?

Und nun bleibt als letztes noch der erste Punkt, das ist der mit dem Teufel.

Noch ein Beispiel aus diesem Buch "Dienstanweisungen für einen Unterteufel": Da gibt es eine herrliche Szene, wo der Oberteufel seinen Unterteufeln erklärt, dass sich die aktuelle Strategie verändert hat. Früher, im Mittelalter, so sagt er, haben wir damit gearbeitet, den Menschen Angst zu machen. Wir haben sie in Panik versetzt, bis sie sich überhaupt nichts mehr getraut hatten. Heute haben wir die Strategie verändert. Jetzt reden wir den Menschen ein, dass es uns nicht gibt. Wir machen uns selber lächerlich, um sie unvorsichtig zu machen.

Deswegen heißt es hier im Text: "Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge."

Nüchtern meint hier nicht den Alkohol - obwohl ein sturzbetrunkener Christ auch nicht gerade eine Zierde für seinen Herrn ist. Gemeint ist eine Haltung, die weder in Panik verfällt, also hinter jedem Busch einen Dämon wittert, noch unvorsichtig wird und sagt: "Ach, das gibt es doch alles nicht, das ist Mythologie von vorgestern!"

Nüchternheit meint in etwa die Haltung, die wir an den Tag legen, wenn wir eine belebte Straße überqueren. Dann rennen wir nicht einfach rüber, geraten aber auch nicht in Panik, weil ein Laster kommt, sondern wir stehen, und warten, bis wir eine Lücke im Verkehr sehen und gehen dann zügig über die Straße. Ganz nüchtern.

Und so sollen wir mit den Angriffen des Teufels auch umgehen. Die Bibel ist eindeutig: Es gibt eine Macht, die darauf aus ist, uns Fallen zu stellen und uns von Gott zu trennen. Diese Macht wird hier, wörtlich übersetzt, zum einen als "Der Ankläger" bezeichnet - der Teufel als eine Art himmlischer Staatsanwalt, der eine Freude daran hat, in unseren Sünden herumzuwühlen - zum anderen taucht hier das griechische Wort "Diabolos" auf, was soviel wie "Der Durcheinanderbringer" bedeutet. Er liebt es, Ordnungen zu zerstören, Gemeinschaften und Ehen zu zerrütteten.

Der Teufel ist eine reale Macht und er hat zwei mächtige Verbündete: Das eine ist die Welt, in der wir leben, die sich keinen Deut für Gott interessiert, und das andere ist unser eigenes Fleisch. Wie man so schön sagt, unser innerer Schweinehund.

Wie bildlich wir uns jetzt diesen Teufel vorstellen, das bleibt jedem selber überlassen. Aber es ist einfach wichtig, seine Macht zu kennen.

Als wir im letzten Jahr in Indien waren, haben wir die erste Woche in einer Art Bergdorf verbracht, einer ehemaligen Plantage, die rundherum eingezäunt war. Uns wurde gesagt, dass wir dieses Gelände nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr verlassen sollten, denn es gibt dort in den Bergen wilde Tiere. Bären, Wildschweine, Tiger, Pumas... Jetzt kann man natürlich sagen: "Ach, das gibt es doch gar nicht! Tiger! Die sind so selten, da ist es höchst unwahrscheinlich, dass sie gerade in unserer Gegend sind. Bestimmt ist das nur ein Märchen, um Touristen einzuschüchtern." Aber vermutlich ist es doch besser, auf die Einheimischen zu hören.

Nun geht es im Text nicht um einen Tiger, sondern um einen brüllenden Löwen. Die Strategie des Löwen bei der Jagd ist, auf eine Herde zu zurennen, sie in Angst und Schrecken zu versetzen, und zu versuchen, ein einzelnes Tier von der Herde zu isolieren, um es dann in Ruhe niedermachen zu können. Denn mit einer ganzen Herde nimmt es ein Löwe nicht so gerne auf.

Diese Strategie wendet der Satan auch an. Er versucht, Menschen zu vereinzeln. Er versucht, Menschen von der Herde zu trennen, um sie dann umso besser angreifen zu können. Das ist kein Spaß! Der "Du weißt schon wer" will dich von Gott trennen. Und darum hasst er es, wenn Du Gemeinschaft mit anderen Christen hast. Der Teufel kann es nicht leiden, dass Menschen sich hier sonntags morgens zum Gottesdienst treffen. Darum versucht er es zu verhindern. Er versucht uns einzureden: "Ach, du bist doch eigentlich viel zu müde, willst Du denn wirklich schon wieder los? Was sollen denn die Nachbarn sagen oder dein Mann, der viel lieber am Sonntagmorgen mit dir frühstücken würde?" - der Teufel findet 1000 Gründe und, wie gesagt, er hat starke Verbündete: Die Welt, mit ihren vielen Angeboten, die alle fürchterlich interessant sind, und unser eigenes Fleisch, unseren inneren Schweinehund.

Der Teufel versucht dagegen anzugehen, dass wir Gemeinschaft haben, zum Beispiel im Hauskreis. Er mag auch überhaupt keine christliche Musik. Und er ist allergisch gegen die Bibel und das Gebet.

Aber er wird bei uns keinen Erfolg haben. Denn wir sind ja gewarnt.

Und wir haben auch keine Angst vor ihm, weil wir auch diese Sorge auf Gott werfen können.

Amen



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