Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Lukas 11, 14-23


Predigt über Lukas 11, 14-23



Gehalten am 06.11.2011 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

(Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres - Musikalischer Abendgottesdienst)




In der letzten Woche war es wieder so weit: im Fernsehen wurde ein Horrorfilm nach dem anderen gezeigt, die Kinder haben sich als Geister, Hexen oder Vampire verkleidet und sind an manchen Orten von Haus zu Haus gezogen, um Süßigkeiten zu sammeln - es war Halloween. Ich kann dem ganzen Spuk ehrlich gesagt nicht viel abgewinnen, und frage mich, wieso die Menschen so viel Spaß an Horror und Ekel haben können - aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Das ganze ist ja in Deutschland eine relativ junge Entwicklung und nachdem ich schon lange vermutet hatte, dass die Industrie dahintersteht, die auf diese Weise einen neuen Markt erschließen will, habe ich vor kurzem einen Artikel gelesen, der diesen Verdacht bestätigt. Wie der Spiegel schreibt, fiel 1991 wegen des Golfkriegs der Karneval aus. Die Kostümhersteller suchten nach einer Möglichkeit, trotzdem Geld zu verdienen. So beschlossen sie Halloween, das in Amerika schon lange gefeiert wird, auch in Deutschland bekannt zu machen. Sie haben die Werbetrommel gerührt und die Rechnung ist aufgegangen. Mittlerweile wird durch Halloween ein jährlicher Umsatz von über 200 Millionen ? erzielt.

Der für heute vorgesehene Predigttext passt gut dazu, denn auch er ist einigermaßen gruselig. Jesus kämpft darin gegen böse Geister. Ich lese aus dem Lukasevangelium.

"Und er trieb einen bösen Geist aus, der war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. Und die Menge verwunderte sich. Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten. Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel.

Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und ein Haus fällt über das andre. Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul. Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut."
(Lukas 11,14-23)




Wie ist das eigentlich? Gibt es böse Geister, gibt es Dämonen, oder gehören sie in das Reich der Märchen wie Elfen und Trolle? Wie können wir solche Erzählungen der Bibel einordnen?

Zuweilen hört man die Erklärung, dass die Menschen in biblischen Zeiten sehr primitiv waren und darum hinter jeder Krankheit böse Geister vermuteten. Heute wissen wir von Bakterien und Viren, und deswegen habe sich die Geschichte mit den Geistern für uns erledigt. Das klingt ganz einleuchtend, aber wenn man die Bibel aufmerksam liest, stellt man fest, dass diese Erklärung nicht stimmen kann. Stattdessen wird in den Evangelien zwischen Kranken und Besessenen fein säuberlich unterschieden.
In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts machte der Theologe Rudolf Bultmann von sich reden. In einem Aufsatz aus dem Jahr 1941 steht der berühmte Satz:

"Man kann nicht elektrisches Licht und Radioapparat benutzen, in Krankheitsfällen moderne medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen und gleichzeitig an die Geister- und Wunderwelt des Neuen Testaments glauben. Und wer meint, es für seine Person tun zu können, muß sich klar machen, daß er, wenn er das für die Haltung des christlichen Glaubens erklärt, damit die christliche Verkündigung in der Gegenwart unverständlich und unmöglich macht."

Bultmann ist seinerzeit sehr bekämpft worden, aber eines muss man ihm zugute halten, er wollte dem christlichen Glauben nicht schaden, sondern ihn fördern. Er hat nach Wegen gesucht, die christliche Botschaft für den modernen Menschen verständlich zu machen.

Wenn man sich heute so umschaut, stellt man allerdings fest, dass er sich diese Mühe hätte sparen können. Der moderne Mensch hat nämlich kein Problem damit, verschiedene Weltbilder zu vermischen. Er kann das Internet zu benutzen, um Kontakt mit Hexen und Schamanen aufzunehmen. Er nutzt moderne Computertechnik, um Horoskope zu berechnen und er benutzt ein satellitengestütztes Navigationssystem um den Weg zu einer spiritischen Sitzung zu finden.

Auf der anderen Seite hatte das sogenannte "Programm der Entmythologisierung", das Bultmann angestoßen hat, verheerende Folgen. Denn wenn man erst einmal anfängt, aus der Bibel all das heraus zu streichen, was dem modernen Weltbild zuwiderläuft, wo ist dann die Grenze? Wenn wir die Geister und Dämonen herausstreichen - was ist dann mit dem Glauben an die Auferstehung? Was ist mit den anderen Wundern, die Jesus getan hat? Was ist mit dem Heiligen Geist, ja, wieso sollte ich überhaupt noch an Gott glauben, den mein Verstand ja auch nicht fassen kann? Das ist ja gerade der Clou am Glauben, dass er uns Räume erschließt, die dem Verstand nicht zugänglich sind.

Von daher halte ich es für eine gute Idee, die Aussagen der Bibel erst einmal so stehen zu lassen wie sie sind. Wenn wir das im heutigen Abschnitt tun, dann stellen wir fest, dass die Austreibung der Dämonen eigentlich gar nicht im Mittelpunkt steht, sondern die Frage, wer Jesus ist.

Für Lukas ist der Fall klar. Für ihn ist Jesus der Retter und Befreier. Er ist der Sohn Gottes, vor dessen Vollmacht alle bösen Geister fliehen müssen. Aus dieser Überzeugung heraus schrieb er sein Evangelium um möglichst vielen Menschen zum Glauben an Christus zu verhelfen.

Die Pharisäer sehen das allerdings anders. Sie sagen: dieser Jesus steht mit dem Bösen im Bunde. Nicht aus göttlicher Vollmacht heraus konnte er den bösen Geist vertreiben, sondern weil er mit dem Teufel zusammen arbeitet. Er hat es irgendwie geschafft, sich Beelzebul, den Obersten der Dämonen, zu Diensten zu machen und dadurch kann er solche Wunder tun. Das ist natürlich ein infamer Vorwurf - aber Jesus bleibt ganz cool. Er bringt zwei nüchterne Argumente vor.

Erstens: Die Pharisäer und ihre Schüler betreiben doch auch Exorzismus - wenn auch nicht mit allzuviel Erfolg. Sie veranstalten ein gewaltiges Brimborium, verabreichen heilige Wurzeln und lesen geheime Texte vor - manchmal klappt es sogar, aber meistens lachen die Dämonen sich kaputt darüber. Aber wie auch immer: wenn sie Jesus vorwerfen, mit dem Teufel im Bunde zu stehen und daraus seine Kraft zu ziehen, mit welchem Recht behaupten sie dann, dass sie es anders machen?

Zweitens: Ein Reich, das innerlich zerstritten ist, hat keine Zukunft. Es ist eine irrsinnige Annahme, davon auszugehen, dass Satan gegen sich selber kämpft! Er wäre ja blöd. Er hatte diesen armen, gequälten Menschen doch in seiner Gewalt, warum sollte er ihn freigeben? Wo wäre sein Gewinn?

Fazit: die Vorwürfe, die gegen Jesus erhoben wurden, entbehrten jeglicher Logik.

Und dann folgt ein Satz, der ganz unschuldig aussieht, aber voller Anspielungen steckt.

Jesus sagt: "Wenn ich aber durch den Finger Gottes die Dämonen austreibe, so ist also das Reich Gottes zu euch gekommen." (Vers 20)

Der Ausdruck "Finger Gottes" kommt außer an dieser Stelle nur noch zweimal in der Bibel vor. Das erste Mal begegnet er uns im Zusammenhang mit dem Auszug aus Ägypten. Bekanntlich hat sich ja der Pharao geweigert, die Israeliten ziehen zu lassen, woraufhin Mose im Auftrag Gottes verschiedene Wunder vollbracht hat. Als erstes verwandelte er Wasser in Blut, dann ließ er eine Froschplage aufziehen - und die ägyptischem Zauberer mit ihren dunklen Künsten hielten anfangs noch mit. Was Mose tat, konnten sie auch. Aber schon bald mussten sie aufgeben und sagten zum Pharao: "Was der tut, ist mehr als Zauberei. Das ist der Finger Gottes".

Wenn Jesus darauf anspielt, dann sagt er im Grunde damit: so sehr wie Mose in seiner göttlichen Vollmacht den ägyptischen Zauberern überlegen war, so sehr war auch Jesus den Versuchen der Pharisäer überlegen.

Die zweite Stelle an der der Ausdruck "Finger Gottes" erwähnt wird, steht im Zusammenhang mit den zehn Geboten. Die Tafeln, so heißt es in der Schrift, waren beschrieben vom Finger Gottes. Damals hat Gott den Bund mit seinem Volk geschlossen. Bald wird er einen neuen Bund schließen und Jesus wird die Schlüsselfigur sein. In ihm ist das Reich Gottes angebrochen.

Und jetzt wird es wirklich gruselig. Denn da steht ein Mann vor ihnen, der soeben seine Vollmacht über die bösen Geister bewiesen hat und erklärt, dass in ihm Gott gegenwärtig sei. Es gibt nichts gruseligeres, als unvorbereitet dem lebendigen Gott zu begegnen. Da hört aller Spaß auf. Halloween mit seinen Hexen und Vampiren lebt davon, dass man diese Dinge nicht wirklich ernst nimmt. Es ist alles nur ein Spaß.

Aber wenn ein Mensch zum ersten Mal begreift, dass Gott kein Spaß ist, sondern eine ernst zu nehmende Realität, dann ist das meistens mit einem Schock verbunden. Denn dann wird ihm schlagartig klar, dass er bisher etwas verkehrt gemacht hat. Jahrelang hat er so gelebt, als würde es Gott nicht geben - und jetzt muss er plötzlich feststellen, dass es ihn doch gibt! Das ist ein Schock. Dabei kann er von Glück sagen, wenn diese Erkenntnis nicht erst am Ende seines Lebens steht, wo alles zu spät ist, sondern zu einem Zeitpunkt, an dem er in seinem Leben noch etwas verändern kann.

Jesus lässt seinen Zuhörern keinen Spielraum. An der Stellung zu ihm scheiden sich die Geister. Entweder du bist für ihn oder du bist gegen ihn. Es gibt keine neutrale Zone.

Wenn ein Mensch hilflos am Straßenrand liegt, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder du hilfst ihm, oder du tust es nicht. Es gibt keine neutrale Zone.

Wenn Gott dich ruft, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder du folgst dem Ruf, oder du tust es nicht. Es gibt keine neutrale Zone. Jesus sagt: Wer sich nicht nach Kräften dafür einsetzt, das Reich Gottes voranzubringen, der bringt das Böse voran.

Wenn eine Fußballmannschaft ein wichtiges Spiel hat und nicht jeder der Spieler vollen Einsatz bringt, spielt er in Wirklichkeit für den Gegner. Es gibt keine neutrale Zone!

Die Mission Christi besteht darin, Seelen für die Ewigkeit zu retten. Da kann es keine neutrale Zone geben. Er steht einfach zu viel auf dem Spiel.

Das ist das eigentlich Gruselige an dieser Geschichte: erst haben alle noch mit netter Gänsehaut zugesehen, wie ein böser Geist vertrieben wurde und nun schaut der Sohn Gottes sie an und fragt sie, auf welcher Seite sie denn stehen und welches die Überschrift über ihr Leben ist. Ihnen wird klar gemacht, dass sie nur zwei Möglichkeiten haben, entweder du bist drin oder du bist draußen, entweder du lebst mit Jesus oder du lebst ohne ihn. Es gibt keine neutrale Zone.

Jesus hat am Kreuz einen entscheidenden Sieg errungen. Er deutet das an in dem Bildwort, das er verwendet: Da ist der Böse in seinem Palast und es kommt ein Stärkerer und nimmt ihm seine Rüstung weg. Das hat Jesus getan. Er hat den Feind, den Teufel, besiegt. Er hat ihm seine Rüstung weggenommen. Er ist noch da, er ist noch gefährlich, aber er ist entscheidend geschwächt.

Vorher haben die Sünden der Menschen ihm Rechte über ihr Leben erwirkt. Nun aber haben wir die Möglichkeit, unsere Sünden an Jesus abzugeben, der für sie am Kreuz gebüßt hat. Wenn wir das tun, verliert der Teufel seine Anrechte auf uns und dann hat der Feind keine Macht mehr über uns. Wenn wir uns unter die Herrschaft Jesu stellen, ihn annehmen als unseren Herrn und Heiland, dann sind wir gerettet, herausgenommen aus der Machtsphäre des Teufels und seiner Dämonen.

Und alles was wir in dieser Gemeinde tun, die schönen Veranstaltungen, die wir haben, bis hin zu diesem musikalischen Abendgottesdienst, haben ihren Sinn letztlich darin, dass Menschen diesen Zusammenhang verstehen, dass sie Jesus annehmen, dass sie zu bewussten Christen werden und ihr Leben lang von diesem Weg nicht mehr lassen. Dazu helfe uns Gott.

Amen



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