Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über "Weihnachten wird unterm Baum entschieden"


Predigt über
"Weihnachten wird unterm Baum entschieden"

 
Gedanken zu einem Werbeslogan von "MediaMarkt"
Gehalten am 24.12.2011 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

Heilig Abend



"Weihnachten wird unterm Baum entschieden" - MediaMarkt hat es in diesem Jahr auf den Punkt gebracht, und ich möchte nicht wissen, in wie vielen Weihnachtspredigten dieser Satz heute zitiert wird. Das ist einfach eine Steilvorlage für jeden Prediger. Gleichzeitig ist es eine Sternstunde für die Werbetexter, denn was will man mehr, als dass ihr Slogan in aller Munde ist?

Dabei zeigte sich die offizielle Kirche als wenig amüsiert. Der Bamberger Erzbischof hat öffentlich verlangt, diese Kampagne zu stoppen und es hagelte Beschwerden beim Deutschen Werberat: angeblich würden durch den Slogan religiöse Gefühle verletzt, schließlich würde Weihnachten in der Krippe entschieden und nicht unterm Baum. Dem konnte der Werberat so nicht folgen, und MediaMarkt ließ offiziell erklären, dass sie natürlich auf keinen Fall religiöse Gefühle verletzen wollten.

Im Grunde haben sie auch nur auf den Punkt gebracht, was viele Menschen ohnehin denken - aber in Deutschland ist es nicht ganz ungefährlich, klare Worte zu sagen, das ruft unweigerlich die Anhänger der "political correctness" auf den Plan, die alles Mögliche sprachlich absichern wollen und dabei vor keiner Verunstaltung unserer Sprache zurückschrecken.

"Weihnachten wird unterm Baum entschieden" - irgendwie hat dieser Satz was und verfolgt mich seit einigen Tagen. Die dazugehörigen Spots zeigen Menschen unter dem Weihnachtsbaum, die vor Freude kreischen und sich glückselig in den Armen liegen - das passt doch zu der weihnachtlichen Prophezeiung des Propheten Jesaja, die wir eben gehört haben: "Du weckst lauten Jubel, du machst groß die Freude. Vor dir wird man sich freuen, wie man sich freut in der Ernte, wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt" (Jesaja 9,2) - oder eben "wenn man Geschenke auspackt".

Dummerweise ist uns Christen diese Freude etwas abhandengekommen, aber vielleicht ist es auch ein wenig viel verlangt, sich jedes Jahr über dasselbe Geschenk zu freuen, auch wenn es noch so groß ist. Vielleicht aber müssen wir auch einfach lernen, uns auf das einzulassen, was Gott uns schenken will - und dürfen uns nicht ablenken lassen vom Stress der Festvorbereitungen und den Geschenkeorgien unter dem Weihnachtsbaum.

"Weihnachten wird unterm Baum entschieden" - ich weiß ja nicht, ob sie es wussten, aber der Weihnachtsbaum steckt voller Symbolik. Er steht für den Baum des Lebens, weil die Tanne ihr grünes Kleid auch durch den Winter hindurch rettet, in dem alle anderen Bäume kahl sind und wie tot aussehen. Und die Kugeln, die am Weihnachtsbaum hängen - früher waren es Äpfel - sollen an die verbotenen Früchte im Paradies erinnern, aus dem wir einst vertrieben wurden.

Damals im Paradies hat sich Weihnachten unter dem Baum entschieden, genauer gesagt, da hat sich entschieden, dass wir Weihnachten überhaupt nötig haben, dass wir die Geburt eines Erlösers brauchen, der die Macht hat, uns Menschen von unserer Schuld zu befreien, das hat damals angefangen und in gewisser Weise war auch damals die Werbung daran beteiligt.

Sie kennen diese alte Geschichte, Eva steht unter dem Baum, über ihr hängen die verbotenen Früchte, und die Schlange startet ihren Werbespot: "Eva, du weißt, dass diese Früchte klug machen, ja mehr noch, wenn ihr davon esst, werdet ihr selbst sein wie Gott. Na wie wäre das?Selbstbestimmung, Emanzipation, sich nichts mehr vorschreiben lassen, sondern selbst bestimmen, was gut und böse ist. Das ist mein Angebot. Was sagst du?"

Und Eva zögert. "Aber, wie soll ich das denn bezahlen, ich habe doch gar kein Geld?"

"Kein Problem, über die Kosten reden wir später. Jetzt iss erstmal."

Adam hat sich aus der ganzen Diskussion vornehm herausgehalten, er war schon damals der Meinung, dass für religiöse Dinge doch eher die Frauen zuständig sind, und so wurde der Sündenfall unter dem Baum entschieden von einer Frau ohne Zutun des Mannes.

Wenn Sie die Geschichte am Anfang der Bibel einmal nachlesen, dann wird ihnen auffallen, wie ungleich die Rollen hier verteilt sind. Ausführlich wird beschrieben, was in Eva vorging, wie sie sich Gedanken gemacht hat, wie sie mit sich selbst und der Stimme des Bösen gerungen hat, während es von Adam einfach heißt: "Und sie gab ihm von der Frucht und er aß." Wenn ich einen Film darüber drehen müsste, würde ich die Rolle Adams mit Homer Simpson besetzen.

In der christlichen Tradition wurde die Schuld der Frau immer wieder herausgestrichen. Ich würde sagen, das Ganze ist eher peinlich für die Männer.

Jedenfalls war nach dieser Entscheidung unter dem Baum diese Welt nicht mehr so, wie Gott sie gern gehabt hätte.

Übrigens ist diese Geschichte nicht historisch zu verstehen in dem Sinne, als hätte es einmal diese zwei Menschen gegeben, auf die wir heute mit dem Finger zeigen könnten, nach dem Motto: wenn die beide sich damals nicht daneben benommen hätten, dann ginge es uns heute viel besser. Sondern die Bedeutung liegt viel tiefer. Die Geschichte will uns einen Spiegel vorhalten und sagen: Adam und Eva, das bist du. Und auch du hättest dich in der gleichen Situation keinen Deut anders verhalten. Stell dir vor, du bist in einem wunderbaren Park, umgeben von phantastischen Bäumen mit leckeren Früchten. Es ist ein perfekter Ort, die Tiere sind friedlich, du kannst die Löwen und Tiger streicheln, kannst im Gras sitzen, ohne von Mücken und Ameisen gebissen zu werden, alles ist wunderschön. Du kannst tun was du willst, es gibt nur ein einziges Gebot, an dem Gott messen will, ob er dir wirklich wichtig ist, ob ihm wirklich glauben willst. Es ist nur eine Kleinigkeit. Ein einziger Baum, dem du fernbleiben sollst, sonst darfst du alles essen, was dir begegnet.

Und natürlich wird dieser Baum besonders interessant sein. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis du das Gebot brichst. Weihnachten wird unterm Baum entschieden.

Das ist das, was die Bibel meint, wenn sie von Sünde redet. Es sind nicht nur die bösen Taten, die schlechten Gedanken über andere, die verletzenden Worte, die wir sagen, es ist schon die Tatsache, dass wir dazu überhaupt fähig sind. Und das schon von Kindesbeinen an. Wir sind Naturtalente. Das Schlechte müssen wir nicht erst lernen. Gutes zu tun, mit anderen zu teilen, zu vergeben, nicht zuerst an uns selbst zu denken - solche Dinge müssen wir erst mühsam lernen.

Bekanntlich hat Gott die Menschen aus dem Paradies vertrieben, weg vom Baum des Lebens, der dort auch stand und dafür gesorgt hätte, dass die Menschen ewig leben - aber eben auch auf ewig von Gott getrennt gewesen wären. Das wollte er verhindern, darum hat er die Menschen von diesem Ort vertrieben. Und damit es kein Zurück gibt, postierte er einen Cherub vor die Tür, der die Pforte des Paradieses bewacht. Einen grimmigen Kampfengel mit einem coolen Laserschwert.

Die gute Nachricht ist, dass Gott die Menschen trotzdem nicht verloren gibt. Er liebt uns noch immer und er setzt alles in Bewegung, um sich mit uns wieder zu versöhnen, um die Sünde aus der Welt zu schaffen. Und es ist interessant, wenn man einmal darauf achtet, was dabei alles unter Bäumen entschieden wurde.

Nach der Paradiesgeschichte ist die nächste Stelle, in der ein Baum explizit erwähnt wird, die Geschichte von Abraham, der unter einem Baum saß, als die drei Botschafter Gottes vorbeikamen und ihm sagten, dass das Unmögliche geschehen soll. Sara wird schwanger und bekommt einen Sohn, obwohl doch beide schon viel zu alt für Kinder sind. Und sie bekamen Isaak, der zum Urvater des Volkes Israel wurde, und somit auch ein Urvater Jesu.

Gott ließ ein Volk aufwachsen und gab ihm die Verheißung: "Wenn ihr euch an meine Gebote haltet, dann werdet ihr Frieden haben." Dabei findet sich im Alten Testament als Symbol dafür immer wieder das Bild von dem Feigenbaum, unter dem die Menschen friedlich im Schatten sitzen und dessen Früchte genießen. Es ist ein Bild des Friedens.

Aber auch für dieses bescheidene Paradies auf Erden zeigten sich die Menschen unwürdig. Statt sich an Gott zu halten, richteten sie unter den Bäumen Kultstätten ein und opferten dort fremden Göttern, die gerade in Mode waren, und haben damit den Zorn Gottes erregt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde damit etwas ganz entscheidendes klar: der Weg der Gebote funktioniert einfach nicht. Wir Menschen sind nicht dafür gemacht. Wir brauchen etwas grundsätzlich anderes.

Und deswegen ist es Weihnachten geworden.

Eines Tages wurde ein Baum gefällt und aus dem Holz dieses Baumes machte jemand einen Futtertrog und in diesem Futtertrog lag später ein Kindlein, weil seine Eltern keinen Raum in der Herberge fanden. Jesus, der Erlöser der Welt, auf die Welt gebracht von Maria - wiederum ohne Zutun eines Mannes.

Es ist etwas ganz Besonderes, das wir an Weihnachten feiern. Die Geburt eines besonderen Kindes, des vollmächtigen Sohnes Gottes, der uns die Botschaft bringt, dass Gott sich unwiderruflich für uns Menschen entschieden hat. Jeder darf zu ihm kommen. Ausnahmslos.

Und so wurden auch die Hirten nicht zurückgewiesen, als sie das Neugeborene bestaunen wollten, obwohl das wahrscheinlich Leute waren, die man normalerweise nicht so gern in sein Haus lassen würde.

Einer alten Legende nach wurde das Kreuz Jesu aus demselben Baum, aus demselben Holz gefertigt wie die Krippe. Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber der Kern, der stimmt auf jeden Fall. Krippe und Kreuz gehören zusammen.

Bei einer Taufe in diesem Jahr hat mir die Schwester des Täuflings ein selbstgemaltes Bild mitgebracht. Sie hat ihre Familie dargestellt, wie sie zusammen mit dem Pastor in der Kirche am Taufstein stehen und den kleinen Bruder taufen. Darüber hat sie das Kruzifix gemalt, aber das sieht nicht aus wie ein Kreuz, sondern eher wie das Kind in der Krippe, das mit ausgebreiteten Armen über der Taufgesellschaft schwebt und lächelt. Krippe und Kreuz gehören zusammen.

Der, dessen Geburt wir heute feiern, ist zugleich der, der sein Leben für uns hingibt und anschließend den Tod besiegt. Darum wundere ich mich darüber, dass zu Ostern nicht noch viel mehr Menschen in die Kirche kommen als zu Weihnachten, denn geboren werden kann jeder, aber vom Tode auferstanden ist bisher nur der eine.

Man könnte eine ganze Predigtreihe darüber halten, was sich in der Bibel alles unter Bäumen entschieden hat.

Zum Beispiel Zachäus, der Zöllner, der sich in seiner Habgier verstrickt hatte, und auf einen Baum geklettert ist, um Jesus zu sehen. Jesus blieb unter diesem Baum stehen und traf eine Entscheidung. Er rief ihn und sagte: "Zachäus, ich muss heute in deinem Haus einkehren!" Und das war der Beginn eines neuen Lebens für diesen Menschen.

Oder der fruchtlose Baum, den Jesus als Warnung anführt, um den Menschen klarzumachen, dass es nicht ausreicht, den Glauben auf den Lippen zu führen, sondern er muss auch Früchte tragen.

Nathanael, den Jesus unter einem Baum sitzen sah, und der einer der ersten im Johannesevangelium ist, der in ihm Gottes Sohn gesehen hat.

Und schließlich die Bäume im Paradies, dessen Tor Jesus für uns geöffnet hat. Wir werden es gleich singen: Der Cherub steht da nicht mehr. Durch Jesus haben wir freien Zugang, auch zu den Bäumen des Lebens, weil wir dann durch ihn Gemeinschaft mit Gott haben.

Es ist schon etwas wahres dran: Weihnachten wird unter dem Baum entschieden. Dort unter dem Baum, der an die Geburt Jesu erinnert, dort in der Krippe, dort hat sich Gott für die Menschen entschieden. Und dort muss auch unsere Entscheidung fallen: wollen wir diese großartige und lebensverändernde Liebe Gottes an uns heranlassen? Wollen wir es ernst nehmen, als Christen in dieser Welt zu leben?

Oder wollen wir es belassen bei ein bisschen weihnachtlicher Gefühlsduselei, die ohne weitere Folge, ohne Frucht für unser Leben bleibt?

Weihnachten wird im Herzen entschieden. Und diese Entscheidung kann uns niemand abnehmen.

Amen











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