Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über 2. Könige 5, 1-16


Predigt über 2. Könige 5, 1-16

 

Gehalten am 22.01.2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

3. Sonntag nach Epiphanias
Tauferinnerungsgottesdienst


Zwei Bekannte treffen sich und unterhalten sich über dies und das. Der eine von beiden beklagt sich über seine Lungenprobleme, über Husten und Atemnot. Dann steckt er sich eine Zigarette an. Der andere meint: "Du, wenn du solche Probleme mit der Luft hast, solltest du das vielleicht besser lassen". "Nein", sagt der Raucher. "Mein Arzt hat gesagt, das Rauchen hat damit gar nichts zu tun." "Das ist aber ungewöhnlich, soetwas von einem Arzt zu hören" - "Ja, ich musste auch ziemlich lange suchen, bis ich den gefunden hatte!"

Es ist schon nicht so einfach mit uns Menschen. Einerseits haben wir ein Problem und suchen nach Hilfe, andererseits aber meinen wir ganz genau zu wissen, was uns helfen kann und was nicht. Das Rauchen aufgeben, das kann keine Lösung sein. Ernährungsumstellung, das ist was für Ökos. Ich brauche lieber vernünftige Medikamente. Wie soll Gebet bei meinen Schlafproblemen helfen? Der Glaube ist nichts für mich.

Der Mensch, der uns im heutigen Predigttext begegnet, war auch so gestrickt. Und das finde ich so faszinierend an der Bibel: so alt die Geschichten auch sind, und so fremd die Kulturen, in denen sie sich abgespielt haben - die Menschen sind im wesentlichen nicht anders als heute.

Die Geschichte, um die es geht, spielt im 9.Jhd vor Christi und beginnt im heutigen Syrien. Damals hieß es Aram und war eine Ansammlung verschiedener Stadtstaaten, die regelmäßig mit Israel kleinere Kriege ausfochten. Dabei hatte sich ein Feldherr besonders verdient gemacht, und um den geht es heute. Er hieß "Naaman". Seine Eltern hatten es sicher gut gemeint, als sie diesen Namen ausgesucht haben, aber er passte trotzdem nicht besonders gut. Er bedeutete nämlich "der Schöne" - und Naaman war nicht schön. Er war aussätzig. Wir wissen nicht genau, was er hatte, als Aussatz galten in der Antike nicht nur die Lepra, sondern fast alle auffälligen Hauterkrankungen. Von den Beschreibungen her könnte man vermuten, dass er unter einer Schuppenflechte gelitten hat.

Wie auch immer - er stand im gesellschaftlichen Abseits und nur weil er ein verdienter Mann war, blieb ihm das Schicksal vieler anderer erspart, die man unbarmherzig in die Verbannung schickte. Man kann sich vorstellen, was er alles unternommen hat, um gesund zu werden. Geld war dabei nicht sein Problem, dank seiner Erfolge im Krieg war er ein wohlhabender Mann. Aber was er auch versuchte, mit seiner Gesundheit wurde es nicht besser. Er, der große Feldherr, musste sich geschlagen geben. Sein eigener Körper verweigerte ihm den Dienst, obwohl sonst tausende Soldaten seinen Befehlen folgten. Viele kennen diese Erfahrung des Scheiterns an der eigenen körperlichen Grenze.

Eines Tages nimmt die Geschichte dann eine fast hollywoodreife Wendung.

Mit ihm im Haus lebte eine israelische Magd, die er von einem seiner Raubzüge mitgebracht hatte. Offensichtlich aber hat er sie gut behandelt, denn sie sorgte sich um sein Wohlergehen. Eines Tages, als es wieder besonders schlimm mit seiner Haut war, sagte sie zu ihrer Herrin "Ach, wenn wir doch in Samaria wären, und zu dem Propheten gehen könnten, der dort wohnt, der könnte ihm bestimmt helfen". Samaria war zur damaligen Zeit Regierungssitz und Hauptstadt Israels.

Natürlich erfuhr Naaman von dieser Äußerung und beschloss sofort diesem Hinweis nachzugehen.

Dabei gab es allerdings ein Problem: ein 4 Sterne General kann mitten im kalten Krieg nicht einfach ins Feindesland reisen, darum ging er zu seinem König und bekam von ihm ein diplomatisches Schreiben an Joram, dessen israelischen Königs-Kollegen. Dabei ist es aber wohl zu einem Missverständnis gekommen. Bei den Aramäern war der König nämlich zugleich der höchste Priester und offensichtlich ist er davon ausgegangen, dass es bei den Israelis auch so sei.

Ich lese uns den Predigttext aus 2.Kön 5,

Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Aram, war ein trefflicher Mann vor seinem Herrn und wertgehalten; denn durch ihn gab der HERR den Aramäern Sieg. Und er war ein gewaltiger Mann, jedoch aussätzig. Aber die Kriegsleute der Aramäer waren ausgezogen und hatten ein junges Mädchen weggeführt aus dem Lande Israel; die war im Dienst der Frau Naamans. Die sprach zu ihrer Herrin: Ach, dass mein Herr wäre bei dem Propheten in Samaria! Der könnte ihn von seinem Aussatz befreien. Da ging Naaman hinein zu seinem Herrn und sagte es ihm an und sprach: So und so hat das Mädchen aus dem Lande Israel geredet. Der König von Aram sprach: So zieh hin, ich will dem König von Israel einen Brief schreiben. Und er zog hin und nahm mit sich zehn Zentner Silber und sechstausend Goldgulden und zehn Feierkleider und brachte den Brief dem König von Israel; der lautete: Wenn dieser Brief zu dir kommt, siehe, so wisse, ich habe meinen Knecht Naaman zu dir gesandt, damit du ihn von seinem Aussatz befreist. Und als der König von Israel den Brief las, zerriß er seine Kleider und sprach: Bin ich denn Gott, dass ich töten und lebendig machen könnte, dass er zu mir schickt, ich solle den Mann von seinem Aussatz befreien? Merkt und seht, wie er Streit mit mir sucht! Als Elisa, der Mann Gottes, hörte, dass der König von Israel seine Kleider zerrissen hatte, sandte er zu ihm und ließ ihm sagen: Warum hast du deine Kleider zerrissen? Lass ihn zu mir kommen, damit er innewerde, dass ein Prophet in Israel ist. So kam Naaman mit Rossen und Wagen und hielt vor der Tür am Hause Elisas. Da sandte Elisa einen Boten zu ihm und ließ ihm sagen: Geh hin und wasche dich siebenmal im Jordan, so wird dir dein Fleisch wieder heil und du wirst rein werden. Da wurde Naaman zornig und zog weg und sprach: Ich meinte, er selbst sollte zu mir herauskommen und hertreten und den Namen des HERRN, seines Gottes, anrufen und seine Hand hin zum Heiligtum erheben und mich so von dem Aussatz befreien. Sind nicht die Flüsse von Damaskus, Abana und Parpar, besser als alle Wasser in Israel, so dass ich mich in ihnen waschen und rein werden könnte? Und er wandte sich und zog weg im Zorn. (2.Könige 5,1-12)



Was für eine Story. Ich kann mir bildlich vorstellen, wie dieser berühmte Feldherr mit seinem ganzen Gefolge unterwegs ist. Mit Leibwächtern und Dienern und Sklaven, die sich um sein leibliches Wohl zu kümmern hatten. Staatsbesuch eben. Und er lässt sich ja auch nicht lumpen. Gold und Silber und kostbare Gewänder hat er dabei. Dass er beim König erstmal an der falschen Adresse war, okay, kleine Panne, kann vorkommen. Also weiter zu Elisa. Und dann fährt er mit seinem ganzen Tross bei der armseligen Hütte des Propheten vor und hat natürlich so seine Vorstellungen. Dass der sofort zu ihm gelaufen kommt, ihn wortreich begrüßt, mit zahllosen Verbeugungen, und ihn schließlich gesund betet. Mit dem Reichtum, den Naaman bei sich hatte, hätte er sich anschließend einen Palast bauen können. Eine Hand wäscht die andere. Auch die Diplomatie hat damals schon genauso funktioniert wie heute. Mit dem Vorteil, dass es noch keine Presse gab, die im unpassenden Moment alles ausplaudern konnte.

Aber nichts lief so, wie er es sich vorgestellt hatte. Der Prophet hielt es nicht einmal für nötig, persönlich zu erscheinen. Was für eine Unverschämtheit! Der wusste wohl nicht, wer er war!

Aber wer war er denn?

Er war der große, reiche, mächtig, kluge, berühmte Feldherr Naaman von Aram!

Ist das alles, Naaman? Wer bist du? Du bist doch gekommen, weil du etwas von Gott willst - meinst du, er lässt sich von dem beeindrucken, was er dir selbst gegeben hat? Wer bist du?

Aber Naaman wollte kein Bittsteller sein. Da hatte er auch seinen Stolz. Er wollte kein hilfloser Mensch sein, der um Heilung bittet, kein Unreiner, der Reinigung und Erneuerung braucht. Er war genau das, aber das konnte er nicht annehmen. Und so fuhr er wieder nach Hause.

Bis heute geht das manchen Menschen so. Sie wollen Gott begegnen, aber zu ihren Bedingungen. Gott macht uns ja ein Angebot, er sagt: "Geht zum Kreuz. Seht auf Jesus, bei ihm findet ihr alles was ihr braucht. Vergebung eurer Sünden. Freien Zugang zum Vater im Himmel. Ewiges Leben." Aber die Menschen wollen das nicht. Es ist zu einfach. Lieber geben sie viel Geld aus für esoterische Bücher und irgendwelche Kurse. Es ist ein altes verkaufspsychologisches Gesetz. Manchmal müssen die Dinge nur teuer genug sein, damit sie sich verkaufen. Was zu billig oder gar umsonst ist, kann gar nichts taugen.

Glücklicherweise ist die Geschichte an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Es gibt ein Happyend.

Da machten sich seine Diener an ihn heran, redeten mit ihm und sprachen: Lieber Vater, wenn dir der Prophet etwas Großes geboten hätte, hättest du es nicht getan? Wieviel mehr, wenn er zu dir sagt: Wasche dich, so wirst du rein! Da stieg er ab und tauchte unter im Jordan siebenmal, wie der Mann Gottes geboten hatte. Und sein Fleisch wurde wieder heil wie das Fleisch eines jungen Knaben, und er wurde rein. Und er kehrte zurück zu dem Mann Gottes mit allen seinen Leuten. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen, außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht. Elisa aber sprach: So wahr der HERR lebt, vor dem ich stehe: ich nehme es nicht. Und er nötigte ihn, dass er es nehme; aber er wollte nicht. (2.Könige 5,13-16)

Es waren kluge Menschen bei Naaman und er war auch klug genug, auf sie zu hören.

"Wenn der Prophet etwas Schwieriges verlangt hätte, dann hättest du es getan - dann lass dich doch nicht davon abbringen, das Einfache zu tun! Probiere es doch wenigstens aus"

Irgendwie scheint es ihm eingeleuchtet zu haben, denn er machte sich auf den Weg zum Jordan, der immerhin noch eine Tagesreise entfernt war. Er tauchte darin unter und das Wunder geschah. Seine Haut wurde glatt wie ein Babypopo.

Natürlich lag es nicht am Jordan. Wassertechnisch gesehen hatte Naaman völlig recht. Das Wasser in Syrien ist viel besser. Wir haben letztes Jahr am Jordan gestanden, es ist ein kleines, schlammiges Flüsschen, in dem ich auch nicht freiwillig hätte baden wollen.

Aber es ist kommt auch nicht auf das Wasser selbst an. Es geht nicht darum, dass der Jordan eine Heilquelle wäre. Das Wasser ist nur der symbolische Ausdruck genauso wie bei der Taufe. Es geht nicht um das Wasser, sondern um das was dahinter steht. Es geht um Gott, der auf diese Weise handeln möchte. Natürlich hätte er auch auf 1000 andere Arten heilen können, aber er wollte es genau so tun.

Es hat Naaman seinen Stolz gekostet, sich auf diese Art der Heilung einzulassen und so ist es oft, wenn Gott in unserem Leben handelt. Jeder hat so sein persönliches Bollwerk gegen Gott. Bei dem einen ist es der Stolz, bei dem anderen der Reichtum, bei dem nächsten das Misstrauen, bei dem übernächsten eine Lieblingssünde, von der er nicht lassen will. Die Menschen sind verschieden und weil Gott das weiß, handelt er auch unterschiedlich an ihnen. Während Jesus von dem reichen Jüngling verlangt hat, all seinen Besitz zu verkaufen, war der Prophet an Naamans reichen Gaben nicht im geringsten interessiert. Gott möchte nicht etwas von uns, er möchte uns selbst.

Er möchte nicht unseren Besitz, er möchte unser Herz. Er möchte nicht unsere Großtaten, er möchte unseren Gehorsam. Und der kann es mit sich bringen, dass wir manchmal ganz unscheinbare Schritte zu gehen haben. Fahr an den Jordan und wasch dich. Mehr nicht? Nein, mehr nicht.

Nimm dir Zeit für deine Frau und die Kinder. Ist das alles? Ja, das ist alles.

Mach einen Besuch bei der alten Dame in der Nachbarschaft. Manchmal ist das Große ganz klein.

Wir feiern Tauferinnungsgottesdienst heute und freuen uns daran, dass die Kinder in den vergangen 5 Jahren so gut gewachsen sind. Aber auch an unsere eigene Taufe werden wir erinnert. Ehrlich gesagt, habe ich manchmal meine Probleme damit. Ich kann mich an meine Taufe nicht erinnern, ich war ja noch ein Baby und was kann schon besonderes daran sein, ich habe ja schließlich nichts dafür getan? Meine Eltern haben es für mich entschieden, ohne mich zu fragen.

Aber genau das ist der Punkt. Es geht nicht um das, was wir tun können, sondern um das, was Gott an uns tut. Glaube hat auch damit zu tun, etwas anzunehmen, etwas geschehen zu lassen. In gewisser Weise beleidigt das unseren Stolz. Aber das kann auch ganz heilsam sein.

Mit unserem Stolz stehen wir Gott und uns selbst oft genug nur im Weg.

Hoffentlich gibt es in unserem Leben auch so kluge Menschen wie sie für Naaman da waren. Die Magd, die ihm den richtigen Weg gewiesen hat und der Diener, der ihn ermutigt hat, diesen Weg auch bis zum Ende zu gehen. Und hoffentlich sind wir dann so klug, auf diese Menschen zu hören und die Schritte zu gehen, die uns deutlich werden. Dann können auch wir ein Happy End erleben.

Amen.











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