Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Lukas 15 / "Lost"


Predigt über Lukas 15 / "Lost"

 

Gehalten am 18. 03.2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

GOLF zum Thema "Lost"


Die Idee für das heutige Thema entstand im Auto. Wir waren mit einigen Mitarbeitern auf der Rückfahrt vom Willow-Kongress in Stuttgart. Dort hatten wir eine fantastische Predigt einer australischen Pastorin gehört, die über die große Liebe Jesu zu den verlorenen Menschen gesprochen hatte. Sie bezog sich dabei auf die drei Gleichnisse, die in Lukas 15 stehen: das Gleichnis vom verlorenen Sohn, vom verlorenen Schaf und von der verlorenen Münze. Ihre Gedanken haben uns so bewegt, dass wir spontan gesagt haben: das wäre etwas für den Golf. Irgendeinem von uns fiel dann als Titel für den Golf spontan der Titel einer Fernsehserie ein: "Lost". Soweit so gut.

Das Problem ist nur: ich hatte die Serie noch nie gesehen und weil ich nicht gerne über Sachen predige, von denen ich keine Ahnung habe, dachte ich mir: diese Bildungslücke musst du schließen. Nun bin ich immer etwas vorsichtig mit Fernsehserien, manche davon halte ich keine fünf Minuten aus, wenn ihr versteht, was ich meine. Aber diese hier hat laut Wikipedia diverse Auszeichungen eingeheimst: einen Golden Globe, acht Emmys und "Beste Dramaserie des Jahres 2005". Also dachte ich, das könnte sich lohnen und habe ich mir die erste Staffel bei Amazon besorgt, mittlerweile gibt es sie auch schon gebraucht, es war also nicht die große Investition.

Ich muss sagen: die Serie ist wirklich gut gemacht. Es geht um die Überlebenden eines Flugzeugabsturzes. Der Flieger ist auf dem Weg von Australien nach Los Angeles gut 1000 Kilometer vom Kurs abgekommen und über einer einsamen Insel abgestürzt, so dass die Wahrscheinlichkeit für die Menschen, dort gefunden werden, mehr als gering ist. 46 Passagiere haben überlebt und richten sich auf dieser Insel häuslich ein, wobei sich schnell herausstellt, dass dort irgendetwas Unheimliches umgeht. In jeder Folge lernt man einen der Hauptdarsteller besser kennen, weil in Rückblenden erzählt wird, wie jeder einzelne überhaupt in das Flugzeug gekommen ist, welche Geschichte er mitbringt und warum er so ist, wie er ist.

Insofern bin ich ganz dankbar, durch die Vorbereitung auf den Gottesdienst diese Serie kennen gelernt zu haben. Da gibt es nur ein Problem: die erste Staffel hat so ein blödes Ende, dass ich sofort die zweite bestellt habe, weil wir unbedingt wissen mussten, wie es weitergeht.

Lost. Verloren. Abgestürzt auf einer einsamen Insel, abgeschnitten von der Zivilisation.

Obwohl - so ganz einfach ist das auch nicht. Zum Beispiel ist ein kleiner Junge mit unter den Überlebenden, der sagte: "Ich will hier gar nicht mehr weg. Mir gefällt es hier!". Es ist auch eine Strafgefangene dabei. Sie war auf dem Weg zu einer Gerichtsverhandlung und wäre im Gefängnis gelandet. Ihr Bewacher kam beim Absturz ums Leben. Nun ist sie frei.

Also: Was heißt es eigentlich, verloren zu sein?

Jesus erzählt das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der lässt sich vom Vater sein Erbe auszahlen und macht sich auf den Weg in die große weite Welt. Dort feiert er Party um Party - und wenn man ihn in dieser Zeit angesprochen hätte, hätte er bestimmt nicht gesagt, dass er verloren sei. Im Gegenteil - bestellt meinem Vater einen schönen Gruß, mir geht es gut, ich genieße das Leben!

Ähnlich ist es beim verlorenen Schaf. Das wollte nur das leckere grüne Gras auf der anderen Seite des Zaunes probieren. Es ist ja ein Naturgesetz: das Gras auf der anderen Seite ist immer grüner. Also lief es hin und hat davon gefressen. Und dann hat es noch schöneres Gras entdeckt und noch schöneres und dabei gar nicht gemerkt, dass seine Herde längst weitergezogen ist. In dieser Situation hätte es sich nicht für verloren gehalten. Wenn es sprechen könnte, hätte es gesagt: "Mir geht es gut, ich habe ich hier super saftiges Gras gefunden, mein Leben könnte gar nicht besser laufen!"

So geht es vielen Menschen auch. Auch sie würden sagen: Was soll denn sein, mein Leben läuft prima, ich habe alles was ich brauche, kein Problem. Mir fehlt nichts. Also was soll das Gerede vom verloren sein und vom Retter - das interessiert mich alles nicht!

In der Geschichte vom verlorenen Sohn ist es der Vater, der sich Sorgen macht und sich nach seinem Sohn sehnt und sich fragt, wie er wohl zurechtkommt - aber der Sohn ist mit Party beschäftigt und merkt nichts davon.

Beim verlorenen Schaf ist es der Hirte, der sich Sorgen macht. Er zählt seine Herde durch und merkt, dass eins fehlt. Er weiß, dass es in Gefahr ist, von wilden Tieren gefressen zu werden und bereitet alles für eine große Suchaktion vor. Aber das Schaf grast irgendwo friedlich und merkt von alledem nichts.

Bei den Menschen ist es Gott der Vater, der sich um seine Kinder sorgt. Er möchte Beziehung, er möchte Anteil haben an unserem Leben und uns dafür vorbereitet finden, die Ewigkeit mit ihm zu verbringen. Aber der Mensch ist mit so vielen Dingen beschäftigt, dass er nichts davon merkt.

Bei dem Sohn im Gleichnis kam der Umschwung, als das Geld zu Ende war. Auf wundersame Weise sind mit dem Geld auch all seine guten Freunde verschwunden, die vorher so gerne mit ihm gefeiert haben. Dummerweise kam gerade jetzt auch noch eine Wirtschaftskrise und so war der Sohn wirklich am Ende. Mit viel Bettelei schaffte es gerade eben noch, Schweinehirt zu werden. Ihr seid vom Land, ich muss euch nicht erzählen, wie es in einem Schweinestall stinken kann. Und aus lauter Verzweiflung und weil er nichts anderes hat, vergreift er sich an dem Schweinefutter und isst davon. Dann wird ihm klar: ich bin wirklich am Ende. Ich bin verloren. Wenn kein Wunder geschieht, dann gehe ich drauf.

Das Schaf, das auf der Suche nach immer grünerem Gras von der Herde weggelaufen ist, merkt plötzlich, dass es Abend geworden ist. Es blickt sich um und stellt fest, dass seine Herde nirgendwo zu sehen ist. Und es sagt: "määäh" - das heißt übersetzt: "Ich bin verloren. Ich brauche Hilfe. Jemand muss kommen und mich retten und wenn's geht, bitte noch, bevor die Wölfe mich finden!"

Was dem Menschen, der Gott den Rücken gekehrt hat, passieren muss, damit er begreift, in welcher Situation er ist, ist ganz unterschiedlich. Bei dem einen stellt sich vielleicht eine tiefe Sehnsucht nach Sinn ein, das Gefühl von "das kann einfach noch nicht alles gewesen sein, es muss doch mehr geben im Leben", bei dem anderen ist es eine Lebenskrise, eine Scheidung vielleicht, eine schwere Krankheit, der Tod eines nahestehenden Menschen, irgendetwas, das ihn aufschreckt.

Er wacht plötzlich auf und stellt fest: "Ich bin verloren. Wenn es Gott wirklich gibt, dann bin ich verloren. Ich habe mich nie um ihn gekümmert, hatte keine Zeit, keine Lust, keine Gelegenheit, was auch immer. Ich habe gelebt, als würde es ihn nicht geben und wenn es tatsächlich stimmt, dass wir am Ende vor seinem Richterstuhl stehen und darüber Rechenschaft ablegen müssen, was wir aus unserem Leben gemacht haben, dann bin ich verloren. "Thema verfehlt", wird es heißen.

Das Produkt ist nicht so geworden, wie es hätte werden sollen, es wird ins Feuer geworfen. Und das Schlimmste: ich kann nichts dagegen tun. Wie soll ich denn meine Fehler ungeschehen machen? wie soll ich denn meine verschwendete Lebenszeit wieder gut machen? Ich kann doch die Zeit nicht zurückdrehen!

Für diese Menschen erzählt Jesus seine Gleichnisse. Er erzählt von dem Hirten, der sich auf den Weg macht, um das verlorene Schaf zu suchen. Der sagt nicht: "Was soll's, ich habe ja noch 99 andere Schafe, ein Prozent Schwund ist betriebswirtschaftlich vertretbar", sondern er geht los und sucht es, bis er es gefunden hat, weil er weiß, dass es ohne ihn keine Chance hat.

Jesus erzählt, dass die Frau, die ihre Münze verloren hat, so lange sucht, bis sie sie gefunden hat. Dazu muss man wissen, dass es hier nicht einfach um irgendwelches Kleingeld geht, sondern um einen Teil ihres Brautschmucks. Der Verlust, den die Frau erlitten hat, ist vergleichbar damit, dass jemand seinen Ehering verliert. Darum macht sie sich solche Mühe. Sie stellt ihr ganzes Haus auf den Kopf, bis sie die verlorene Münze wieder gefunden hat und läuft anschließend zu ihren Nachbarinnen, um die freudige Nachricht mit ihnen zu teilen: "Stellt euch vor, ich hatte eine von meinen Brautmünzen verloren - aber nun ist sie wieder da. Gott sei dank!"

Jesus erzählt, dass der Sohn eines Tages beschließt, zum Vater zurückzukehren. Er hofft nicht darauf, dass ihm vergeben wird, alles was er will, ist als Tagelöhner bei ihm zu arbeiten. Aber als der Vater seinen Sohn kommen sieht, rennt er ihm mit offenen Armen entgegen. Obwohl dieser gerade aus dem Schweinestall kommt, nimmt er ihn in den Arm und weint vor Freude.

Das ist Gottes Liebe zu den Verlorenen!

Jesus weiß, wovon er redet, denn er ist derjenige, der in die Welt gekommen ist, um die Verlorenen zu retten. Ich gehe davon aus, dass er gewusst hat, was auf ihn zukommt.

Man muss es sich mal klar machen: Er war an dem schönsten Ort, den man sich überhaupt vorstellen kann. Er war beim Vater im Himmel. Er hat im Licht gelebt, umgeben von Engeln - man kann es mit Worten nicht beschreiben. Und das alles hat er aufgegeben - und was für ein armseliges Leben hat er dafür bekommen!

Er ist in einem schmutzigen Stall zur Welt gekommen. Na besten Dank. Er war der älteste Sohn eines einfachen Handwerkers. Wahrscheinlich ist der früh verstorben und Jesus musste sehen, wie er seine Familie über Wasser hält. Das war wirklich kein Luxusleben, dass er da geführt hat. Dann ist er einige Jahre durchs Land gezogen, hat gepredigt, hat Wunder getan und sich mit seinen begriffsstutzigen Jüngern herum geärgert, und zum Schluss hat man ihn aus lauter Eifersucht zum Tode verurteilt, hat ihn gefoltert und schließlich umgebracht.

Und all dies hat er nur aus einem einzigen Grund auf sich genommen: um die Menschen zu erlösen, die ohne ihn verloren wären. Die Menschen, die sich verlaufen haben, die den Kontakt zu Gott verloren haben, die sich in Sünden verstrickt haben, deren Leben in eine Sackgasse geraten ist - für die ist er gekommen.

Er sagte: "Ich bin der gute Hirte - und der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe!"

Vielleicht ist ja heute Morgen jemand hier, der sich in den Geschichten wieder finden kann. Vielleicht sagt jemand: diese Geschichte vom verlorenen Sohn, von dem verlorenen Schaf, von der verlorenen Münze, das ist meine Geschichte!

Derjenige darf die gute Nachricht hören: Jesus hat sich zu dir auf den Weg gemacht. Vielleicht hast Du sein Rufen ja schon längst gehört.

Antworte ihm! Sagt ihm: Hier bin ich, danke dass du mich gefunden hast. Ich will zu dir gehören, will dir folgen, will die Gemeinschaft mit dir kennen lernen.

Und die Schrift sagt, dort wo das passiert, wo ein Mensch von seinem Erlöser gefunden wird, da feiern die Engel im Himmel ein rauschendes Fest.

Diese Erfahrung der Errettung ist es, die uns in der Gemeinde Jesu Christi miteinander verbindet. Wir alle waren verlorene Schafe und wurden von dem guten Hirten gefunden und in die Herde gebracht. Wir wissen, wie sich das anfühlt.

Darum wird auch keiner auf den anderen von oben herab sehen, weil der sich ein bisschen anders benimmt oder weil der vielleicht bunte Haare hat oder sonst irgendwie anders ist als andere, sondern wird sich freuen, über jeden, der neu dazu kommt.

Und mehr noch, wer den Hirten kennengelernt hat, der lässt sich anstecken von der Retterliebe Jesu, der wird für verlorene Menschen beten und wird das seine dazu tun, dass sie auch gefunden werden. Das nämlich ist unser Auftrag.

Amen

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