Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Amos 5, 21-24


Predigt über Amos 5, 21-24

 

Gehalten am 19.02.2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

Sonntag Estomihi



Am Freitag ist wieder Lobpreisabend und ich freue mich schon darauf. Ich finde es immer sehr schön und inspirierend - obwohl es ja immer noch Leute gibt, die diese Veranstaltung misstrauisch beäugen und sich fragen: "Was machen die da eigentlich? Ist das so eine Art Sekte, oder was ist da los?" Nein! Wir sind keine Sekte, wir sind ganz normale evangelische Christen und haben Freude daran, Gott mit modernen Liedern zu loben und zu preisen. Das ist eigentlich gar nichts besonderes, wir tun es jeden Sonntag im Gottesdienst. "Allein Gott in der Höh' sei Ehr' und Dank für seine Gnade. - das ist Lobpreis, allerdings im Feeling des 16. Jahrhunderts. Beim Lobpreisabend verwenden wir Lieder aus unserer Zeit und statt der Orgel Gitarre, Keyboard und Schlagzeug.

Das Ganze ist eine uralte Geschichte, schon im alten Israel haben die Menschen ihrem Gott Lieder gesungen. Einige davon sind uns in der Bibel überliefert.

Und so wie das Christentum seine Wurzeln im Judentum hat, wurzeln unsere Gottesdienste und Feste in den Gottesdiensten und Festen der Juden. Die Juden waren zu Recht stolz auf ihren Gott und die Feiertage, die er ihnen verordnet hat. Jede Woche gab und gibt es es einen heiligen Tag, den Sabbat, an dem alle Arbeit ruhte und Gott gefeiert wurde. Dazu gab es das Passahfest, das Laubhüttenfest, das Versöhnungsfest und und und. Die Nachbarvölker schauten staunend auf die Juden und sagten: "Wie macht ihr das bloß? Wir arbeiten sieben Tage die Woche, ihr nur sechs, dazu habt ihr die ganzen Feiertage - und trotzdem fehlt es euch an nichts. Wie kommt das?" Antwort: "Weil Gott uns segnet. Wir sind sein Volk. Wir haben einen Bund mit ihm. Wir halten seine Gebote und er versorgt uns. Wir leben nach seinen Regeln und er beschützt uns vor allem Bösen."

So war das gedacht. Die Juden als eine Art Muster-Volk, an dem die ganze Welt sehen kann, was es heißt, mit dem gütigen und barmherzigen Gott zu leben.

Da aber auch dieses Volk nur aus Menschen bestand und darum hin und wieder mal aus dem Ruder lief und weil es damals noch keine freie Presse gab, die Missstände hätte anprangern können, schickte Gott ihnen immer mal wieder seine Propheten.

Ein Konfirmand gab einmal eine prima Erklärung dafür, was ein Prophet ist. Er sagte: "Ein Prophet ist so eine Art Briefträger Gottes". Das trifft es. Die Propheten haben sich ihre Botschaften nämlich nicht selbst ausgedacht, sondern sie übermitteln das, was Gott zu ihnen gesprochen hat. Viele dieser Botschaften sind schriftlich festgehalten worden. So finden wir 16 Prophetenbücher in der Bibel, die uns einen lebendigen Eindruck davon vermitteln, was die Menschen und Gott damals bewegt hat. Der älteste dieser sogenannten Schriftpropheten ist Amos, um den geht es heute Morgen.

Er hätte sich nie träumen lassen, dass er mal Prophet werden würde. Von Haus aus war er Landwirt, er hatte ein paar Schafe und züchtete Maulbeeren.

Gelebt hat er um 750 v. Chr. In dem Dorf Tekoa, das liegt etwa 20 Kilometer südlich von Jerusalem. Zu dieser Zeit bestand Israel aus zwei Teilen, dem Nordreich und dem Südreich. Wirtschaftlich ging es dem Land sehr gut, es erlebte eine Blütezeit. Leider kam der Aufschwung nicht bei allen an, sondern führte dazu, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer wurden. Und Gott beauftragte Amos, dagegen vorzugehen. Obwohl er selbst aus dem Südreich stammte, wurde er nach Norden gesandt, um in Bethel, wo damals ein Heiligtum stand, zu predigen.

Seine Botschaft war klar: Gott sagt: So geht es nicht weiter. Es kann nicht sein, dass diejenigen, die Macht und Geld haben, die Gesetze zu ihren Gunsten beeinflussen. Es kann nicht sein, dass es unter euch Korruption gibt und gewiefte Anwälte, die das Recht so verdrehen, das aus Weiß Schwarz wird und umgekehrt. Und es kann schon gar nicht sein, dass einige Menschen immer reicher werden, während ihre Volksgenossen teilweise nicht mehr wissen, wovon sie leben sollen.

Ich finde, das ist mal wieder ein faszinierendes Beispiel dafür, wie aktuell die Bibel ist und wie wenig sich die Menschen in den letzten 2700 Jahren verändert haben.

Aber nicht nur zu den sozialen Verhältnissen hat Amos etwas zu sagen, sondern auch zum Gottesdienst und zum Lobpreis - und das war nicht gerade nett.

"So spricht der Herr: Ich bin euren Feiertagen gram und verachte sie und mag eure Versammlungen nicht riechen. Und wenn ihr mir auch Brandopfer und Speisopfer opfert, so habe ich kein Gefallen daran und mag auch eure fetten Dankopfer nicht ansehen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach." (Amos 5,21-24)

Das hat gesessen. Gott ist nicht blöd und er ist auch nicht bestechlich. Natürlich liebt er Gottesdienste und und er liebt den Lobpreis, in dem er Gemeinschaft mit seinem Volk hat. "Du thronst über den Lobgesängen Israels", heißt es im Psalm 22. Und natürlich mag er Feiertage, sonst hätte er sie ja nicht eingesetzt - und ich könnte mir vorstellen, dass ein Prophet in unseren Tagen einiges darüber zu sagen hätte, dass die Christen ihre Gottesdienste nicht mehr anständig feiern, dass sie ihre Versammlungen nicht mehr besuchen. Anstatt zu Ostern die Auferstehung des Herrn zu feiern, der den Tod besiegt hat, verstopfen sie lieber die Autobahnen. Anstatt ihr Leben vom Wort Gottes und von der Gemeinschaft prägen zu lassen, schlafen sie Sonntag morgen lieber aus und pflegen ein ausgeprägtes Frühstück. Nur eine ganz kleine Minderheit versammelt sich noch in den Kirchen. Das ist ein Armutszeugnis für unseren christlichen Glauben. Und ich fürchte, wenn der Islam sich weiter so ausbreitet, werden wir das noch bitter bereuen. Weil sie uns zu Recht verachten. Die Moslems verachten die Christen - weil sie das nicht leben, wozu sie berufen sind.

Amos ist nicht so zu verstehen, dass Gott die Gottesdienste abschaffen wollte. Sondern Gott sagt, wenn das alles ist, diese Stunde am Sonntagvormittag, und ihr schon am Montagmorgen wieder vergessen habt, wer ich bin und was ich will, dann kann ich darauf verzichten. Ihr sollt meine Kinder sein - das heißt, mein Geist soll in euch wirken! Euer ganzes Leben soll von mir durchdrungen sein. In eurem Alltag habt ihr die Berufung, Salz der Erde zu sein, ihr seid das Licht der Welt!

Früher bekam ich häufiger den Spruch zu hören: "Die, die jeden Sonntag zur Kirche laufen, sind auch nicht die besten". Jetzt hört man ihn seltener, er stammt noch aus der Zeit, in der es sich gehörte, am Sonntagmorgen zur Kirche zu gehen - und viele kamen eben nur, weil es sich so gehörte. Heute ist das ja nicht mehr so, wer heute zur Kirche geht, kommt nicht mehr, weil es sich so gehört, sondern weil er einen guten Grund dafür hat.

Aber im Ansatz greift dieser Spruch die Kritik des Amos auf. Der Gottesdienst allein tut es nicht, sondern worauf es ankommt, ist dass wir ein Leben führen, an dem Gott seine Freude hat. Der Gottesdienst in der Kirche ist dann das i-Tüpfelchen darauf oder auch die Tankstelle, die Oase auf dem Weg. Aber unser eigentlicher Gottesdienst ist unser Leben. Der eigentliche Gottesdienst beginnt Montag morgen. Und dann kommt es darauf an, wie wir uns verhalten - ob wir zu den Menschen freundlich sind, die andere übersehen, die Bedienung im Restaurant etwa oder die gestresste Kassiererin, oder der Busfahrer oder das kleine Kind - und da wo wir mit ihnen freundlich und liebevoll umgehen, da geschieht Gottesdienst.

Da wo wir uns weigern, den Tanz ums Goldene Kalb mitzumachen, wo wir treu spenden, vielleicht sogar unseren Zehnten geben, auch wenn die Menschen um uns herum den Hals nicht voll bekommen können, da geschieht Gottesdienst. Da wo wir Menschen im Gebet segnen, obwohl sie uns Unrecht angetan haben, geschieht Gottesdienst. Wenn wir es uns verkneifen, über andere zu lästern, auch wenn sonst alle mitmachen, das ist Gottesdienst. Dann sind wir Salz, dann sind wir Licht.

Wenn wir an der Kasse zuviel Wechselgeld bekommen und es nicht für uns behalten, sondern der Kassiererin zurückgeben, dann ist das Gottesdienst.

Und dann kann es tatsächlich passieren, dass wir gefragt werden, "Du bist so anders, was ist der Grund?" Und dann können wir verkündigen, dann können wir von Jesus erzählen und von dem was uns wichtig ist und innerlich erfüllt.

Das ist Gottes Vision für unser Leben - und natürlich weiß er, dass uns das nicht von heute auf morgen gelingt. Natürlich weiß er, dass wir Fehler machen.

Darum gehört auch das Kyrie eleison zum Gottesdienst, die Bitte um Gottes Erbarmen - genauso wie der Zuspruch der Vergebung: Gott hat sich deiner erbarmt und er hat Freude an dir, auch wenn dir nicht immer alles gelingt.

Es geht ja nicht darum, dass wir perfekt sein müssten, aber es geht darum, dass wir in der richtigen Richtung unterwegs sind, dass wir uns an der richtigen Stelle bemühen. Wenn wir das tun, ist er gnädig und barmherzig und nachsichtig mit unseren Fehlern.

Und er freut sich daran, mit uns Gemeinschaft zu haben im Gottesdienst, im Gebet, im Hören auf sein Wort und im Lobpreis.

Amen



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