Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Epheser 5,15-20


Predigt über Epheser 5,15-20

 

Gehalten am 03.10.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

Erntedankfest

Zum Inhalt: Zeit klug nutzen - bewusst danken.


Heute ist ein Tag des Dankens, und das gleich aus zwei guten Gründen. Wir danken für die Ernte dieses Jahres und wir danken für 20 Jahre Wiedervereinigung des deutschen Volkes.

Natürlich können wir den Dank auch auf unser persönliches Leben ausweiten, können danken für alles Gute, das wir in diesem Jahr erlebt haben, danken, dass wir zu essen haben, danken für unsere Familie, für unsere Freunde, für unser Leben. Es ist sehr gut, dies bewusst zu tun, denn Danken macht fröhlich. Danken lenkt unseren Blick auf die positiven Seiten unseres Lebens und hilft uns zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Gottes guten Gaben, denn wofür man dankbar ist, damit geht man auch sorgsam um. Wer in einer Haltung der Dankbarkeit lebt, der ist auf einem guten Weg, das zu erfüllen, wozu der Apostel Paulus uns ermahnen möchte:

So seht nun sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt, nicht als Unweise, sondern als Weise, und kauft die Zeit aus; denn es ist böse Zeit. Darum werdet nicht unverständig, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist. Und sauft euch nicht voll Wein, woraus ein unordentliches Wesen folgt, sondern lasst euch vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern, singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen und sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus. (Epheser 5,15-20)

"Kauft die Zeit aus" - das klingt so ähnlich wie "Zeit ist Geld", aber gemeint ist so ziemlich das Gegenteil.
"Zeit ist Geld" - das bedeutet, dass immer mehr Druck aufgebaut wird. Damit die Kasse stimmt, müssen immer weniger Leute in immer weniger Zeit immer mehr schaffen, egal wie es ihnen dabei geht. Alles muss möglichst schnell gehen, den Dingen bleibt keine Zeit mehr zum Wachsen und Reifen. Produkte werden auf den Markt geworfen, noch bevor die Entwicklung wirklich abgeschlossen ist; wenn die Kunden sich beschweren, kann man immer noch nachbessern, Hauptsache, erst mal schneller sein als die Konkurrenz. Zeit ist Geld.

Unsere Schulkinder sollen das Abitur jetzt ein Jahr früher schaffen als die Generationen vor ihnen, auch wenn das heißt, dass ihnen für soziale Kontakte oder Hobbys praktisch keine Zeit mehr bleibt - Zeit ist Geld.

Darum muss man in möglichst kurzer Zeit auch möglichst viel Geld verdienen. Unsere Wirtschaft wird schwer belastet von einem Heer von Parasiten, das versucht, in möglichst kurzer Zeit damit Geld zu verdienen, dass sie Geld haben. Sie leisten selbst keinen nennenswerten Beitrag zur Volkswirtschaft, sondern sie spekulieren mit der Arbeitsleistung anderer. Hektisch sind sie am kaufen und verkaufen, bringen die Preise mit ihren Spekulationen durcheinander, verdienen sich eine goldene Nase dabei und wenn es schief geht, möge doch bitte der Steuerzahler für sie einspringen. Zeit ist Geld.

Die Früchte dieser Einstellung sind gestresste Menschen, Menschen, die im Burnout landen, und die merkwürdige Erfahrung ständiger Zeitknappheit, obwohl uns doch soviele Erfindungen zur Verfügung stehen, die eigentlich Zeit sparen sollen. Merkwürdigerweise hatten die Menschen früher mehr Zeit füreinander, obwohl ihnen diese ganze heutige Technik nicht zur Verfügung stand.

Der Apostel hat jedenfalls etwas ganz anderes im Sinn, wenn er uns mahnt, die Zeit auszukaufen.
Die "Zeit auskaufen" - das bedeutet, dass wir erkennen, was gerade "dran" ist. Es geht darum, seine Zeit weise zu planen. Wer im Herbst ernten möchte, der muss im Frühjahr säen. Der muss für die Saat, die Pflege und die Ernte den passenden Zeitpunkt erkennen. Das Wetter muss stimmen, der Reifegrad muss stimmen, das Richtige muss zur rechten Zeit passieren, sonst wird das nichts. So ist das im Leben auch.

Wer ernten will, muss säen. Wer einen guten Schulabschluss machen will, muss zur rechten Zeit etwas dafür tun. Wer eine glückliche Ehe führen möchte, der muss Kraft, Zeit und Liebe investieren. Wer Anteil an der Ewigkeit haben möchte, darf sein geistliches Leben nicht vernachlässigen. Wenn wir gesund bleiben wollen, müssen wir etwas für unseren Körper tun und den göttlichen Rhythmus einhalten von Arbeit und Ruhe. Wir müssen den Sonntag, den Gott uns schenkt, für die Ruhe und das Wort Gottes nutzen und nicht zum Einkaufen oder als Tag für alles, was in der Woche so liegengeblieben ist. Das zu erkennen und das Richtige zur richtigen Zeit tun, das heißt "seine Zeit auskaufen".

"Kauft die Zeit aus, denn es ist böse Zeit."

Es ist böse Zeit, nicht weil so viel Schreckliches in unserer Welt passiert, sondern weil die Zeit einfach verfließt. Zeit ist Vergänglichkeit. Man kann keinen verpassten Augenblick zurück holen. Wenn wir nicht aufpassen, zerrinnt uns die Zeit zwischen den Fingern, unser Leben ist plötzlich zu Ende, aber das was wir in unserem Leben eigentlich erreichen wollten, haben wir nicht erreicht.
Und damit meine ich nicht die Arbeit. Sicher gehört zu einem weisen Umgang mit der Zeit auch dass wir unsere Pflichten erledigen. Aber selten hört man jemanden auf dem Sterbebett sagen: "Ach, hätte ich doch mehr Zeit im Büro verbracht...."

Es ist eine gute Idee, sich einmal Gedanken darüber zu machen, was man mit seiner restlichen Lebenszeit anfangen will und es ist gut, diesen Plan im Gebet mit Gott abzugleichen, ihn zu fragen: "Herr, was sind die Schwerpunkte, die du setzen möchtest, was möchtest du, das ich tue?" Es ist immer wieder überraschend, wie konkret Gott antwortet und wie oft er ganz andere Vorstellungen hat als wir selbst...

Ich kann mir nicht verkneifen, an dieser Stelle noch einmal die Geschichte von den Steinen im Glas zu erzählen, obwohl ihr sie vielleicht schon alle kennt.

Ein Professor soll einen Vortrag über Umgang mit Zeit halten und beginnt ihn mit einem Experiment: Er füllt ein Glas mit Steinen und fragt seine Zuhörer: "Ist das Glas voll? Die Zuhörer nicken und bestätigen ihm: "Ja, das Glas ist voll." "Nein", sagt der Professor, "ist es nicht!" Er nimmt kleinere Steine und schüttet sie vorsichtig in die Hohlräume. "Ist es jetzt voll?" Ein paar Mutige nicken. "Nein", sagt der Professor, "ist es nicht!". Er nimmt feinen Sand und lässt ihn ins Glas rieseln. "Ist es jetzt voll?" Keiner traut sich mehr zu antworten. "Nein", sagt der Professor, "ist es nicht!". Er nimmt einen Krug mit Wasser und füllt einiges davon in das Glas. "So", sagt er, "nun ist das Glas voll. Was lernen wir daraus?"
Jemand meldet sich: "Egal, wie voll der Kalender auch ist, man kann immer noch einen Termin dazwischen quetschen". Der Professor schüttelt den Kopf: "Das war es nicht, was ich Ihnen vermitteln wollte. Sondern dies: wenn Sie die großen Steine nicht zuerst ins Glas tun, werden Sie sie niemals hinein bekommen. Darum überlegen Sie bitte: was sind die großen Steine ihres Lebens?"

Also, das ist der erste Punkt, der mir für heute wichtig geworden ist - sein Leben mit Bedacht führen, seine Schwerpunkte bewusst und in Absprache mit Gott zu setzen.
Das zweite ist das Danken.

"Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus"

Deswegen feiern wir heute Erntedank. Wir wollen dieses Fest als Anlass nehmen, uns ganz neu in eine Grundhaltung des Dankens hineinbringen zu lassen, denn darum geht es. Es geht nicht davon, dass wir Gott in irgendeiner Weise gnädig stimmen müssten. Das ist ja der Grundgedanke bei heidnischen Erntefesten. Die Götter bekommen ihren symbolischen Anteil an der Ernte, damit sie nicht sauer sind und auch im nächsten Jahr eine gute Ernte schenken.
Das steckt drin im Menschen. Man nennt das "do ut des". "Ich gebe, damit du gibst". Das finden wir auch heute noch und gar nicht mal so selten: "Gott, wenn ich diese Prüfung bestehe, dann höre ich mit dem Rauchen auf". Oder "Wenn mir dies oder das passiert, dann tue ich 5 Euro in den Klingelbeutel" - darum haben wir immer so gute Kollekten...

Gott hat natürlich die Freiheit, sich auf solch einen Handel einzulassen, aber nötig hat er es nicht. Im heidnischen Denken sind die Götter in gewisser Weise von den Opfern der Menschen abhängig. Sie leben davon. Der allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, braucht soetwas nicht. Er hat keine Bedürfnisse, die wir erfüllen müssten. Da ist keine göttliche Eitelkeit, die durch unseren Dank genährt werden muss. Gott käme auch ohne unseren Dank und ohne unsere Anbetung prima zurecht.

Aber auf der anderen Seite ist er eben auch nicht nur eine gewaltige kosmische Energie, die an uns kleinen Menschen völlig desinteressiert wäre. Man könnte das ja denken, denn nach kosmischen Dimensionen ist unsere Erde weniger als ein Staubkorn im Weltall und im Vergleich zur Größe der Erde sind wir Menschen weniger als ein Staubkorn auf einem Staubkorn. Wie sollte sich so ein gewaltiger Gott, der das alles geschaffen und geordnet hat, ernsthaft für uns interessieren?
Was gehen den die Leiden eines indischen Reisbauern an, der Gott um eine gute Ernte und um gerechte Preise bittet? Was interessieren ihn denn die Gebete eines kleinen Kindes in Afrika oder der Dank einer kleinen Gemeinde in Havetoft? Das ist ja weniger als das Krabbeln einer Mikrobe auf dem Rücken eines Elefanten.
Könnte man denken. Aber die Bibel sagt: das stimmt nicht. Gott interessiert sich sehr wohl für dich. Er weiß, wie es dir geht, er weiß, was du fühlst, welche Sorgen du hast, und er weiß auch, wo dein Leben dich hinführt. Gott ist so groß, dass er sich so klein machen kann, und mit jedem einzelnen von uns ein persönliches Ding am Laufen hat.
Und wenn uns das wirklich klar geworden ist, dann können wir eigentlich gar nicht mehr anders, als Gott zu danken.

Das heißt, wir können schon...

Wenn ich mir mein Gebetsleben kritisch beleuchte, dann muss ich zugeben, dass ich wesentlich besser bitten kann als danken. "Herr schenke mir dies, gib mir das, regle bitte jenes..." - und er hilft ja auch gern. Er schenkt ohne Ende.

Ich habe mal eine Zeitlang meine Bitten aufgeschrieben, weil ich sie mir einfach mal bewusster machen wollte. Wenn ich Gott um etwas gebeten habe, dann kam es auf eine lange Liste. Und wenn Gott auf das Gebet reagiert hat, dann habe ich einen Vermerk dahinter geschrieben. Es ist wirklich der Hammer, wenn man so auf einen Blick sieht, wie treu Gott immer wieder geholfen hat. Er schenkt ohne Ende. Aber das wird einem nur klar durchs Danken. Wenn man nämlich nur auf seine Bitten fixiert ist, dann sieht man auch nur den Mangel in seinem Leben.

Aber wenn wir danken, dann richten wir unseren Blick auf die Hilfe Gottes, auf das Positive in unserem Leben. Das macht glücklich, aber ist nicht so ganz einfach. Vielleicht hängt das mit unserer deutschen Mentalität zusammen, dass wir so gerne nach dem Haar in der Suppe suchen.
Ich weiß ja nicht, wie es ihnen geht, aber ich muss mich beim Danken regelmäßig mit dem "Aber" herumschlagen, dass irgendwo im Hinterkopf aktiv ist.

Die Bibel sagt: "Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles, im Namen unseres Herrn Jesus Christus"- also versuche ich das: "Danke, lieber Vater für die Wiedervereinigung! Danke, dass wir seit 20 Jahren kein geteiltes Volk mehr sind, dass die Mauer verschwunden ist und das SED-Regime ebenfalls". Kommt prompt der Einwand: "Aber - es gibt ja auch noch immer viele Probleme. Der Soli ist immer noch nicht wieder abgeschafft und ob das mit der Nordkirche so gut funktionieren wird und die Mauer in den Köpfen ist auch noch nicht wieder verschwunden und, und, und".

Stimmt ja alles. Aber ich wollte mich doch aufs Danken konzentrieren!

"Danke, lieber Vater im Himmel, das wir Erntedank feiern können, dass du auch in diesem Jahr wieder eine Ernte geschenkt hast..."

"Ja, aber... die Ernte hätte deutlich besser sein können und die Preise auch. Und das Höfesterben in unserem Land geht munter weiter. Und ob das mit dem ganzen Mais und der Biogasgeschichte so das Gelbe vom Ei ist, darüber kann man streiten. Und diese ganze Gentechnik...."

Wir merken: es ist gar nicht so einfach, wirklich von Herzen zu danken. Aber es ist eine gute Idee, es einzuüben. Deshalb finde ich es auch gut, wenn in den Familien das Tischgebet gepflegt wird, obwohl es völlig aus der Mode gekommen ist. Auch wenn es vielleicht an manchen Stellen zur leeren Formel wird - man betet halt vor dem Essen, weil man es so gewohnt ist - aber es bewirkt doch, dass wir immer wieder daran erinnert werden, Gott für seine guten Gaben zu danken. Es ist nicht nur meiner Tüchtigkeit zu verdanken, dass ich zu essen habe, sondern es ist auch ein Geschenk des Himmels und trotz allen technischen Fortschritts bleibt der Zusammenhang bestehen: ohne das Wunder von Saat und Ernte, ohne die Arbeit der Bauern hier und weltweit, müssten wir verhungern.

"Sagt Dank Gott, dem Vater, allezeit für alles" - über die letzten beiden Worte haben wir in der Bibelstunde lange diskutiert. Was heißt es eigentlich genau, für alles zu danken? Schließt das auch die negativen Seiten des Lebens mit ein?

Ich habe einmal erlebt, dass mir eine MS-kranke Frau, die im Rollstuhl saß, völlig hilflos war und kaum noch sprechen konnte, sagte: "Ich danke Gott für diese Krankheit. Denn ohne diese Krankheit hätte ich nie zu Jesus gefunden, ich hätte nie den Weg zum Himmel gefunden." Ich war wirklich zutiefst bewegt.
In diesem Fall leuchtete mir ihr Dank ein - aber ob wir wirklich allezeit für alles danken sollen, ob das wirklich so wörtlich gemeint ist, vermag ich nicht zu beantworten.

Auf jeden Fall können wir den Satz aber so verstehen: In allem was uns passiert, lässt sich etwas finden, für das wir danken können - und das kann eine enorme Hilfe sein.
Gerade dann, wenn wir in unserem Leben durch finstere Täler müssen, sollten wir bewusst nach etwas Ausschau halten, für das wir danken können.
Denn durch das Danken leuchtet Gottes Licht auch in die größte Finsternis hinein.

Amen.





Zum Seitenanfang

Valid HTML 4.01 Webseite der Kirchengemeinde Havetoft.                  Impressum: siehe Kontakt!             Webmaster: J. Arndt Letzte Redaktion: 08.10.2010