Kirchengemeinde Havetoft - Predigt an Heiligabend 2010


Predigt an Heiligabend 2010

 

Predigt über Johannes 3,16-21

Gehalten am 24.12.2010 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

Zum Inhalt: Gott macht uns ein einzigartiges Geschenk - nimm es an!




Stellen Sie sich vor, Heiligabend liegt hinter ihnen, Sie haben alles gut über die Runden gebracht, am ersten Weihnachtstag setzt dann so allmählich die Erholung ein - und plötzlich klingelt ein guter Bekannter an der Tür und bringt ein liebevoll gestaltetes Weihnachtsgeschenk vorbei. Wie würde ihre Reaktion ausfallen? Könnten Sie sich einfach darüber freuen, oder säße ihnen das Gefühl im Nacken: "Au weia, jetzt schenkt er mir etwas und ich habe gar nichts für ihn?"

Es ist oft gar nicht so einfach, ein Geschenk einfach nur anzunehmen und sich darüber zu freuen. Jesus hat einmal gesagt: "Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen" - und ich denke, eines haben Kinder uns Erwachsenen auf jeden Fall voraus. Sie haben keine Probleme damit, Geschenke anzunehmen. Egal wie groß es ist. Es wird sich freuen, wird es auspacken und glücklich sein. Und darum geht es zu Weihnachten. Dass wir uns beschenken lassen. Dass wir uns einfach freuen können.

Der für heute vorgesehene Predigttext beschreibt das großartige Geschenk Gottes, dass uns zu Weihnachten gegeben wird. Er steht bei Johannes im dritten Kapitel und wenigstens den ersten Vers kennen meine Konfirmanden auswendig, weil er sozusagen die Kurzfassung dessen ist, worum es in unseren christlichen Glauben geht:

"Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er glaubt nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind."
(Johannes 3,16-21)

Gott liebt diese Welt. Das ist erstmal keine große Überraschung, denn schließlich hat er sie ja auch gemacht. Und ich finde, er hat sie auch wirklich gut hinbekommen. Wir dürfen einen fantastischen Planeten bewohnen, der alles bietet, was wir zum Leben brauchen. Es gibt Luft zum Atmen und Wasser zum Trinken, es gibt den Wechsel von Tag und Nacht, und es gibt eine atemberaubend schöne Natur. So lästig das mit dem Schnee ja auch manchmal ist, aber es ist auch wunderschön. Er bringt phantastische Bilder mit sich.

Tief verschneite Weihnachtsbäume in den Vorgärten mit brennenden Lichtern daran, mit Raureif bedeckte Bäume vor dem blauen Himmel - das sieht schon klasse aus. Aber das Beste an dieser Welt ist nicht die Natur, das Beste an dieser Welt ist die Liebe. Weihnachten wird ja gerne als das Fest der Liebe bezeichnet, und die Liebe ist es auch wirklich wert, dass man sie feiert. In all ihren Spielarten. Die Liebe zwischen Mann und Frau, die Liebe zwischen Eltern und Kindern, die Liebe zwischen Freunden, Liebe, die sich in Nachbarschaftshilfe oder als Hilfsbereitschaft gegenüber völlig fremden Menschen zeigt - ohne die Liebe wäre diese Welt nicht das, was sie ist. Und ich bin davon überzeugt, dass die Liebe der letzte Grund dafür ist, dass Gott diese Welt überhaupt geschaffen hat.

Und trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass Gott diese Welt liebt, denn sie hat auch so viele Schattenseiten, dass man daran verzweifeln könnte. Dieser wunderschöne Planet wird ja bekanntlich von seinen Bewohnern nicht gerade gehegt und gepflegt, sondern in ungehemmter Profitgier ausgebeutet. Ich möchte uns den Weihnachtsabend nicht vermiesen und das Thema nicht groß vertiefen, Sie wissen ja selber, was in unser Welt los ist.

Auch die Verteilung der Güter dieses Planeten klappt nicht allzu gut. Eigentlich wäre genug für alle da, aber zur Zeit sichern sich etwa 30 % der Weltbevölkerung den Großteil von Energie und Nahrungsmittel, während der Rest zusehen muss, wo er bleibt. Wir haben das große Glück, zu den Wohlhabenden dieser Erde zu gehören - und meistens wollen wir lieber gar nicht so genau wissen, wie unser Wohlstand im letzten finanziert wird.

Und auch die großartige Erfindung der Liebe hat es schwer in dieser Welt. Partnerschaften, die für ein ganzes Leben geschlossen wurden, zerbrechen einfach so, weil die Liebe irgendwie abhanden gekommen ist. Wir erfahren von sexuellem Missbrauch - selbst in Kirchengemeinden, die eigentlich die Berufung haben, heilende Gemeinschaft zu sein. Wir lesen Berichte über grauenvoll misshandelte Kinder in der Zeitung. In den Städten kommt es zu Gewalttaten, wobei oft Menschen direkt daneben stehen und gar nichts tun.

Gott hätte allen Grund, diese Welt nicht zu lieben, sondern sie zu vernichten und etwas besseres zu erschaffen. Aber das tut er nicht. Stattdessen wird er selbst ein Teil dieser Welt. Gott wird Mensch. Ein größerer Widerspruch ist kaum denkbar. Der Ewige wird vergänglich. Der Unsterbliche wird sterblich. Der Allmächtige wird ein schutzloses, hilfebedürftiges Kleinkind, das sich der Lieblosigkeit dieser Welt voll aussetzt.

Das geschah übrigens zu einer Zeit in der es modern war, bestimmte Menschen als Götter zu verehren. Besonders der römische Kaiser gefiel sich in dieser Rolle. Zur Zeit Jesu regierte ja der Kaiser Augustus in Rom, wie wir vorhin in der Weihnachtsgeschichte nach Lukas gehört haben. Augustus war übrigens nicht dessen richtiger Name, sondern ein Ehrentitel, der sich mit "der Erhabene" übersetzen lässt. Der römische Kaiser war mehr als ein normaler Mensch er galt als Gottmensch, als verehrungswürdige Gottheit. Wir haben heute noch gut von dieser Verehrung, denn unser Monatsname "August" ist seinerzeit zu Ehren dieses Kaisers eingeführt worden.

Die Juden leisteten erbitterten Widerstand gegen solche Anmaßung, denn ihnen war es ausdrücklich verboten, jemanden anders anzubeten als Gott allein. Mag sein, dass Augustus sich deswegen an dem Volk rächen wollte, dass er ihnen seine Macht demonstrieren wollte, denn so richtig habe ich den Sinn dieser Volkszählung nie begriffen. Natürlich ist es für Machthaber aller Zeiten wichtig gewesen, ihre Steuerlisten zu aktualisieren, aber die Menschen dazu in die Heimatstädte ihre Vorfahren zu schicken, anstatt sie einfach in ihrem Wohnort zu erfassen, dürfte wohl reine Schikane sein. Diesem aufmüpfigen Volk der Juden einfach mal zeigen, wer hier das Sagen hat.

Dabei hat Augustus nicht im entferntesten geahnt, dass er mit dieser Idee einer Volkszählung dazu beiträgt, eine uralte Verheißung zu erfüllen. Der göttliche Kaiser als machtlose Marionette des allmächtigen Gottes! Mir scheint, Gott hat Sinn für Humor.

Und so schenkt er der Welt seinen Sohn. Es ist das größte Geschenk seit der Erschaffung der Welt - aber nur für diejenigen, deren Augen geöffnet sind. Denn zu sehen gibt es da eigentlich nichts. Zu sehen gibt es nur ein kleines Baby. Eine junge Frau hat ihr erstes Kind geboren und weil sie nirgendwo Unterkunft fanden, bleibt ihr nur ein Futtertrog als Kinderbett. Bedürftiger geht es kaum. Das sind Leute, die Hilfe brauchen, lasst uns mal eine Kollekte für sie sammeln - wo soll da das Geschenk sein?

Wir brauchen das Wort Gottes, um zu verstehen, was da passiert ist. Hätten die Hirten auf dem Feld nicht die Botschaft der Engel gehabt, "Euch ist heute der Heiland geboren", dann hätten sie es nicht verstehen können, was sie da sehen. Und so ist es bis heute. Wir brauchen Gottes Wort, um Gottes Handeln in der Welt erkennen zu können. Und dieses Wort sagt uns, dass wir dort bei Jesus unser Heil finden.

Er kam in diese Welt, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben. Er ist das Friedensangebot Gottes.

Also, Gott sagt zu den Menschen: ich erwarte von euch keine großen Taten. Ihr müsst, um euch das Heil zu verdienen, nicht als Märtyrer sterben, müssten nicht siebenmal am Tag beten. Ihr müsst keine Punkte sammeln, ihre müsst keine Opfer bringen, ihr braucht nur eines zu tun: glaubt an den Sohn. Nehmt Jesus als euren Herrn und Heiland an und ihr seid gerettet. Es ist ein einmaliges Angebot.

Nun bin ich wieder bei der Ausgangsfrage: wie gut können wir Geschenke annehmen?

Ich gehe mal davon aus, dass sie sich über dieses Geschenk Gottes freuen und es für sich annehmen wollen, denn sonst wären sie heute vermutlich nicht hier.

Man kann ja Weihnachten auch prima ohne Jesus feiern. Ich habe mich früher oft gefragt, wie das eigentlich gehen soll, ein Fest ohne dessen Hauptperson zu feiern, aber mittlerweile ist mir klar geworden, dass es überhaupt kein Problem ist. Es gibt schöne Weihnachtsmärkte, die man besuchen kann, man kann das nette Beisammensein in der Familie genießen, Punsch trinken, Geschenke austauschen, Weihnachtskonzerte besuchen und und und - wozu Jesus? Der stört doch nur! Der Weihnachtsmann tut's auch.

Aber Sie sind ja hier und das bedeutet, dass ihnen die Hauptperson des Festes nicht egal ist. Wie auch immer sich das in Ihrem Leben auswirkt - das kann ganz unterschiedlich sein. Gott hat ja nicht mit jedem Menschen den gleichen Weg.

Nun da wir also praktisch unter uns sind, können wir prima über die reden, die nicht da sind.

So hat mir das mal einer erklärt: er sagte, wir sprechen hier drei Sprachen: Hochdeutsch, Plattdeutsch und über andere Leute."

Was könnte also jemanden bewegen, dieses großartige Geschenk Gottes nicht anzunehmen?

Der Predigttext sagt ganz klar: Es ist die Bosheit. Menschen entscheiden sich bewusst für das Dunkle. Und deswegen wollen sie keinen Gott und keine Erlösung. Sie wollen nicht, dass ihre dunklen Machenschaften ans Licht kommen. Sie wollen lieber im Verborgenen bleiben und halten es für Schwäche, Gutes zu tun. Ethik und Moral ist in ihren Augen etwas für Weicheier. Wer es im Leben zu etwas bringen will, muss sich über solche Dinge hinwegsetzen.

Und damit haben sie ihr eigenes Urteil gesprochen. Wir brauchen keinen zornigen Gott zu bemühen, keinen strengen Richter, der die Verurteilten auf ewig in die Verbannung schickt: Sie selbst haben ihren Weg gewählt und Gott lässt sie einfach laufen - bis zum bitteren Ende.

Ich glaube aber, dass es nicht nur die Bösen sind, die das Geschenk Gottes ablehnen. Manchmal sind es auch die Rechtschaffenen. Und sie tun es gerade wegen ihrer Rechtschaffenheit. Sie sagen: "Ich habe mir in meinem Leben doch nie etwas zu Schulden kommen lassen. Wieso sollte ich Erlösung brauchen?"

Gottes Antwort wollen sie gar nicht hören: "Weil du dich vom allmächtigen Gott getrennt hast. Weil du ihm nicht die Ehre gibt, die ihm zusteht. Weil du ein stolzes Herz hast - und Stolz ist eine Todsünde. Darum brauchst du Erlösung!"

Die heftigsten Auseinandersetzungen, hatte Jesus zu Lebzeiten mit den anständigsten Menschen seiner Zeit. Mit den religiösen Strebern, mit den Pharisäern und Schriftgelehrten. Mit denen, die so stolz auf ihre religiösen Leistungen waren, dass sie für das, was Jesus den Menschen schenken will, einfach nicht offen waren.

Neben den Bösen und den Stolzen gibt es noch eine dritte Gruppe. Das sind die Ängstlichen. Sie nehmen das Geschenk nicht an, weil sie dahinter eine Verpflichtung spüren. Und sie fragen sich, was aus ihrem Leben wird, wenn sie "ja" zu Gott sagen. Wenn ich mich wirklich auf Gott einlasse, was macht er dann mit mir? Macht er mich zu so einem komischen religiösen Heini, der mit irgendwelchen Schriften in der Fußgängerzone steht und die Leute zutextet? Schickt Gott mich als Missionare nach Afrika? Muss ich dann jeden Sonntag zur Kirche? Was wird aus meinem Leben, wenn ich das Geschenk annehme und mich auf Gott einlasse? Und was ist, wenn ich nicht durchhalte, wenn ich wieder sündige, wenn es mir nicht gelingt, so zu leben, wie es Gott gefällt? Manche Menschen lassen sich von solchen Fragen dermaßen blockieren, dass sie Gottes Geschenk lieber nicht annehmen.

Dazu lässt sich nur eins sagen: Schwimmen lernt man nur, indem man ins Wasser geht. Man kann viele Bücher über das Schwimmen lesen, man kann Filme sehen, man kann Trockenübungen machen, aber die Erfahrung, dass Wasser trägt, kann man nur machen, indem man ins Wasser hinein geht. Mit dem Glauben ist es genauso. Die Erfahrung, dass die Liebe Gottes trägt, kann nur machen, wenn man ihr Vertrauen entgegen bringt. Dann wird man feststellen, dass er uns nichts Böses will, sondern im Gegenteil unser Leben erneuert und bereichert.

Ich habe mich über einen Leserbrief gefreut, der diese Woche in der Schleswiger Zeitung stand. Da schreibt jemand: "Ich brauchte 60 Jahre um zu begreifen, dass Jesus am Kreuz für meine Sünden gestorben ist. Nun habe ich die Möglichkeit, durch Umkehr vom alten Leben und Sündenbekenntnis vor Gott ein freies wunderbares ewiges Leben mit unserem Schöpfergott zu führen. Jesus ist gestorben für uns und ist auferstanden, er lebt. Gott sei Dank - wem denn sonst?

Ist das nicht toll? Dass einer nach 60 Jahren sagen kann: "Jetzt habe ich es begriffen. Jetzt ist dieses Geschenk bei mir angekommen und jetzt erlebe ich, wie reich das mein Leben macht.

Jesus ist in diese Welt gekommen, um Sünder selig zu machen. Wer an ihn glaubt, der wird leben, egal wie viel Mist er noch in seinem Leben baut. Das ist sein Geschenk. Ein Geschenk, an dem wir jeden Tag aufs Neue unsere Freude haben können.

Halleluja!

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