Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Johannes 16,5-15


Predigt über Johannes 16,5-15

 

Gehalten am 12.06.2011 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

(Pfingstsonntag)



Abschiednehmen fällt schwer.

Es ist immer leichter für denjenigen, der auf eine Reise geht, als für diejenigen, die dem Abreisenden hinterher schauen. Den Jüngern Jesu ging es nicht anders. Ihn kennen zu lernen hatte ihr Leben komplett verändert. Sie hatten alles stehen und liegen lassen, um diesem Zimmermannssohn aus Galiläa nachzufolgen und hatten großartige Dinge mit ihm erlebt. Aber nun ging diese Zeit zu Ende.

Jesus hat versucht, sie auf den bevorstehenden Abschied vorzubereiten. Im Johannesevangelium findet sich eine ausführliche Abschiedsrede, in der er noch einmal alles ausspricht, was ihm wichtig ist. Auch der heutige Predigttext findet sich darin.

Interessanterweise versucht er sie nicht zu trösten. Er sagt nicht Dinge wie: "Jungs, nehmt es nicht so schwer, einmal ist alles vorbei, aber wir hatten eine tolle Zeit miteinander. Ihr kriegt das schon hin", sondern Jesus sagt: "Es ist gut für euch, wenn ich weggehe. Es ist gut für euch, denn wenn ich erst wieder beim Vater bin, dann will ich euch den Heiligen Geist schicken, den Tröster", oder wie man auch übersetzen kann: den Beistand, den Mahner, den Anwalt.

Jesus verspricht, dass eine Kraft in ihr Leben hineinkommen wird, die sie bis dahin nicht gekannt haben. Das feiern wir zu Pfingsten. Die Erfüllung dieses Versprechens. Den Beginn eines neuen Zeitalters. Die Ära des Heiligen Geistes, in der wir heute noch leben.

Ich lese aus Johannes 16,5-15

Jesus sprach zu seinen Jüngern:

"Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Doch weil ich das zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er's nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er wird's von dem Meinen nehmen und euch verkündigen. (Johannes 16,5-15)


Der Heilige Geist ist ein großartiges Geschenk Gottes an uns. Stellen Sie sich vor, dass Sie jedes Mal, wenn sie etwas von Gott möchten, zu einem Vermittler gehen müssten. Sie könnten nicht selbst mit Gott sprechen, sondern müssten einen Dienstleister aufsuchen, einen Priester, Propheten, Schamanen - wie auch immer der sich dann nennen ließe. Dem müssten Sie ihren Wunsch vortragen und der würde Ihr Anliegen - natürlich gegen eine Bearbeitungsgebühr und ohne Erfolgsgarantie - an Gott weiterleiten. Oder aber Sie müssten eine besondere Heilige Sprache lernen, oder bestimmte Formeln, um mit Gott reden zu können. Oder Sie müssten besondere Orte aufsuchen, wenn Sie etwas von Gott wollten, etwa den Tempel zu Jerusalem.

Das alles brauchen wir nicht - und das ist keineswegs selbstverständlich, sondern ein Geschenk des Heiligen Geistes. Egal wo wir sind, egal was uns bewegt, egal welche Sprache wir sprechen: wir können das, was uns wichtig ist, Gott sagen und er hört uns. Der Heilige Geist macht es möglich. Er ist sozusagen unsere ganz private Funkverbindung zu Gott, dem Vater.

Und mehr noch, er wird sogar selbst aktiv. Er spricht in unser Leben hinein, offenbart uns den Willen Gottes und gibt uns zuweilen sogar einen Blick in die Zukunft - oder wenigstens einen kleinen Tipp "du dies lieber nicht, das ist besser für dich...". Ein gewaltiges Geschenk. Kein Wunder, dass die Jünger am Pfingstsonntag im wahrsten Sinne des Wortes begeistert waren. Vorher standen sie immer staunend daneben, wenn Jesus mit seinem Vater gesprochen hat und jetzt war plötzlich der Himmel für sie aufgegangen. Nun standen sie in Gottes Gegenwart und waren so von ihm erfüllt, dass es für sie kein Halten mehr gab. Im Handumdrehen ist aus den verängstigten kleinen Häuflein, das sich im Untergrund versteckt hielt aus Angst vor der Verfolgung, eine selbstbewusste, junge Kirche geworden, die eine solche Anziehungskraft entfaltet hat, dass Tausende zum Glauben fanden.

So etwas kann man nicht aus eigener Kraft machen. Das war und ist ein Geschenk des Heiligen Geistes.

Wie komm ich da ran? Was muss ich tun um den Heiligen Geist zu bekommen?

Antwort: wahrscheinlich hast du ihn schon längst. Wer Jesus Christus aufrichtig als den Sohn Gottes ansieht und weiß, dass er bei ihm die Vergebung der Sünden und das ewige Leben hat, der hat den Heiligen Geist in sich, denn sonst könnte er das gar nicht glauben.

So großartig der Heilige Geist auch ist, so schlicht ist er auch. Man kommt leicht auf eine falsche Fährte, wenn man von den besonderen Phänomenen des Geistes liest und meint, so müsse es immer sein und wenn es fehlt, dann sei eben auch der Heilige Geist nicht da. Feuer, das vom Himmel fällt, Zungenreden, Wundertaten, prophetisches Reden, das alles kommt zwar auch heute noch vor - vielleicht mit Ausnahme des Feuers. Aber es sind eben besondere Erlebnisse. Das war auch damals schon so, deswegen hat man es ja auch in der Bibel festgehalten. Das Selbstverständliche erzählt man in der Regel nicht weiter, sondern das Besondere.

Also, den Heiligen Geist zu empfangen heißt nicht, dass wir automatisch ohnmächtig zusammenbrechen und auf jeden Fall in fremden Sprachen reden. Das alles kommt zwar vor, aber es sind letztlich Nebensächlichkeiten. Viel wichtiger sind die Wirkungen des Geistes, die Jesus in seiner Abschiedsrede beschreibt.

Als erstes sagt er da, dass der Geist die Augen für die Sünde öffnet. Und dann dieser Stelle musst Du dich entscheiden, ob Du auf ihn hören willst oder nicht. Viele Menschen schrecken hier nämlich zurück. Das kann man verstehen, denn Sündenerkenntnis ist nun wirklich nicht angenehm.

Ich habe vor kurzem etwas Interessantes aus dem Bereich der Hirnforschung gelesen: Wissenschaftler haben festgestellt, dass es so etwas wie eine Eitelkeit des Großhirns gibt. Wir sind neurologisch gesehen so verdrahtet, dass wir uns die Dinge am liebsten so hin drehen, dass sie uns selbst im guten Licht dastehen lassen.

Andere mögen geizig sein, wir selbst sind sparsam. Kleinlich sind wir ja auch nicht, eher korrekt oder gründlich. Und natürlich sind wir auch keine schlechten Menschen. Alles was wir tun, hat schließlich gute Gründe.

Sie verstehen, was ich meine. Es ist so menschlich und zu bequem, sich selbst was in die Tasche zu lügen. Aber das macht der Heilige Geist nicht mit. Er ist der Geist der Wahrheit und hält nichts davon, die Dinge schön zu reden.

Zugleich ist er, weil er der Geist Gottes ist, aber auch der Geist der Liebe.

Das heißt, er will uns nicht klein machen, wenn er uns auf unsere Sünde hin anspricht. Beim Teufel ist das anders. Er ist der Ankläger, der ein diebisches Vergnügen daran hat, uns erst zur Sünde zu verleiten, und uns anschließend dafür zu verurteilen. Er versucht uns einzureden, dass wir nichts taugen und nichts wert sind. Er versucht unser Vertrauensverhältnis zu Gott dem Vater zu erschüttern.

Beim Heiligen Geist ist das anders. Er sagt uns zu, dass wir geliebte Kinder Gottes sind. Er erinnert uns daran, dass der Vater uns so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn in diese Welt gesandt hat, damit alle die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.

Aber er erinnert uns eben auch daran, dass wir dieses Geschenk nötig haben. Er will nicht zulassen, dass wir achtlos an dem vorübergehenden, was Jesus für uns getan hat. Die Eitelkeit des Menschen verleitet ihn dazu, zu sagen, dass er Gott nicht braucht, dass Gott etwas für schwache und eher lebensuntüchtige Menschen sei. Eine Art Krücke. Doch der Heilige Geist versucht uns wach zu rütteln. Er sagt uns: "Wenn du Gott den Rücken kehrst, wenn du nicht mit ihm versöhnt bist, dann hast du keine Hoffnung, dann wirst du unweigerlich verloren gehen. Aber noch ist es Zeit, noch kannst du die Dinge ordnen, noch kannst du Gottes Hand ergreifen. Nutze die Gelegenheit!"

Dabei legt der Heilige Geist seinen Finger auf die wunden Stellen unseres Lebens, so wie ein Arzt es tut, um herauszufinden, wie er uns helfen kann. Das tut weh, aber es ist heilsam.

Als kleiner Junge hatte ich einmal einen Konflikt mit meiner Zahnärztin. Ich hatte Karies im Backenzahn und sie hat ein Loch hineingebohrt, um eine Füllung hinein zu machen. Das tat weh und ich wollte nicht, dass sie weitermachte. Alles gute Zureden half nicht, und als sie mit sanfter Gewalt versuchte, an die schmerzende Stelle heranzukommen, habe ich ihr in den Finger gebissen. Daraufhin hat sie die Behandlung abgebrochen und mich mit dem offenen Zahn nachhause geschickt. Meiner Mutter war das unglaublich peinlich. Zwei Tage hat es gedauert, dann bin ich freiwillig und ganz alleine zu ihr in die Praxis gegangen und habe das Loch zumachen lassen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe.

Wenn der Heilige Geist dich daran erinnert, dass du dabei bist, Gott den Rücken zu zukehren und seinen Finger auf den eigenen oder anderen Lebensbereich legt, dann will er dir er keine Schmerzen bereiten, sondern will dich heilen. Und wenn wir die Behandlung nicht schon an dieser Stelle abbrechen, sondern weiter zuhören, dann sagt er uns auch, wo wir mit unserer Sünde hin können: wir können sie zum Kreuz bringen. Der Heilige Geist spricht nämlich nicht nur von der Sünde, sondern auch von der Gerechtigkeit, die Jesus uns schenkt. Er spricht davon, dass Jesus in diese Welt gekommen ist, um unsere Sünde zu tragen und dass er wieder beim Vater ist und uns mit ihm versöhnt. Und er spricht vom Gericht - nicht davon, dass wir gerichtet werden, sondern, dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist; der böse Ankläger, der uns verurteilen will, der wurde selbst schuldig gesprochen.

Allerdings ist er immer noch aktiv - und daraus entsteht ein Problem: es gibt nämlich nicht nur den Heiligen Geist, sondern auch allerlei Lügengeister, die in dieser Welt unterwegs sind, und wir müssen lernen, die Geister voneinander zu unterscheiden.

Jesus nennt hier als wichtigstes Kennzeichen des Heiligen Geistes, dass er Jesus verherrlicht.

Das heißt, wenn wir es mit einem Geist zu tun bekommen, der Dinge sagt wie: "Ja, Jesus ist ja ganz nett, aber nun hat ein neues Zeitalter begonnen, und in diesem neuen Zeitalter brauchen wir keinen Erlöser mehr, wir haben die Engel und die kosmischen Energien und, und, und..." - dann wissen wir: das ist nicht der Heilige Geist. Der redet so nicht. Der verherrlicht Jesus.

Er bringt auch prinzipiell keine neuen Offenbarungen, sondern er erinnert uns an das, was uns schon lange gesagt wurde und hilft uns, es ganz neu zu verstehen.

Das klingt langweilig, ist es aber nicht. Beispielsweise besteht die Erneuerung, die Martin Luther der Kirche geschenkt hat, nicht darin, dass er etwas ganz Neues brachte, sondern dass er durch den Heiligen Geist das Alte wiederentdeckt hat, das verschüttet war.

Und wenn Gott es noch einmal schenkt, dass sich diese Kirche erneuert, dann wird diese Erneuerung ebenfalls nicht mit einer neuen Lehre verbunden sein, wir werden keinen neuen Heilsweg entdecken, sondern ganz neu begreifen, wie wertvoll das ist, was uns schon seit langem geschenkt ist.

Also, lassen wir uns nicht durch irgendwelche Irrgeister vom Weg abbringen!

Deswegen ist es wichtig, dass wir in unserer Bibel zuhause sind, dass wir regelmäßig Gottes Wort lesen, an uns heranlassen, möglichst auch Bibelverse auswendig lernen.

Bibelverse sind wie Klaviertasten, auf denen der Heilige Geist spielt. Er spielt auf den Bibelversen, die er in unserem Herzen findet, erinnert uns mal hieran und mal daran, und je mehr Tasten wir haben, desto besser kann er spielen. Wenn wir wie ein altes Klavier sind, bei dem jede zweite Taste klemmt oder ganz fehlt, wird es schwierig. Also geben wir dem Heiligen Geist eine Chance, geben wir ihm Raum in unserem Leben. Der Heilige Geist ist Gott selbst, der in unserem Herzen wohnt. Heißen wir ihn willkommen und öffnen wir ihm die Räume unseres Lebens! Es ist das Beste, was wir tun können.

Amen



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