Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Kolosser 2,12-15


Predigt über Kolosser 2,12-15

 

Gehalten am 15.04.2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

Quasimodogeniti


Es gab in den letzten Tagen eine heftige Diskussion über eine Gruppe Islamisten, die in den Fußgängerzonen großer Städte begonnen haben, kostenlos den Koran unter die Menschen zu verteilen. Ich fand die Aktion nicht besonders überraschend und denke, dass das erst der Anfang ist, dass wir uns darauf einstellen müssen, in der Zukunft mehr und mehr mit dem Islam konfrontiert zu werden. Die beste Vorbereitung dafür ist es, sich gut in der Bibel auszukennen und fest in Christus verwurzelt zu sein. Nur so ist der viel beschworene Dialog ja überhaupt möglich - ein Dialog setzt voraus, dass beide Seiten wissen, wovon sie reden.

Wenn ich das Christentum und den Islam jeweils mit nur einem Wort kennzeichnen sollte, dann würde ich für den Islam das Wörtchen "Tu!" wählen. Halte dich an die Regeln, bete 5x am Tag gen Mekka, halte den Rammadan, gib Almosen, mache deine Wallfahrt, bemühe dich aufrichtig und wenn er will, dann wird Allah dir gnädig sein.

Das zentrale Wort im christlichen Glauben hingegen lautet: "Getan!" Jesus hat alles getan, was nötig war. Er hat am Kreuz für unsere Sünden bezahlt. Er hat die Tür zur Ewigkeit geöffnet. Ihm kannst du vertrauen. Was er getan hat, ist viel wichtiger als das, was wir tun. Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch den heutigen Predigttext.

Paulus schreibt an die Christen in Kolossä - einer mittlerweile untergegangenen Stadt in der heutigen Türkei:

Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe; mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten. Und er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, und hat uns vergeben alle Sünden. Er hat den Schuldbrief getilgt, der mit seinen Forderungen gegen uns war, und hat ihn weggetan und an das Kreuz geheftet. Er hat die Mächte und Gewalten ihrer Macht entkleidet und sie öffentlich zur Schau gestellt und hat einen Triumph aus ihnen gemacht in Christus. (Kolosser 2,12-15)

Er hat's getan. Paulus überschlägt sich fast bei dem Versuch, die Taten Gottes zu rühmen. Er hat uns lebendig gemacht, er hat den Schuldbrief der Sünden getilgt, er hat die Mächte und Gewalten besiegt - und das alles durch das, was Jesus getan hat.

Wir haben es Ostersonntag gehört: mit der Auferstehung Jesu ist etwas völlig Neues in unsere Welt hinein gekommen. Es ist schon richtig, dass wir mit ihm eine neue Zeitrechnung beginnen lassen.

Andrerseits schreiben wir mittlerweile das Jahr 2012. Jesu Leben, sein Tod und seine Auferstehung liegen in weiter Vergangenheit und so stellt sich natürlich schon die Frage, was das mit dem modernen Menschen von heute zu tun haben könnte. Anders gefragt: was geht es mich an, was nützt es mir? Wie bekomme ich Anteil an dem, was er getan hat?

"Durch die Taufe", sagt Paulus.

Das ist wieder etwas, das wir nicht selbst tun können, sondern das an uns getan wird: Wir werden getauft.

Natürlich hat Paulus nicht die Praxis unserer heutigen Babytaufe vor Augen gehabt. Die war zu seiner Zeit nicht üblich. Nichts gegen die Babytaufe - das Schöne daran ist, dass uns genau dies vor Augen geführt wird: es ist nicht wichtig, was wir tun, sondern was Gott tut. Das Baby kann noch gar nichts selber tun, es kann nur empfangen. Und so können auch wir nur entgegen nehmen, was Gott uns schenkt. Selbst der Glaube ist sein Geschenk.

Die Gefahr der Babytaufe besteht allerdings darin, dass sie magisch verstanden wird: das Kind bekommt ein paar Handvoll Wasser auf den Kopf und simsalabim ist es gerettet, alles ist passiert, wir brauchen uns um nichts mehr kümmern. So aber ist es nie gemeint gewesen. Wenn Paulus von der Taufe spricht, dann meint er die bewusste Entscheidung eines Mensch für Christus, die mit dem Akt der Taufe besiegelt wird.

Die Menschen, an die er schreibt, haben eine Entscheidung getroffen. Sie haben sich dazu entschlossen, ihr altes Ich loszuwerden. Sie haben gesagt: ich will ein neuer Mensch werden. Ich will mein altes, fleischliches Wesen loswerden. Meinen Egoismus, meine Gottlosigkeit, meine Trägheit, meine Inkonsequenz, meinen Aberglauben, meine Lieblosigkeit, all das soll nicht mehr zu mir gehören. Aber wie mache ich das? Wie kann ich mich von mir selbst befreien? Am Ende lande ich doch immer wieder bei mir?

Sie haben die Antwort bei Christus gefunden, der für sie gestorben und auferstanden ist. Jesus Christus, der uns einen bemerkenswerten Deal anbietet, das verrückteste Geschäft des Universums. Und das lautet so: "Du gibst mir deine Sünden - und ich gebe dir das ewige Leben dafür." Das ist ein großartiges Angebot!

Wer es annimmt, lässt es durch die Taufe besiegeln. Und diese Taufe ist ein symbolisches Ertränken. Deswegen taufe ich so gerne im Havetofter See, wo ich die Konfirmanden ganz unter Wasser drücke. Denn da wird dieser Aspekt unmittelbar deutlich.

Und so ist es auch zu verstehen, wenn Paulus hier schreibt: "Mit Christus seid ihr begraben worden durch die Taufe"

Drastischer kann man das wohl kaum ausdrücken. Wenn du zu Jesus gehörst, dann bist du begraben. Tot, Deckel zu, Erde drüber, fertig.

Das hat seine Vorteile. Wer tot ist, kann nicht mehr in Versuchung geführt werden. Wer tot ist, kann auch nicht mehr für irgendetwas verklagt werden. Von Martin Luther erzählt man, dass der Teufel einst an seine Tür geklopft hat: "Wohnt hier Martin Luther?" Und Luther hat geantwortet: "Nein, der Luther ist tot. Hier wohnt jetzt Jesus Christus" daraufhin hat der Teufel den Schwanz eingezogen und ist verschwunden. Wer tot ist, kann nicht mehr angegriffen werden. Wer tot ist, muss niemandem mehr gehorchen und braucht sich um nichts zu kümmern.

Allerdings hat das Tot sein auch Nachteile: wer tot ist, nimmt nicht mehr am Leben teil, der hat keine Kontakte, keine Gespräche mehr. Darum geht der Satz weiter:

"mit ihm seid ihr auch auferstanden durch den Glauben aus der Kraft Gottes, der ihn auferweckt hat von den Toten."

So wie Jesus den Tod durchgestanden hat, so bedeutet es auch für uns nicht das Ende, wenn wir ihm unser Leben geben. Sondern die gleiche Kraft, die Jesus aus dem Grab geholt hat, wird auch in unserem Leben aktiv! Dass muss man sich mal vorstellen! Aber genau darum geht es im Glauben. Das Entscheidende ist nicht, ob wir bestimmte Dinge für wahr halten oder nicht, ob wir an die Jungfrauengeburt und die 7 Tage der Schöpfung glauben oder nicht, sondern dass die Kraft Gottes durch unser Leben fließt! Wer das erlebt, der weiß, dass man sich kaum lebendiger fühlen kann.

Deswegen heißt es hier: "Er hat euch mit ihm lebendig gemacht, die ihr tot wart in den Sünden"

Im Neuen Testament finden wir eine Sicht von Leben und Tod, die sich von unserem Alltag deutlich unterscheidet. Normalerweise halten wir jemanden für lebendig, der atmet und umherläuft - und jemanden für tot, der nicht mehr atmet und regungslos daliegt.

Jesus sieht das anders. In seinen Augen ist jemand lebendig, der mit Gott versöhnt ist - ob er noch atmet oder nicht. Und für ihn ist jemand tot, der von Gott nichts wissen will - auch wenn er noch quicklebendig durch die Gegend läuft.

Es ist so ähnlich wie bei einer Schnittblume. Sie sieht noch schön und lebendig aus, aber wenn sie von ihrer Wurzel getrennt ist, dann ist sie tot. Ihr bleiben noch ein paar Tage, dann verwelkt sie und wird irgendwann weggeworfen. Dagegen kann eine Blume draußen in der Natur verblüht und welk aussehen, aber in Wirklichkeit sammelt sie schon die Kraft für die nächste Blüte. Das Sein ist wichtig, nicht der Schein.

So ist das mit unserem Leben auch. Im Vergleich zur Ewigkeit sind die paar Jahre auf diesem Planeten nur ein kurzer Augenblick. Darum ist nichts in diesem Leben so wichtig wie die Frage, ob wir mit Gott versöhnt sind, ob wir Vergebung unserer Sünden haben, ob Christus unser Herr und Heiland ist, denn darin finden wir das Leben. Ein erfülltes Leben im Diesseits und das ewige Leben im Jenseits.



Heute ist der Jahrestag eines schrecklichen Unglücks. Vor genau 100 Jahren, am 15. April 1912, ist die Titanic gesunken und es sind dabei über 1500 Menschen ums Leben gekommen.

Sie war seinerzeit das größte und luxuriöseste Passagierschiff der Welt. Gebaut nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft. Praktisch unsinkbar. Darum gab es auch zu wenig Rettungsboote auf dem Schiff. Man wollte die Passagiere nicht verunsichern und die Aussicht auf dem Promenadendeck nicht verbauen. Man vertraute der Technik und dem menschlichen Erfindungsgeist. An Bord war alles vom Feinsten und man hatte sogar Funk, man war in der Lage drahtlos zu kommunizieren. Eine Sensation damals. Allerdings war der Funker an Bord schwer damit beschäftigt, die Telegramme der Passagiere zu übermitteln, er hatte keine Zeit, auch noch die Eiswarnungen weiterzugeben, die er von allen Seiten bekam.

Die eigentliche Tragik aber ist, dass nicht einmal die wenigen Plätze auf den Rettungsbooten richtig ausgenutzt worden sind. Viele Passagiere weigerten sich, in die Boote zu klettern, weil sie glaubten, auf der angeschlagenen Titanic sicherer zu sein als auf den kleinen wackeligen Rettungsbooten. Sie dachten, so schlimm wird es doch wohl nicht sein. Schließlich spielt die Bordkapelle noch. Und eine Schwimmweste zur Abendgarderobe, wie sieht das denn aus!

Der Untergang der Titanic ist zur Vorlage etlicher Romane und Filme geworden - wahrscheinlich deswegen, weil soviel Symbolik darin steckt.

Die Titanic als Symbol für diese Welt. Für den Menschen, der sich mit seinen technischen und wissenschaftlichen Erfolgen so groß vorkommt, dass meint, auf Gott verzichten zu können. Der so beschäftigt ist mit weltlichen Dingen, dass er darüber das wirklich Wichtige vernachlässigt. Und der die Chance, gerettet zu werden, einfach vertut, weil er es nicht glaubt. Er glaubt weder, dass er untergehen wird, noch dass er gerettet werden kann.

Genau das aber ist die Botschaft der Bibel: diese Welt wird untergehen, diese Welt ist endlich und Gott bietet uns Rettung an. Sein eigener Sohn hat bei dieser Rettungsaktion sein Leben geopfert - und nun ist es an uns, ob wir diese Chance dankbar annehmen und in das Rettungsboot steigen oder ob wir sagen: "Ach nein, eine Schwimmweste zum Abendkleid, wie sieht das denn aus ..."

Wer Christus hat, der hat das Leben. Wer hier mit ihm stirbt, wird dort ewig mit ihm leben. Wer hier mit ihm stirbt, der wird schon jetzt Gottes Kraft in seinem Leben erfahren.

Wir haben gehört: der Glaube ist ein Geschenk Gottes. Aber er drängt uns dieses Geschenk nicht auf. Er hält es uns hin - und es ist unsere Entscheidung, ob wir es annehmen. Er öffnet eine Tür - und es ist unsere Entscheidung, ob wir hindurch gehen.

Wenn das tun, ist es wichtig an dieser Entscheidung auch festzuhalten. Denn leider ist es nicht so einfach, unseren alten Menschen in der Taufe zu ersäufen. Der kann nämlich schwimmen und setzt alles daran, nicht mit Christus zu sterben, sondern am Leben zu bleiben.

Deswegen ist es auch nicht mit einem einmaligen Akt getan. Das wäre schön, einmal taufen, einmal Christus annehmen und Ruhe haben für den Rest des Lebens. Aber so ist es nicht gemeint. Die Taufe ist nicht das Ende, sondern sie ist ein Anfang. Sie ist der erste und entscheidende Schritt ins neue Leben. Darum lasst euch bitte nicht entmutigen, wenn der alte Mensch in uns immer wieder durchbricht. Und lasst euch nicht dazu verleiten, nun doch wieder mit eigener Kraft zu kämpfen, sondern es geht darum, dass wir das, was mit unserer Taufe besiegelt wurde, immer wieder neu ergreifen. Er hat es getan, Jesus hat alles getan, wir müssen uns das Heil nicht erarbeiten! Wir müssen es nur ergreifen. Zum Beispiel so, dass wir es bewusst aussprechen:

"Ich gebe mein altes Ich in den Tod. Ich bin mit Christus begraben. Er hat meine Sünden getilgt. Durch seine Auferstehungskraft lebe ich - heute und in Ewigkeit."

Amen. Zum Seitenanfang

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