Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über 1. Petrus 1, 13-21


Predigt über
1. Petrus 1, 13-21

 

Gehalten am 11. 03.2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

Konfigottesdienst Sonntag Okuli





Der Predigttext für heute hat es wirklich in sich. Man kann ihn fünfmal lesen und hat ihn immer noch nicht ganz verstanden - es steckt so viel darin, dass man eine ganze Predigtreihe darüber halten könnte. Andererseits lässt er sich auf einen ganz einfachen Nenner bringen. Petrus sagt: "Wenn du ein neues Leben mit Jesus begonnen hast, dann bleib auch dabei. Lass dich nicht dazu verführen, in die alten Gewohnheiten zurückzufallen"

Petrus schreibt seinen Brief an Menschen, die erst vor kurzem Christen geworden sind und nun erleben, dass es gar nicht so einfach ist, diesen neuen Glauben über eine längere Strecke zu bewahren. Nach der anfänglichen Euphorie braucht es einen ganz schön langen Atem, um durchzuhalten - dazu noch in einer Umgebung, die von Jesus gar nichts wissen will. Petrus schreibt ihnen, um sie zu ermutigen, und ich kann mir vorstellen, dass er dabei bestimmte Leute vor Augen gehabt hat. Mir jedenfalls geht es oft so beim Predigt schreiben, dass ich dabei an ganz bestimmte Personen denken muss - früher war ich dann immer ganz enttäuscht, wenn die an dem Sonntag nicht in der Kirche waren, aber mittlerweile habe ich die Erfahrung gemacht, dass, wenn die Predigt für einen passt, sich auch andere Menschen finden, die etwas damit anfangen können.

Wen könnte Petrus vor Augen gehabt haben? Stellen wir uns einen junge Mann vor, der in einer heidnischen Umgebung aufgewachsen ist. Er hat sein Leben lang ohne Gott gelebt, einfach weil er nichts von ihm wusste. Es gab niemanden, der ihm davon hätte erzählen können, alles was er kannte, war ein bisschen Aberglaube. Es ist ja oft so - da wo der Glaube verschwindet, macht sich der Aberglaube breit.

Für ihn war es ganz natürlich, einfach nur das zu tun, wozu er gerade Lust hatte. Er hat nach dem Motto gelebt: "Ich will alles und zwar sofort". Für ihn war es völlig natürlich, egoistisch zu sein, und in jeder Situation nach seinem eigenen Vorteil zu streben. Warum auch nicht? Das machen doch alle, und wenn nicht, haben sie selbst Schuld! Er hat ohne jede Hemmungen gelebt, hat gesoffen, Party gemacht, mit seinen Kumpels Wetten abgeschlossen, wer welche Frau als erster ins Bett bekommt und hielt sich für den genialsten Typen des ganzen Planeten.

Und dann kam die Krise. Irgendwann waren die Partys waren nicht mehr so spannend wie früher, alles wiederholte sich und wurde immer langweiliger, und auch das mit den vielen Frauen war nicht mehr so toll wie am Anfang. Immer häufiger fragte er sich, wozu er eigentlich lebte und was das alles soll und er fand keine befriedigende Antwort darauf. Um die Leere in seinem Inneren nicht spüren zu müssen, war er ständig betrunken und in seinen wenigen nüchternen Momenten wusste er genau: so geht das nicht weiter.

Eines Tages hat er dann Leute getroffen, die ihm von Jesus erzählt haben. Zuerst hat er sie ausgelacht und seine dummen Sprüche abgezogen. Aber irgendwie war er auch ein bisschen neidisch auf sie. Sie wirkten irgendwie zufrieden, so als wäre ihr Leben nicht so leer wie seins und er begann sich zu fragen, was ihr Geheimnis war. Was hatten sie, dass er nicht hatte? Was war dran an ihrem Gerede von Gott und Jesus?

Er begann sogar zu beten, weil diese Typen zu ihm gesagt haben, dass man das tun kann. "Du kannst einfach mit Gott reden, egal wo du bist, er hört dich", haben sie gesagt. Er fand das ziemlich abgefahren und kam sich auch reichlich blöd vor, als er es ausprobierte. Darum hat er auch niemandem von seinen Versuchen erzählt. Es hat auch nicht so recht funktioniert. Wenn die anderen vom Beten sprachen, dann klang es immer so, als würden sie sich mit Gott unterhalten. Wenn er es selbst probierte kam es ihm eher so vor, als würde er mit der Zimmerdecke reden.

Eines Tages hat er sich dann doch getraut und die Christen danach gefragt. "Was mache ich falsch? Ich habe probiert, mit eurem Gott zu reden, aber es hat nicht geklappt."

"Wahrscheinlich liegt das an deinen Sünden", haben sie geantwortet, "die trennen dich von Gott, so wie Wolken die Sonne verdunkeln. Die Sonne ist immer da, aber wenn dicke Wolken dazwischen sind, dann kannst du sie nicht sehen."

"Aber was soll ich tun? Wie werde ich meine Sünden denn los?"

"Der Herr Jesus hat schon am Kreuz dafür bezahlt. Alles was du tun musst, ist ihm deine Sünden zu bekennen und ihn zu bitten, dich zu befreien. Und wenn du es wirklich ernst meinst, dann lässt du dich taufen und wirst einer von uns."

Und der junge Mann hat es gewagt. Er hat sein altes Leben aufgegeben und sich taufen lassen. Sogar einen neuen Namen hat er angenommen. Er hieß seitdem "Johannes" - der Name bedeutet soviel wie "Gott hat sich meiner erbarmt".

Solche Leute hatte Petrus vor Augen, als er seinen Brief schrieb. Denen wollte er Mut machen. Er wollte ihnen sagen: Ihr seid auf dem richtigen Weg. Ihr habt es echt begriffen. Nun bleibt auch dran. Lasst euch nicht dazu verführen, in euer altes Leben zurückzufallen, von dem ihr euch doch losgesagt hat. Widersteht den Versuchungen, die unweigerlich kommen werden! Es lohnt sich!

Die Konfis haben in ihrem kleinen Anspiel (siehe unten) so schön dargestellt, wie Versuchung funktioniert. Ich konnte mich gut darin wiederfinden, denn ich versuche auch gerade, bis Ostern keinen Alkohol zu trinken und auf Süßigkeiten zu verzichten. Ehrlich gesagt: mit wechselndem Erfolg. Ich finde es wirklich nicht einfach, auf Süßes zu verzichten. Aber ich bleibe trotzdem dran, auch wenn ich manchmal schwach werde.

Nun ist das ja eher eine Kleinigkeit mit den Süßigkeiten - aber die Strukturen der Versuchung sind immer dieselben, ob es nun um kleine oder große Dinge geht. Versuchung funktioniert genauso, wie wir es eben gesehen haben, es ist so ein innerer Dialog - und wir müssen uns entscheiden, auf welche dieser Stimmen wir hören wollen.

Deswegen finde ich auch, dass das mit der Fastenzeit eine tolle Sache ist. Es ist sinnvoll, sich etwas zu suchen, auf das man bis Ostern verzichten will. Die Idee dahinter ist ja, dass uns der kleine Verzicht immer wieder an das große Opfer erinnern soll, das Jesus für uns gebracht hat. Das kleine bisschen Leiden, dass wir ertragen müssen, wenn wir auf etwas verzichten, erinnert uns an die großen Leiden, die Jesus auf sich genommen hat, um uns zu erlösen.

Solch ein Verzicht stärkt unseren Willensmuskel. Und der ist wichtig, um im Leben auf Kurs zu bleiben. Wie gesagt, auf Süßigkeiten zu verzichten, ist ja eher eine Kleinigkeit, aber wenn man es wirklich konsequent durchzieht, lernt man eine ganze Menge über sich selbst und darüber, wie Versuchung funktioniert. Man lernt Konsequenz. Man erkennt seine Schwachpunkte. Man lernt nein zu sagen. Man lernt, damit klar zukommen, anders zu handeln als andere. Man lernt, damit umzugehen, wenn man belächelt wird. Man lernt sich zu bekennen und zu sagen: "Ich habe mir das jetzt vorgenommen und ziehe das auch durch". Das ist ein hervorragendes Training. Und Training können wir wirklich brauchen, denn das was im heutigen Predigttext von uns verlangt wird, ist ziemlich heftig. Nehmen wir zum Beispiel Vers 15:

Ihr sollt leben wie Christus, der euch als seine Jünger berufen hat: Vorbildlich, ja heilig soll euer ganzes Leben sein. (1.Petrus 1,15)

Das ist ganz schön viel verlangt, findet ihr nicht? Aber Petrus meint das ernst!

Was heißt das überhaupt? Was heißt es, heilig zu sein?

Bedeutet das, einen hellen Schein um den Kopf zu haben und auf dem Wasser zu gehen? Nein!

Bedeutet es, merkwürdige Klamotten zu tragen und ein langweiliges Leben zu führen? Nein!

Bedeutet es, immer mit der Bibel unter dem Arm herumzulaufen und geschwollene Reden zu halten? Nein!

Heilig bedeutet vom Wort her erst einmal, dass etwas zu Gott gehört. Das können Gegenstände sein oder auch Menschen - heilig bedeutet einfach "für Gott ausgesondert". Heiliges Öl nimmt man nicht zum Kochen oder Backen sondern nur um etwas zu weihen. An einem heiligen Ort spielt man keinen Fußball, sondern wird still vor Gott.

Wenn also Petrus zu uns sagt: "Euer ganzes Leben soll heilig sein" dann bedeutet das: Ihr sollt Menschen sein, die zu Gott gehören. Menschen, die sagen: "Ich will auf Jesus hören. Ich will von ihm lernen. Ich möchte von seiner Liebe geprägt werden und nicht einfach nur das tun, was alle anderen machen."

Also: Christsein ist viel mehr als nur brav sein und sich jeden Tag die Zähne zu putzen. Es ist etwas ganz Radikales. Es bedeutet, dass sich ein Mensch mit Haut und Haaren Gott verschreibt. Dass einer sagt: ich stelle mich und mein Leben unter die Herrschaft Jesu. Was er sagt, das tue ich - und zwar deshalb, weil ich begriffen habe, dass er das Beste ist, was mir passieren kann. Jemand der sogar für mich in den Tod gegangen ist, wird nichts tun, um mir zu schaden. Ganz im Gegenteil.

Es kann sehr unterschiedlich aussehen, wie Menschen dieses Ja zur Jesus sagen.

Zu der Zeit, als der erste Petrusbrief geschrieben wurde, geschah das durch die Taufe. Die Menschen ließen sich taufen, um aller Welt zu zeigen, dass sie jetzt zu Jesus gehören.

In unserer Zeit, wo viele schon als Baby getauft werden, könnte es die Konfirmation sein - so war sie jedenfalls ursprünglich gedacht, als Gelegenheit, nachträglich bewusst Ja zur seiner Taufe zu sagen. Ihr seid bei eurer Konfirmation dazu eingeladen zu sagen: "Ja, ich stimme dem zu, was damals mit mir passiert ist. Ich will meine Taufe annehmen und wirklich mit Jesus leben, so gut ich kann."

Es ist auch eine gute Möglichkeit, zu einem Pastor oder Seelsorger zu gehen und mit ihm zusammen diesen Schritt zu gehen.

Und letztlich ist jedes Abendmahl, das wir feiern, nichts anderes als eine Einladung zum Leben mit Jesus. So wie das Brot und der Wein in meinen Körper hinein kommen, so soll Jesus in mein Leben hinein kommen und es mit seiner Liebe von innen heraus zu verändern. Wir sind heute eingeladen, auf diese Weise miteinander Abendmahl zu feiern.

Ich fasse zusammen: wer Jesus noch nicht als seinen persönlichen Herrn und Heiland angenommen hat, der sollte diesen Schritt unbedingt tun.

Und wer schon zu ihm ja gesagt hat, der soll dranbleiben. Der soll sich nicht zu Halbherzigkeitenverführen lassen und keine faulen Kompromisse eingehen, sondern ein Leben leben, an dem Jesus seine Freude hat.

Amen



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Selbstbeherrschung

Anspiel zum Konfi-Gottesdienst am 11.03.2012



Nomine und Chris treffen sich im Altarraum

Chris: Hallo!

Nomine: Hallo! Was hast du denn da?

Chris: Das sind Pralinen, die habe ich von meiner Oma bekommen!

Nomine: Die sehen aber lecker aus! (sabber...)

Chris: Ja, die sind auch echt lecker - willst du eine?

Nomine: Ich weiß nicht...

Cosmica, in weiß gekleidet, tritt von hinten an sie heran

Cosmica: Das willst du doch gar nicht! Du hast dir vorgenommen, bis Ostern keine Süßigkeiten zu essen, oder nicht? Und das hältst du jetzt auch durch!

Alexander, in schwarz gekleidet, stellt sich auf die andere Seite

Alexander: Ach was, einmal ist keinmal! So tierisch ernst muss man das mit der Fastenzeit nun auch nicht sehen. Iss ruhig. Das ist doch nicht so schlimm!

Cosmica: Nein, du isst nicht. Wenn du einmal nachgibst, dann ist der Damm gebrochen. Du kennst dich doch! Sei stark!

Alexander: Wie lecker die aussehen! Besonders die dunklen hier. Wahrscheinlich ist Chris beleidigt, wenn du seine Pralinen nicht einmal probierst. Und du als Christ willst doch niemanden beleidigen, oder? Es ist reine Nächstenliebe, sich jetzt eine Praline zu nehmen!

Nomine: Du hast recht!

Chris: Wie bitte? Also möchtest du jetzt eine oder nicht?

Nomine: Ja, das heißt nein...

Cosmica: "Gott hat uns einen Geist der Selbstbeherrschung gegeben" - also sei stark, du musst jetzt nicht essen! Schau mal auf dein Armband, was steht da`?"

Nomine: "WWJD - was würde Jesus duun"

Alexander: Jesus würde essen, um den anderen nicht zu beleidigen!

Cosmica: Jesus würde nicht essen, weil er sich selbst beherrschen kann!

Nomine: Du, weißt du was, Chris, deine Pralinen sehen echt total lecker aus - aber ich will trotzdem keine. Ich verzichte nämlich auf Süßigkeiten bis Ostern!

Chris: Echt? Das hältst du durch? Das finde ich cool! Viel Erfolg weiterhin!





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