Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über 1. Korinther 2, 1-10


Predigt über 1. Korinther 2, 1-10

 

Gehalten am 15.01.2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

2. Sonntag nach Epiphanias



"Ich bin doch nicht blöd" - ich gehe davon aus, dass Sie diesen Werbeslogan kennen, mit dem MediaMarkt uns seit nunmehr 15 Jahren traktiert. Und bevor jetzt Gerüchte entstehen, weil der MediaMarkt gerade erst in der Weihnachtspredigt vorgekommen ist: Nein, ich bekomme weder Prozente noch kostenlose Urlaubsreisen von denen. Das hat sich jetzt einfach so ergeben, weil dieser Slogan einen Nerv trifft. Wer möchte schon gern blöd sein? Wer möchte schon zu denen gehören, die von anderen ausgenutzt oder betrogen werden? Also ich jedenfalls nicht.

Deswegen gibt es mir auch immer so einen kleinen Stich, wenn mal wieder die Gläubigen in der Öffentlichkeit als Dummköpfe dargestellt werden. Es ist ja erstaunlich, wie viele Bücher geschrieben und verkauft werden, die keinen anderen Inhalt haben, als eben dies zu verkünden: "Wer glaubt, ist blöd. Der hat den Knall nicht gehört. Der kann nicht denken und versteht nichts von moderner Wissenschaft."

Wenn diese Bücher von einigermaßen bekannten Autoren stammen, dauert es in der Regel auch nicht lange, bis ein Antwortbuch erscheint, das auf die erhobenen Vorwürfe und Argumente eingeht und zu zeigen versucht, dass gläubige Menschen durchaus zum Denken in der Lage sind. So wichtig diese Auseinandersetzung auch ist, so fruchtlos muss sie letztlich bleiben, denn kaum einer findet dadurch zum Glauben. Wenn Menschen durch solche Schriften davor bewahrt werden, vom Glauben abzufallen, ist schon viel gewonnen.

Es ist mit dem Glauben ja ganz ähnlich wie mit der Liebe. In beiden Fällen spielt die Vernunft nur die zweite Geige. Kaum jemand trifft eine nüchterne Entscheidung und sagt: "Neun Gründe sprechen für diese Frau und nur zwei Gründe dagegen, also werde ich mich mal in sie verlieben". So funktioniert das einfach nicht.

Der Glaube ist ebenso wie die Liebe ein unverfügbares Geschenk. Glaube und Liebe können und müssen gepflegt werden, aber wir können sie nicht machen.

Natürlich gibt es durchaus gute Gründe, die für den Glauben sprechen, ebenso wie es gute Gründe dafür gibt, die Frau zu lieben, die ich liebe. Aber diese Gründe sind nicht das Erste und nicht das Ausschlaggebende.



"Ich bin doch nicht blöd", diesen Satz hätte der Apostel Paulus auch von sich sagen können. Er war ein kluger und gebildeter Mann. Trotzdem tat er sich schwer damit, den Menschen in Griechenland vom christlichen Glauben zu erzählen. Die Griechen waren damals berühmt für ihre Philosophie. Es gab viele geschulte Redner und Denker in diesem Land. Wir lesen in der Apostelgeschichte, dass Paulus anfangs versucht hat, mit ihnen auf dieser Ebene zu reden. Es war eine tolle Rede, die er auf dem Areopag in Athen gehalten hatte. Und solange er ganz allgemein kluge Dinge über Gott und die Welt sagte, hörte man ihm auch gerne zu. Aber als er anfing, über Jesus und dessen Auferstehung von den Toten zu sprechen, lachte man ihn aus und schickte ihn weg. Daraufhin beschloss er, in Zukunft ganz anders vorzugehen. Im ersten Brief an die Christen in Korinth schreibt er davon. Ich lese den Predigttext aus dem zweiten Kapitel:

"Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.

Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht (Jesaja 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.«

Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit. (1.Korinther 2,1-10)

Einige in dieser Gemeinde haben ja selbst schon mal auf dieser Kanzel gestanden und ich denke, jeder, der predigt oder auch nur eine Andacht vorbereitet, kennt dieses Gefühl, das Paulus hier mit "Furcht und Zittern" beschreibt. Auf einer alten Kanzel sah ich einmal den lateinischen Spruch: "Wer hier mit Furcht hinaufsteigt, der wird mit Ehre hinunter steigen." Offensichtlich ist diese Erfahrung also weit verbreitet.

Natürlich soll eine Predigt gut vorbereitet und durchdacht sein. Aber es geht im Tiefsten nicht darum, Menschen mit eigenen Geistesblitzen zu beeindrucken, sondern darum, dass Gottes Wort und Gottes Geist zum Zuge kommen. Wenn der Geist Gottes nicht unter uns wirkt, dann können wir nach Hause gehen, dann ist diese Zusammenkunft reine Zeitverschwendung. Aber dummerweise gibt es keine Methode, mit der man das Wirken des Heiligen Geistes sicherstellen könnte. Wir haben es nicht in der Hand. Wir können es nur erhoffen und erbitten im Vertrauen darauf, dass Gott seine Zusage hält: "Mein Wort soll nicht leer zu mir zurückkommen". Von diesem Vertrauen musste auch Paulus leben.

Er war ausgesandt, um den Menschen von Jesus zu erzählen. Dazu musste er eine Entscheidung treffen: was will ich denn erzählen? Wie will ich den Menschen Jesus nahe bringen?

Es gäbe ja viele Möglichkeiten. Er hätte beispielsweise versuchen können, den Griechen Jesus als Weisheitslehrer zu verkaufen. Das war er ja auch und das hätte ihnen bestimmt gefallen.

Er hätte von Jesus als dem Wundertäter sprechen können, als dem geheimnisvollen Gottessohn, für den sich auch in der griechischen Mythologie Parallelen finden lassen, oder von dem begabten Redner, der er auch war, oder auch von dem Menschenfreund Jesus, der so viel von der Liebe gesprochen und sie auch vorgelebt hat. Das alles wäre nicht verkehrt gewesen. Doch stattdessen entscheidet er sich dafür, von Jesus als dem Gekreuzigten zu sprechen.

Hätte Paulus PR-Berater gehabt, dann hätten sie die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Sie hätten ihm gesagt, wie kannst du das tun? Du musst doch den Dialog suchen, die Gemeinsamkeiten betonen, Wertschätzung demonstrieren für die religiösen Traditionen deiner Gesprächspartner. Stattdessen fällst du mit der Tür ins Haus und betonst gerade das Anstößige des christlichen Glaubens. Damit musst du doch jeden gegen dich aufbringen!

Die Menschen in Griechenland sind Ästheten. Schau dir nur die wunderbaren Statuen an, die sie gemacht haben. Makellose Männer und Frauen aus Marmor. Und denen willst du von dem blutverschmierten, zerschundenen Mann am Kreuz erzählen? Sie werden dich ablehnen!

Es sind auch Juden dabei. Du kennst doch das jüdische Gesetz, hast selbst als Pharisäer gelebt. Ein Gekreuzigter gilt als von Gott verflucht. Wenn du ihnen erzählen willst, dass Jesus der Messias ist, dann darfst du doch nicht ausgerechnet mit dem Kreuz anfangen!

Vielleicht gibt es auch moderne Theologen dort. Du weißt doch, dass sie die Sühnopfertheologie für Schnee von gestern halten. Sie können nichts mit dem Gedanken anfangen, dass Jesus für unsere Sünden gestorben ist. Sie werden dich ablehnen.

Und was ist mit den Anhängern der Philosophie? Ihnen kommt die Rede vom Kreuz unsinnig vor, das hast du doch schon oft genug erfahren, also warum redest du darüber? Der christliche Glaube hat doch noch viele andere wichtige Themen!

Wer soll dir denn zustimmen? Die Selbstbewussten werden sagen: "Ich bin kein schlechter Mensch, ich brauche keine Vergebung der Sünden". Die Schüchternen werden sagen: "Ich bin es nicht wert, dass Jesus für mich stirbt". Die Gutmenschen werden sagen: "Ich will nicht, dass jemand an meiner Stelle leiden muss".

Kurz und gut, das was Paulus realistischerweise als Ergebnis seiner Rede erwarten kann, ist kein donnernder Applaus, sondern Ablehnung. Faule Tomaten und Buhrufe. Kein Wunder, dass er sich gefürchtet hat. Jeder Mensch möchte Zustimmung, er möchte anerkannt und geliebt werden. Paulus aber hat sich mit seinen Predigten Steinwürfe, Verfolgung und Gefängnisaufenthalte eingehandelt. Warum hat er das getan? Warum hat er so unvernünftig gehandelt?

Ich glaube, weil er wirklich begriffen und darauf vertraut hat, dass die Weisheit Gottes größer ist als die Weisheit dieser Welt. Ein menschengewirkter Glaube kann keinen Bestand haben. Er ist ein Strohfeuer. Darum können wir auch niemanden zum Glauben überreden oder gar zwingen. Wir können und sollen mit Menschen über Jesus reden. Wir können und sollen ihnen bezeugen, was wir mit ihm erlebt haben und auch auf Fragen oder kritische Einwände unserer Gesprächspartner antworten. Aber dabei haben wir es nicht in der Hand, dass der Funke des Glaubens auch überspringt. Das muss der Heilige Geist schenken.

Paulus redet vom Kreuz - und das Kreuz steht für das Ende aller menschlichen Bemühungen. Der Mann am Kreuz kann nichts mehr aus eigener Kraft tun. Er ist auf Gottes Handeln angewiesen.

Wer zum Kreuz geht und seine Schuld dort ablädt, der bekennt, dass er aus eigener Kraft nichts tun kann. Was geschehen ist, ist geschehen, daran lässt sich nichts rückgängig machen, alles was zu tun bleibt, ist Gott um seine Gnade und sein Handeln zu bitten.



Aber das Kreuz steht auch für den Neuanfang in der Kraft Gottes. Gott hat gehandelt, Jesus ist von den Toten auferstanden. Wer seine Schuld vor Gott bekennt, der empfängt Erlösung und ein neues Leben. Und diese Erfahrung, Erlösung und ein neues Leben zu bekommen, erneuert zu werden durch den Heiligen Geist, ist das Herzstück des christlichen Glaubens.

Hinter uns liegt die Allianzgebetswoche. Eine Woche lang haben wir uns mit dem Thema beschäftigt: "Verwandelt durch Jesus Christus". Wir glauben und bekennen, dass das möglich ist. Von Jesus verwandelt zu werden.

Paulus selbst ist das beste Beispiel dafür. Er ist vom radikalen Christenverfolger zum glühenden Missionar verwandelt geworden, der alles dafür einsetzt, Menschen zu Jesus zu führen. Ein stärkerer Wandel ist kaum vorstellbar. Und dann hat er erlebt, wie Gott Menschen durch seine Predigt anspricht. Wie der Heilige Geist wirkt und Menschen sich dazu rufen lassen, Jesus Christus als ihren Herrn und Erlöser anzunehmen. Egal was es kostet.

Wer diesen Schritt gegangen ist, wer gesagt hat "ja, ich will das, was Jesus dort am Kreuz getan hat, für mich persönlich annehmen", der erkennt dann auch, wie einfach und klar der christliche Glaube im Grunde ist. Was vorher irgendwie merkwürdig, verschwommen, oder abstoßend gewirkt hat, erscheint jetzt sinnvoll und schön.

Es ist ein bisschen so wie im Kino, in dem ein 3-D Film gezeigt wird. Wenn man versucht, diesen Film ohne die 3D-Brille zu sehen, dann erscheint alles verschwommen und unklar. Aber mit der Brille erschließen sich ganz neue Dimensionen.

Sollen mich doch die anderen, die ohne Brille, ruhig für blöd halten, weil ich Dinge sehe, die sie nicht sehen können!

Ich weiß doch, was ich erlebt habe, ich weiß doch, dass Jesus in diese Welt gekommen ist und am Kreuz starb, um mich zu erlösen. Und ich werde auch nicht von ihm lassen.

Ich bin doch nicht blöd.

Amen









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