Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Epheser 4, 22-32


Predigt über Epheser 4, 22-32

 

Gehalten am 10.10.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft



Zum Inhalt: Wir können uns aus eigener Kraft nicht verändern - aber Jesus will uns neu machen!


Heinz ist frustriert. Zuhause hängt der Haussegen schief. Er hat Streit mit seiner Ehefrau. Es lief wie so oft, ein Wort gab das andere, Sachen rutschten ihm heraus, die er normalerweise so nie gesagt hätte, aber er war ganz einfach wütend. Und als seine Frau dann zu ihm sagte: "Ich dachte, Du willst Christ sein? Erst jeden Sonntag zur Kirche rennen und dann solche Ausdrücke benutzen, das passt doch nicht zusammen!", da hat ihn das wirklich getroffen, denn auch wenn er es in diesem Moment um keinen Preis der Welt zugegeben hätte, wusste er doch, dass sie Recht hatte. Dabei gibt er sich solche Mühe! Er will wirklich ein guter Mensch sein, will wirklich so leben, wie die Bibel es lehrt. Aber manchmal gehen einfach die Pferde mit ihm durch. Missmutig zieht er sich zurück, schlägt seine Bibel auf und liest:

"Legt von euch ab den alten Menschen mit seinem früheren Wandel, der sich durch trügerische Begierden zugrunde richtet. Erneuert euch aber in eurem Geist und Sinn und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit. Darum legt die Lüge ab und redet die Wahrheit, ein jeder mit seinem Nächsten, weil wir untereinander Glieder sind. Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen, und gebt nicht Raum dem Teufel. Wer gestohlen hat, der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit eigenen Händen das nötige Gut, damit er dem Bedürftigen abgeben kann. Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören. Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid für den Tag der Erlösung. Alle Bitterkeit und Grimm und Zorn und Geschrei und Lästerung seien fern von euch samt aller Bosheit. Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.(Epheser 4, 22-32)"

Und Heinz denkt: Wenn das doch so einfach wäre! Einfach das alte Leben ausziehen wie einen schmutzigen Overall. Das wär's doch! Keine Kämpfe mehr gegen die alte Natur, einfach das alte ausziehen, das neue anziehen, fertig. Aber wie soll denn das gehen? Ich kann doch nicht raus aus meiner Haut!

Und Heinz hat recht. Es ist unmöglich. Wir können aus unserer Haut nicht heraus. Und je mehr wir versuchen, gegen unsere Natur zu handeln, desto schlimmer wird es oft. Es ist wie bei einem Ball, den man versucht, unter Wasser zu drücken. Je tiefer man ihn drückt, desto leichter entgleitet er dem Griff und desto höher springt er aus dem Wasser.

Aber wenn das so ist, warum steht das dann hier in der Bibel? Es ist doch irgendwie zynisch, einem verzweifelten Menschen zu sagen, er solle seine alte Natur ablegen, obwohl das gar nicht geht. Es ist fast so, als wenn man zu einem Blinden sagte: "Mach doch endlich deine Augen auf" oder zu einem Lahmen: "Stehe auf und gehe!"

Andererseits - wie wir im heutigen Evangelium (Markus 2, 1-12) gehört haben, hat Jesus genau das zu einem Lahmen gesagt. Und das war in keinster Weise zynisch, sondern es war der Auftakt zu einem befreienden Wunder. Indem Jesus nämlich das gesagt hat, hat er auch zugleich die Kraft gegeben, es zu tun. Deswegen hat der Lahme auch nicht geantwortet: "Ach Herr, Du weißt doch, dass ich das nicht kann, ich habe es so oft versucht und es hat nie geklappt. Ich kann das einfach nicht?"

Sondern er tut es einfach und spürt, wie plötzlich das Unmögliche möglich wird. Das gleiche Prinzip haben wir hier. Und es ist wichtig, dass wir das verstehen, denn dies unterscheidet das Leben als Christ von allen anderen "Wie werde ich ein besserer Mensch in 30 Tagen" - Programmen. Es geht darum, dass wir lernen, die Kraft Gottes in unserem Leben zum Zuge kommen zu lassen.

Die Voraussetzung ist, dass wir bereit sind, uns Jesus mit Haut und Haaren auszuliefern, dass wir bereit sind, ihn als unseren Herrn für Zeit und Ewigkeit anzunehmen. Der Epheserbrief richtet sich an Menschen, die diesen Schritt bewusst vollzogen haben. Sie haben sich von ihrer heidnischen Umwelt getrennt, haben sich taufen lassen und sich so bewusst der christlichen Gemeinde angeschlossen, und jetzt gibt Paulus ihnen in seinem Brief Hinweise, wie sie ihren neuen Glauben konkret leben können.

Unsere heutige Taufpraxis unterscheidet sich von der damaligen. Bei uns werden die meisten Menschen schon als kleine Kinder getauft. Das ist auch nicht weiter schlimm, sofern sie später in ihrem Leben die bewusste Entscheidung für Jesus Christus nachholen. Wer das nicht tut, wer Jesus nicht bewusst als seinen Herrn annimmt, der gehört auch nicht zu ihm.

Ich betone das so, weil an dieser Grundsatzentscheidung alles weitere hängt. Denn in dem Moment, wo ich Jesus auf den Thron meines Lebens lasse und bereit bin, nach seinem Willen zu leben, vollzieht sich eine tief greifende Änderung in meinem Inneren. Da spreche ich nämlich die Bereitschaft aus, den alten Menschen abzugeben und den neuen Menschen anzuziehen. Ohne diese Bereitschaft aber geht gar nichts.

Der alte Mensch will das ja nicht. Der alte Mensch möchte gerne unabhängig sein. Er möchte selbst festlegen, was gut und was böse ist, er möchte nach seinen eigenen Regeln leben. Sein höchstes Gut ist die Freiheit. Leider muss er immer wieder erleben, dass es mit seiner Freiheit nicht so weit her ist, dass er schnell zum Spielball seiner eigenen Lüste und Begierden wird, seines Stolzes, seiner Sucht nach Anerkennung, seiner Faulheit, seines Sexualtriebes, seiner Ungeduld, seiner Süchte. Manche machen es sich einfach, machen aus der Not eine Tugend, sagen, "ich bin gerne ein Arschloch" oder "ich finde Saufen cool", "ich könnte jederzeit aufhören zu Rauchen, nur ich will gerade nicht", "nur Spießer haben etwas gegen Pornos" - aber im Grunde hängen sie ihrem Leiden damit nur ein schönes Mäntelchen um. Weil sie genau wissen, dass sie es nicht in der Hand haben, sich grundlegend zu verändern, sich das aber nicht eingestehen wollen, versuchen sie ihre Situation schön zu reden.

Es kostet eine ganze Menge Stolz, sich sein eigenes Scheitern einzugestehen und Jesus auf den Thron zu lassen. Die wenigsten Menschen tun das einfach nur so, sondern sie bekehren sich oft auf dem Höhepunkt einer Lebenskrise weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Aber wenn sie das tun, wenn sie Jesus ans Steuer lassen, ist der Grundstein gelegt. Diese Entscheidung macht uns zu neuen Menschen. Der Sieg ist errungen. Allerdings ist die Partie noch nicht zu Ende.

Ich habe früher im Verein Schach gespielt. Mitunter ist es bei Punktspielen vorgekommen, dass ich meinem Gegner eine Figur abnehmen konnte. Damit hat man einen entscheidenden Vorteil und im Grunde genommen ist die Partie gewonnen. Aber wir hatten damals den Spruch: "Nichts ist schwerer, als eine gewonnene Partie zu gewinnen." Denn der Gegner versucht natürlich alles, um seinen Fehler wieder wett zu machen, und wenn man nicht aufpasst, kippt plötzlich die ganze Sache und man steht plötzlich schlechter da als vor dem Figurengewinn.

So ist das im geistlichen Leben auch. Der alte Mensch in uns ist zwar besiegt, aber er setzt alles daran, seine Macht zurück zu erobern. Er hat da die verschiedensten Strategien und oft gelingt es ihm, ganz unbemerkt das Ruder wieder zu übernehmen. Man lügt sich gern selbst in die Tasche, bildet sich ein, man wäre wer weiß wie fromm, aber in Wirklichkeit ist der alte Mensch schon längst wieder am Werk und tarnt sich bloß. So kommt beisppielsweise das Phänomen zu Stande, dass Menschen zwar regelmäßig in die Kirche gehen, aber in ihrem Leben nur wenig von der Liebe Gottes spürbar ist.

Dagegen hilft nur die liebevolle Kritik von Mitchristen und das bewusste Hören von Gottes Wort. Auch das ist ein Grund, warum wir jeden Sonntag Gottesdienst feiern. Uns wird das Wort Gottes wie ein Spiegel vorgehalten, indem wir uns selber überprüfen können.

Ich weiß ja nicht, wie oft ihr in den Spiegel schaut. Es ist, glaube ich, etwas geschlechterabhängig. Aber so ein Spiegel dient ja dazu, sich selbst zu erkennen und sich selbst zu überprüfen - man kann seine Haare richten und so lange an sich herummachen, bis man mit dem Ergebnis einigermaßen zufrieden ist. Manche gefallen sich sehr, andere nie - das ist sehr unterschiedlich. Das Wort Gottes ist auch so ein Spiegel, in dem wir uns betrachten können.

Heute zum Beispiel erfahren wir, dass der neue Mensch heilig ist, geduldig ist, dass er nichts Böses über andere redet, dass er nicht stiehlt, sondern Bedürftigen etwas gibt usw. Dann können wir in diesen Spiegel hineinschauen und: "Halleluja, genau so sieht es aus in meinem Leben, hab Dank, Herr, dass du mich so wunderbar geschaffen hast!". Und dann gehen wir nach Hause und sind fröhlich. Oder wir können sagen: "Oh, Moment, da gibt es einen Pickel in meinem Leben. Da gibt es etwas, das ich ändern muss."

Vielleicht entdecken wir anhand dieses Spiegels, dass es uns einen diebischen Spaß macht, über andere Menschen zu lästern. Vorher haben wir uns nie etwas dabei gedacht, weil wir immer genügend Mitstreiter bei diesem Sport hatten. Aber jetzt erkennen wir durch die Begegnung mit dem Wort Gottes, dass wir auf einem falschen Weg sind. Dann können wir folgendes tun: Wir bekennen Jesus unsere Schuld, bitten ihn um Vergebung, und ziehen dann den alten Menschen aus. Das können wir tun ganz einfach indem wir es sagen: "Herr Jesus Christus, in deinem Namen ziehe ich den alten Menschen aus, ich ziehe die Freude am Lästern aus, und in deinem Namen ziehe ich den neuen Menschen an. Ich ziehe den neuen Menschen an, der Freude daran hat, etwas Gutes über andere zu sagen."

Und immer dann, wenn wir in die Versuchung kommen, über andere herzuziehen, können wir uns darauf berufen. Wir können sagen: "Herr Jesus, ich danke dir, dass ich das nicht mehr tun muss. Du hast mich neu gemacht."

Auf diese Weise können wir unser Verhalten grundlegend beeinflussen. Das ist nicht mit einem Mal getan. Es dauert lange, eingefahrene Gewohnheiten zu verändern. Aber auch sonst im Leben ziehen wir ja häufiger alte Sachen aus und neue an. Mindestens jeden Morgen und jeden Abend ziehen wir uns gewöhnlich um. Warum sollte das in unserem geistlichen Leben anders sein?!

Auch hier kann es helfen, die Hilfe eines Seelsorges anzunehmen. Schon die Tatsache, etwas, mit dem wir zu kämpfen haben, in der Gegenwart eines anderen Menschen anzusprechen, hat heilsame Wirkung, weil es den Stolz des alten Menschen angreift und damit seine Macht bricht.

Auch heute wird es wieder das Angebot der persönlichen Segnung und der Fürbitte geben. Wer möchte, kann diese Gelegenheit nutzen, ganz konkret Eigenschaften des alten Menschen auszuziehen und sich mit dem neuen Menschen, den Gott geschaffen hat, bekleiden zu lassen.

Auch Heinz kann das tun. Am besten noch heute - wir haben es gehört: noch bevor die Sonne untergeht, sollen wir unsere Angelegenheiten in Ordnung gebracht haben. Er kann Jesus um Vergebung bitten für die bösen Worte, die er im Zorn zu seiner Frau gesagt hat. Er kann im Gebet den alten Menschen ausziehen, seine Rechthaberei und seine Empfindlichkeit ablegen, und sich mit dem neuen Menschen beschenken lassen, der sanftmütig und geduldig ist. Dann kann er zu seiner Frau gehen und sich für das entschuldigen, was er gesagt hat - und zwar ohne das anzusprechen, was sie gesagt hat, und wenn es noch so verletzend war. Ein "Aber du" macht sich nicht gut in einer Entschuldigung.

Und ich bin überzeugt, wenn er diesen Weg geht, wird seine Frau merken, dass es ihm wirklich ernst ist. Ernst mit Jesus und ernst mit seiner Ehe.

Amen.





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