Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über 1. Samuel 2, 1-2.6-8a


Predigt über 1. Samuel 2, 1-2.6-8a

 

Gehalten am 08.04.2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

Ostersonntag


Der Herr ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden!

Ich finde es schön, dass wir uns heute morgen so früh versammeln, um diese Botschaft zu hören. Die Zeit vor Sonnenaufgang ist ja etwas ganz besonderes. Die Luft ist noch ganz frisch, die Finsternis der Nacht beginnt zu weichen und der neue Tag wird vom vielstimmigen Chor der Vögel jubelnd begrüßt.

So ähnlich muss es auch am ersten Ostertag gewesen sein, als die Frauen sich auf den Weg zum Grab gemacht haben. Nur da hatten sie bestimmt keinen Sinn für die Schönheit der Natur. Für sie war es noch nicht Ostern. Sie wussten noch nichts von der Auferstehung, für sie lag Jesus noch im Grab und ihnen stand die traurige Pflicht bevor, seinen zerschundenen Leichnam zu waschen und zu salben. Am Tag, als er starb, reichte die Zeit nicht mehr dafür, denn der Feiertag brach an, an dem nicht gearbeitet werden durfte. So hat man ihn nur notdürftig in Leinentücher gewickelt und ins Grab gelegt. Also haben sie sich jetzt auf den Weg gemacht, um so bald wie möglich nachzuholen, was zu tun war.

So wie diesen Frauen geht es vielen Menschen. Sie leben noch in der Zeit vor Ostern. Jesus hat zwar längst den Tod besiegt, aber die Botschaft ist noch nicht bei ihnen angekommen. Natürlich wissen sie davon, sie haben mal davon gehört, haben im Konfirmandenunterricht und in der Schule gelernt, dass Ostern das Fest der Auferstehung ist, aber es hat sie nicht wirklich erreicht.

Und auch den Jüngern ging es nicht anders. Jesus hat zwar vor seiner Gefangennahme mit ihnen mehrfach darüber gesprochen, dass er leiden, sterben und am dritten Tage von den Toten auferstehen würde - aber es hat sie nicht erreicht. Sie konnten es nicht glauben, sie wollten es nicht hören, weil sie nichts davon wissen wollten, dass ihr Meister sie verlässt. Und als es dann passiert war, war der Schock, ihn am Kreuz zu sehen, so stark und die Realität des Todes für sie so übermächtig, dass sie an nichts anderes mehr denken konnten.

Die Auferstehung Jesu von den Toten hat diese Welt grundlegend verändert. Sie hat sie aufgeteilt in die Zeit vor der Auferstehung und die Zeit danach.

In der Schule habe ich mal gelernt, dass ein naturwissenschaftliches Gesetz nur so lange gilt, bis ein Gegenbeweis existiert. Ein einziges Beispiel reicht aus, um ein Gesetz zu entkräften.

In der Zeit vor Ostern galt das Gesetz "wer tot ist tot"; wer gestorben ist, der ist ein für allemal abgetreten von der Bühne dieser Welt, mit dem ist nicht mehr zu rechnen. Er lebt zwar noch in der Erinnerung weiter, in den Herzen derer, denen er was bedeutet hat, aber er nimmt nicht mehr aktiv am Leben teil. Dieses Gesetz ist seit Ostern widerlegt. Einer ist von den Toten auferstanden. Und wenn das einmal geschehen konnte, kann keiner dafür garantieren, dass es nicht wieder geschieht.

Es ist so ähnlich wie in dem Witz vom Taxifahrer. Ein Mann steigt in ein Taxi, nennt sein Fahrtziel, der Fahrer fährt los. Der Mann sitzt hinten, liest seine Zeitung, dann fällt ihm plötzlich ein, dass er noch an eine andere Stelle muss, also tippt er dem Taxifahrer von hinten auf die Schulter, um ihm das zu sagen.

Der bekommt einen furchtbaren Schreck, verreißt das Steuer, das Auto kommt ins Schlingern, er kann es gerade noch so abfangen. "Tun sie das bitte nie wieder!", sagt er zu dem Fahrgast. Der versteht das nicht. "Wieso sind Sie denn so schreckhaft? Ich habe sie doch nur auf die Schulter getippt, das müssten Sie doch gewohnt sein!" "Naja, sie können das ja nicht wissen. Heute ist mein erster Tag als Taxifahrer. Davor habe ich 20 Jahre lang einen Leichenwagen gefahren!"

Die Auferstehung Jesus krempelt unsere Realitäten einfach um. Sie ist zu tiefst respektlos, weil sie die letzte Grenze, die uns Menschen gesetzt ist, einfach nicht ernst nimmt.

Als meine Kinder noch klein waren, habe ich mit ihnen manchmal ein Spiel gespielt - darin habe ich sie gefangengenommen und in ein Gefängnis gesperrt, zB unter ein Bett gesteckt und mich dann davor gesetzt und den Eingang bewacht. Sie sind dann einfach auf der anderen Seite wieder hervorgekrabbelt und haben mich ausgelacht. So ähnlich ist das mit der Auferstehung auch.

Man muss sich diese Situation einmal klar machen: Da ist ein Mann rechtskräftig zum Tode verurteilt worden - zugegebenermaßen nach einem nicht so ganz fairen Prozess, aber wie auch immer, er ist zum Tod am Kreuz verurteilt worden, ist ordnungsgemäß gestorben, die Akten waren geschlossen - und dann kommt er einfach wieder! Das ist Missachtung der Staatsgewalt! Das ist Missachtung der Naturgesetze und der Gesetze von Tod und Leben! Wo kämen wir da hin, wenn das jeder täte? Dann hätten ja die Gewaltherrscher dieser Welt gar keine Macht mehr!

Womit sollen die Tyrannen denn noch Druck ausüben, wenn die Menschen keine Angst mehr vor dem Tod haben? Und in der Tat ist der christliche Glaube den absolutistischen Herrschern dieser Welt schon immer ein Dorn im Auge gewesen.

Wer predigt, dass man Gott mehr gehorchen soll als den Menschen und sich von dieser Überzeugung weder durch Geld noch durch Gewalt abbringen lässt, der ist gefährlich, der muss gestoppt werden. Denn solche Predigt will man nicht hören, man will doch gar nicht hören, dass es einen Gott gibt, der über uns steht, dass es ein Gericht geben wird, in dem der Mensch Rechenschaft abzulegen hat für all das was er in seinem Leben getan oder auch gelassen hat - ganz egal ob einer Generaldirektor oder Hartz4-Empfänger, Ministerpräsidentin oder Putzfrau war. Ein Skandal ist das!

Aber es passt zu Jesus und der Art wie er gelebt hat. Der ist ja von Anfang an respektlos vor der menschlichen Ordnung gewesen. Was ist denn das für ein König, der im Stall geboren wird und sich von einfachen Hirten huldigen lässt, anstatt standesgemäß in einem Palast zur Welt zu kommen und die oberen 10.000 zu Gast zu haben? Dann ist er als Lehrer aufgetreten, ohne zuvor eine anständige akademische Laufbahn einzuschlagen, hat die bedeutenden Gelehrten seiner Zeit einfach ignoriert und ist stattdessen Handwerker geworden. Und auch seine Jünger waren einfache, ungebildete Kerle.

Sogar Frauen hatte er in seinem Gefolge, dabei wusste doch damals jeder, dass das Wort einer Frau nichts gilt. Böse Zungen sagen ja, dass Jesus zuerst den Frauen erschienen ist, weil er wollte, dass sich die Nachricht seiner Auferstehung schnell verbreitet. Aber tatsächlich war es so, dass die Aussage einer Frau nicht zählte. Darum wurden sie auch vor Gericht nicht als Zeugen zugelassen.

Vielleicht ist es ihnen bei der Epistellesung vorhin aufgefallen. Als erster Zeuge der Auferstehung wird da Petrus benannt. Die Frauen, die ihn zuerst gesehen haben, werden einfach ignoriert. So war das damals.

Aber Jesus hat das anders gesehen. Wie selbstverständlich hatte er Frauen in seinem Gefolge und ist ihnen zuerst erschienen, so als wolle er ihre Bedeutung aufwerten. So war er: Rebellisch, respektlos gegen die herrschenden Sitten - und genau deswegen finde ich ihn so faszinierend.

Seinen Protest der Liebe gegen lieblose Ordnungen. Den Protest Gottes gegen die Unmenschlichkeit und Gottlosigkeit der Menschen. Den Protest des Lebens gegen den Tod. Und das Schönste ist, dass es ein Happy End gibt, dass dieser Protest am Ende erfolgreich war, dass der Tod besiegt ist!

In die gleiche Richtung geht auch der Predigttext, der für heute vorgesehen ist. Merkwürdigerweise steht er im Alten Testament und handelt von einer Begebenheit, die sich über 1000 Jahre vor Christi Geburt zugetragen hat. Dennoch atmet er den Geist von Ostern und weiß von einem Gott zu berichten, der stärker ist als alle Realitäten dieser Welt. Ich lese uns den Lobgesang Hannas:

Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.(....)

Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. Er hebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt. (1. Samuel 2, 1-2.6-8a)


Man könnte sich fast vorstellen, dass Jesus bei seiner Auferstehung dieses Jubellied auf den Lippen gehabt hat. Hanna spricht prophetische Worte. Sie spricht eine Wahrheit aus, die zeitlos ist. Und darum lebt sie in einer österlichen Welt, auch wenn Jesu Auferstehung noch 1000 Jahre hin ist. Für Gott spielt Zeit nicht die gleiche Rolle wie für uns. Ob etwas in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegt, ist bei ihm nicht so wichtig. Er ist der Herr der Zeit.

Weil es bei uns Menschen anders ist, möchte ich etwas zu dem Hintergrund des Predigttextes erzählen, damit wir verstehen können wie es dazu kam, dass diese Frau in einen Lobgesang ausbricht.

Ursprünglich ging es ihr nämlich gar nicht gut. Sie war verheiratet mit einem Mann namens Elkana, der sie zwar lieb hatte, wie er immer wieder betonte, der aber nebenbei noch mit einer anderen Frau verheiratet war. Damals ging das offensichtlich, aber es war keine glückliche Lösung und Hanna hat sehr darunter gelitten, zumal die andere Frau ihres Mannes, mit Namen Peninna, ihr das Leben so schwer wie möglich gemacht hat. Hinzu kam noch der unglückliche Umstand, dass Hanna keine Kinder bekommen konnte, die andere Frau aber schon. Das tat richtig weh.

Besonders schlimm war das bei den Familienfesten. Einmal im Jahr zog man zum Heiligtum nach Silo, brachte dort Gott ein Opfer dar und feierte ein großes Fest. Und bei solchen Gelegenheiten rieb Peninna nach Kräften Salz in die Wunden der Hannah und stichelte wo sie nur konnte. Elkana war kein großer Trost in dieser Situation, einfühlsam wie nur Männer es sein können, meinte er zu ihr: "Stell dich doch nicht so an - bin ich dir denn nicht mehr wert als 10 Söhne?"

Nun war Hanna eine gläubige Frau. Das Gebet war ihre geheime Kraftquelle. Und so verließ sie die Familienfeier, ging in den Gottesdienstraum, warf sich nieder vor Gott, und sagte ihm alles, was sie bedrückt, sie weinte und betete, stundenlang.

Das dürfen wir auch tun. Ich weiß nicht, was Sie heute morgen belastet, was Sie mit sich herumschleppen - aber ich darf Sie einladen, das vor Gott abzulegen. Wir müssen nicht immer mit der fröhlichen Fassade herumlaufen, es ist keine Schande, traurig und belastet zu sein - auch am Ostermorgen, wenn alles so fröhlich ist und das eigene Herz so schwer, weil liebe Menschen krank sind, weil uns Sorgen über die Zukunft drücken oder was auch immer. Wir dürfen damit zum Herrn kommen. Wir dürfen vor ihm weinen und ihm das sagen, was uns belastet - so wie Hanna das getan hat. Denn das tut gut. Und es ist auch ganz egal, was andere dazu sagen, ob manche vielleicht darüber den Kopf schütteln. Der alte Eli, der Oberpriester des Heiligtums war, hatte auch nicht sonderlich viel Verständnis. Er dachte, die Frau ist betrunken, weil sie da so lange in der Kirche bleibt und er faltete sie zusammen.

Aber sie war nicht betrunken, sie hat vor Gott ihrem Herzen Luft gemacht und der hat ihr Gebet erhört, denn schon bald darauf merkte sie, dass sie schwanger ist. Nicht allein vom Heiligen Geist wie bei Maria und Josef - Elkana hat schon seinen Teil dazu beigetragen. Aber dennoch war es ein Wunder und ein Geschenk Gottes und Hanna stimmt ihren Lobgesang an:

Mein Herz ist fröhlich in dem HERRN, mein Haupt ist erhöht in dem HERRN. Mein Mund hat sich weit aufgetan wider meine Feinde, denn ich freue mich deines Heils. Es ist niemand heilig wie der HERR, außer dir ist keiner, und ist kein Fels, wie unser Gott ist.(....)

Der HERR tötet und macht lebendig, führt hinab zu den Toten und wieder herauf. Der HERR macht arm und macht reich; er erniedrigt und erhöht. Erhebt auf den Dürftigen aus dem Staub und erhöht den Armen aus der Asche, dass er ihn setze unter die Fürsten und den Thron der Ehre erben lasse. Denn der Welt Grundfesten sind des HERRN, und er hat die Erde darauf gesetzt.


So ist Gott. Für ihn ist kein Ding unmöglich. Er hat keinen Respekt vor den Ordnungen, die die Menschen sich selbst gegeben haben, denn er ist der Herr. Und wenn er Leben schenken will, dann schenkt er Leben, ob wir das für möglich halten oder nicht. Gott ist nicht durch das begrenzt, was uns möglich erscheint.

Er kann Wunder tun. Er kann der Unfruchtbaren Kinder schenken, er kann den Ungläubigen bekehren, er kann den unheilbar Kranken doch heilen, er kann den Trauernden neue Kraft geben und er kann am Ende alle seine Kinder von den Toten auferwecken. Er ist der Herr.

Und die gute Nachricht ist die, dass dieser Herr es gut mit uns meint. Er will, dass wir leben. Darum ist er Mensch geworden. Darum hat er die Sünde der ganzen Welt ans Kreuz getragen. Darum ist er hinabgestiegen in das Reich des Todes und am dritten Tage auferstanden von den Toten: damit wir das Leben haben!

Siehe, sagt Jesus, ich lebe - und ihr sollt auch leben.

Halleluja!

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