Kirchengemeinde Havetoft - Predigt über Jeremia 23, 16-29


Predigt über Jeremia 23, 16-29

 

Gehalten am 10.06. 2012 von Pastor Jörg Arndt, Havetoft

1. Sonntag n. Trinitatis


Mit der Religion und dem Glauben ist es schon eine eigenartige Sache. Es steckt unglaublich tief drin im Menschen; in allen Kulturen und zu allen Zeiten findet sich Religion in irgendeiner Form.

Von der Bibel her deute ich dieses Phänomen so, dass Gott uns als seine Gegenüber erschaffen hat, als seine Kommunikationspartner. Darum steckt in uns dieses Bedürfnis nach Umgang mit einer Höheren Macht - bei dem einen ist es stärker ausgeprägt, bei dem anderen weniger. Und weil jedes Bedürfnis nach Befriedigung verlangt, haben sich die Religionen entwickelt - von den kultischen Malereien der Steinzeit angefangen bis hin zu den modernen Abarten wie Scientology oder der Esoterik.

Religion ist überdies auch ein sehr interessanter Markt. Wenn man es richtig anstellt, kann man Millionen damit verdienen. Etwa 20 Milliarden Euro werden allein in Deutschland pro Jahr umgesetzt für Hellseher und Astrologen, geistige Heiler, Hexen, Magier, esoterische Kurse und Bücher. Und weil man es in diesem Gebiet selten mit beweisbaren Dingen zu tun hat, braucht man nur überzeugend genug auftreten, um seine Angebote an den Mann oder die Frau zu bringen. Der Hunger ist einfach da - was vielleicht auch mit dem Zustand unserer Kirche zusammenhängt, die für viele Mensch nicht besonders attraktiv ist.

Praktischerweise ist unsere Zeit sehr stark vom Toleranzgedanken geprägt, mit dem sich jede Kritik im Vorfeld ersticken lässt. Das hängt damit zusammen, dass sich die Bedeutung des Toleranzbegriffes in den letzten Jahrzehnten verschoben hat. Ursprünglich bedeutete Toleranz, dass jeder Mensch das Recht hat, zu glauben, was er möchte und darüber auch frei seine Meinung zu äußern. Das ist zweifellos eine gute Sache.

Doch heute wird Toleranz oftmals so verstanden, dass es kein Richtig und Falsch mehr gibt. Wer von einem anderen Glauben sagt, dass dieser falsch sei, wird als intolerant verschrieen. Besonders die Esoteriker sind Weltmeister darin. "Wie kannst du sagen, dass unser Weg falsch ist, das ist intolerant - für dich ist vielleicht ein anderer Weg richtig, aber für andere Menschen kann etwas anderes richtig sein".

Das klingt ganz toll, aber die Frage nach der Wahrheit wird damit einfach umgangen. Alles ist irgendwie ein bisschen wahr, keiner hat das Recht, einem anderen das Geschäft zu vermiesen, indem er etwa sagt: "Dass was ihr da über Ufos, das versunkene Atlantis und heilende Edelsteine erzählt, ist dummes Zeug."

Interessanterweise gab es auch schon in biblischen Zeiten einen heiß umkämpften religiösen Markt. Der heutige Predigttext malt uns das ganz plastisch vor Augen. Dabei führt er uns weit in der Geschichte zurück, etwa in das Jahr 600 vor Christus. Die Menschen damals haben ein einfaches Leben geführt, hatten kaum Bildung - dafür war einfach keine Zeit. Sie hatten genug damit zu tun, zu überleben. Lesen und Schreiben war etwas für Gebildete. Das einfache Volk hat sich damit nicht abgegeben. Sie konnten sich ohnehin keine Bücher leisten, also wozu?

Die Bibel in ihrer heutigen Form gab es natürlich noch nicht - aber es gab die Geschichten aus alter Zeit, von Abraham und Mose, die hat man abends am Lagerfeuer einander erzählt. Es gab den Tempel in Jerusalem und es gab die religiösen Feste, die immer wieder an die besondere Geschichte von Gott und seinem Volk erinnert haben. Das war das, was die Leute damals von Gott wussten.

In dieser Zeit tauchten immer mal wieder Propheten auf, das waren Menschen, die behaupteten, die Stimme Gottes in besonderer Weise hören zu können. Und natürlich waren auch Scharlatane darunter. Sie erzählten den Menschen, dass es Gott gefallen würde, wenn sie ihnen zu essen geben und ein paar Spenden übrig hätten und so kamen sie über die Runden.

So ein religiöser Wildwuchs ist gefährlich - dabei könnte schnell etwas herauskommen, das den Staat gefährdet - und so haben die Könige Israels die Sache in die Hand genommen, indem sie Prophetenschulen und verbeamtete Propheten eingeführt haben. So war wenigstens sicher gestellt, dass diese Leute nichts unters Volk brachten, was irgendwie zu einem Aufstand führen konnte.

Auf wunderbare Weise haben diese bezahlten Propheten fast immer das gesagt, was der König gerne hören wollte - und bis heute ist es eine der größten Versuchungen im Verkündigungsamt, dass man den Leuten einfach das erzählt, was sie gerne hören wollen, ob es nun wahr ist oder nicht. Sag ihnen, was sie hören wollen, dann hast du keinen Stress, dann sind die Leute zufrieden und mögen dich.

Zur Zeit des Jeremia war die politische Lage schwierig, das kleine Israel lag zwischen den Interessengebieten der damaligen Großmächte wie zwischen zwei Mühlsteinen und der König konnte keine Unruhe im Volk gebrauchen.

Also schwärmten seine Propheten aus und verkündigten: "Alles wird gut. Euch kann nichts passieren. Hört nicht auf diese falschen Propheten, die vom Zorn Gottes reden, weil ihr angeblich in Sünde lebt. Nein, Gott ist gnädig und barmherzig. Und vor allem steht sein heiliger Tempel in Jerusalem. Ihr glaubt doch nicht, dass er sein Haus den Feinden überlassen würde? Nein, ihr seid sicher. Hört doch, ich sah im Traum einen mächtigen Adler, der Jerusalem mit seinen Flügeln bedeckt. So wird Gott seine Stadt behüten. Don't worry, be happy!"

Das hörte sich gut an, die Menschen waren beruhigt, und der König auch - aber dann kam wieder dieser Störenfried mit Namen Jeremia. Ein junger Mann mit einem großen Mundwerk, der angeblich von Gott selbst gesandt worden ist. Und was er zu sagen hatte, klang völlig anders:

"So spricht der HERR Zebaoth: Hört nicht auf die Worte der Propheten, die euch weissagen! Sie betrügen euch; denn sie verkünden euch Gesichte aus ihrem Herzen und nicht aus dem Mund des HERRN. Sie sagen denen, die des HERRN Wort verachten: Es wird euch wohlgehen -, und allen, die nach ihrem verstockten Herzen wandeln, sagen sie: Es wird kein Unheil über euch kommen. Aber wer hat im Rat des HERRN gestanden, dass er sein Wort gesehen und gehört hätte? Wer hat sein Wort vernommen und gehört?

Siehe, es wird ein Wetter des HERRN kommen voll Grimm und ein schreckliches Ungewitter auf den Kopf der Gottlosen niedergehen. Und des HERRN Zorn wird nicht ablassen, bis er tue und ausrichte, was er im Sinn hat; zur letzten Zeit werdet ihr es klar erkennen. Ich sandte die Propheten nicht, und doch laufen sie; ich redete nicht zu ihnen, und doch weissagen sie. Denn wenn sie in meinem Rat gestanden hätten, so hätten sie meine Worte meinem Volk gepredigt, um es von seinem bösen Wandel und von seinem bösen Tun zu bekehren.

Bin ich nur ein Gott, der nahe ist, spricht der HERR, und nicht auch ein Gott, der ferne ist? Meinst du, dass sich jemand so heimlich verbergen könne, dass ich ihn nicht sehe? spricht der HERR. Bin ich es nicht, der Himmel und Erde erfüllt? spricht der HERR.

Ich höre es wohl, was die Propheten reden, die Lüge weissagen in meinem Namen und sprechen: Mir hat geträumt, mir hat geträumt. Wann wollen doch die Propheten aufhören, die Lüge weissagen und ihres Herzens Trug weissagen und wollen, dass mein Volk meinen Namen vergesse über ihren Träumen, die einer dem andern erzählt, wie auch ihre Väter meinen Namen vergaßen über dem Baal?

Ein Prophet, der Träume hat, der erzähle Träume; wer aber mein Wort hat, der predige mein Wort recht. Wie reimen sich Stroh und Weizen zusammen? spricht der HERR. Ist mein Wort nicht wie ein Feuer, spricht der HERR, und wie ein Hammer, der Felsen zerschmeißt? (Jeremia 23,16-29)




Wer hat Recht? Da stehen sich zwei Menschen gegenüber, beide reden angeblich im Namen Gottes, aber sie sagen das genaue Gegenteil voneinander. Wer hat Recht?

Die Menschen, die ihnen zuhören, müssen entscheiden, wem sie glauben wollen.

Zwei Pastoren derselben Kirche - der eine redet so und der andere verkündigt das Gegenteil - wer hat Recht?

Die Zuhörer müssen entscheiden und ich bitte ernsthaft, das auch zu tun; ernsthaft zu prüfen, ob das was verkündigt wird, mit der Bibel übereinstimmt. Es ist der Auftrag der christlichen Gemeinde nicht blind alles zu glauben, was ihr vorgesetzt wird, sondern die Verkündigung anhand der Schrift zu überprüfen. Deswegen ist es wichtig, dass wir zuhause sind in unserer Bibel.

Aber es ist ja noch komplizierter: da stehen sich zwei unterschiedliche Religionen gegenüber, zum Beispiel Christentum und Islam. Und beide sagen: "Wenn du nicht zu uns gehörst, dann landest du in der Hölle!" Und beide haben sie eine heilige Schrift auf die sie verweisen - die Christen auf ihre Bibel, die Moslems auf den Koran. Beide sagen: das ist Gottes Wort. Aber in ihren Aussagen widersprechen sie sich.

Das Christentum sagt: Jesus ist Gottes Sohn. Er ist unser Erlöser, durch den wir selig werden sollen.

Der Islam sagt: Nein! Allah hat keinen Sohn. Wer das behauptet, ist vom Bösen.

Das bedeutet: du musst dich entscheiden. Du kannst ja nur einen Weg gehen. Und das Risiko deiner Entscheidung trägst du selbst.

Manche Menschen sagen: daran sieht man doch, dass das alles Quatsch ist. Der eine sagt so und der andere anders, also ist nichts davon wahr. In Wirklichkeit gibt es gar keinen Gott. Alles Erfindung. Auch das ist eine Entscheidung. Und auch sie ist mit einem Risiko behaftet, nämlich dem, am Ende des Lebens eine böse Überraschung zu erleben. Wenn man nämlich, wie die Bibel sagt, nach seinem Tod vor Gottes Thron steht und Rechenschaft über sein Leben ablegen muss und feststellt: "Au weia, den gibt es ja wirklich!"

Du musst eine Entscheidung treffen, daran kommst du nicht vorbei. Und wenn du keine triffst, ist es auch eine Entscheidung, nämlich die, Gott nicht zu folgen.

Wir haben heute eine Taufe miterlebt. Und auch Taufe hat mit Entscheidung zu tun.

Ursprünglich war die Taufe eine Angelegenheit für Erwachsene, die nach reiflicher Überlegung zu der Aussage gekommen sind: ja, ich will an Jesus glauben und ihm folgen und lasse mich als Zeichen dafür taufen.

Bei einem Baby sieht die Sache etwas anders aus. Da treffen die Eltern die Entscheidung. Das ist nichts Verwerfliches. Manche haben ja deswegen Vorbehalte gegen die Kindertaufe, weil sie nicht auf eine eigene Entscheidung zurück geht.

Aber Eltern haben viele Entscheidungen für ihr Kind zu treffen. Sie entscheiden, was es isst und was es anzieht, wo es wohnt und wann es in den Kindergarten kommt. Und mit der Taufe entscheiden sie sich dafür, dass ihr Kind zur Kirche gehören soll. Sie sagen, wir wollen, dass es christlich lebt und wollen alles dafür tun, was in unserer Macht steht, um dieses Ziel zu erreichen. Wir lesen ihm aus der Kinderbibel vor, feiern christliche Feste, beten mit ihm und geben ihm auch noch Paten an die Seite, die ebenfalls ihr Bestes geben.

Ob das klappt, das wissen wir nicht. Jeder Mensch muss für sich selbst die Entscheidung für Gott treffen. Aber was wir tun können, ist diesem Kind die Entscheidung nahe zu bringen, ihm die Richtung zu weisen.

Es ist ein schöner Spruch, den Alina Kock mit auf den Weg bekommt:

"Lasset uns nicht lieben mit Worten, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit." (1.Joh 3,18)

Darin steckt ein guter Rat für die Kindererziehung: Als Vater von vier Kindern habe ich eins gelernt: Kinder hören nicht auf das, was du ihnen sagst, sondern sie machen das nach, was du ihnen vormachst. Also lasst uns nicht lieben mit Worten - lasst uns nicht nur davon reden - sondern lasst es uns umsetzen, mit der Tat und mit der Wahrheit. Dann haben die Kinder etwas, an dem sie sich orientieren können.

Nebenbei ist dieser Spruch auch ein guter Schlüssel, um in dem Dilemma mit den verschiedenen Religionen klar zu kommen: man sollte einfach auf die Taten achten, sprich auf das Leben, das die jeweiligen Religionsstifter geführt haben.

Ich kann das hier nur sehr grob andeuten, aber es zeigt doch eine Richtung an, in der man weiterdenken kann.

Buddha. Der Buddhismus gilt in gebildeten Kreisen als schick, wobei man sich in der Regel nur die Anteile herausnimmt, die einem gerade in den Kram passen. Der Gründer, Siddhartha Gautama Buddha, war ein verwöhnter Prinz, der nichts besseres zu tun hatte, als zu meditieren, während die Menschen um ihn herum verhungerten.

Mohammed, der Gründer des Islam, ist als Prophet aufgetreten. Als er dann festgestellt hatte, dass er allein mit seinen Worten die Menschen nicht überzeugen konnte, ist er zum Heerführer geworden und war als dieser nicht gerade zimperlich. Er hatte am Ende seines Lebens die gesamte arabische Halbinsel erobert.

Ich könnte noch einiges mehr sagen über Mohammed, aber ich muss vorsichtig sein. Denn ich stelle meine Predigten ins Internet, und laufe damit Gefahr, in das Visier militanter Muslime zu geraten, die sagen: Pastor Arndt verunglimpft den Propheten Mohammed, der muss bestraft werden.

Es sitzen Hunderte von Christen in islamischen Gefängnissen, weil sie tatsächlich oder angeblich den Propheten beleidigt haben. Wenn einer sagt: "Jesus ist der Herr" - dann kann man das als Beleidigung des Propheten Mohammed auffassen und entsprechend reagieren.

Ich habe gestern ein erschütterndes Video im Internet gesehen. Darin wird ein tunesischer Christ gezeigt - er war ursprünglich Moslem, ist dann aber Christ geworden, und dieser Film zeigt, wie ihm zur Strafe für seinen Abfall vom Islam im Namen Allahs mit einem Messer der Kopf abgeschnitten wird. Das ist Realität.

Und ich glaube denen nicht, die mir einzureden versuchen, dass der Islam eigentlich friedlich ist und man zwischen dem guten Islam und den bösen Islamisten trennen müsse. Natürlich gibt es tausende nette und friedliche Muslime, die auch unter uns leben. Aber diejenigen, die mit Gewalt gegen Andersgläubige vorgehen, folgen darin dem Beispiel ihres Religionsstifters. Und das kann man ihnen doch nicht vorwerfen! Darum geht es doch wohl in einer Religion, dass man dem Vorbild seines Stifters folgt, das tun wir als Christen doch auch!

Jesus, der Gründer des christlichen Glaubens, hat ein einfaches Leben geführt. Er hat Liebe gepredigt, das war die Quintessenz seiner Verkündigung, und hat bis zum Schluss das vorgelebt, was er gepredigt hat. Bis dahin, dass er schwerverletzt am Kreuz hängend für die Menschen gebetet hat, die ihm das angetan haben.

Ich habe meine Entscheidung getroffen. Ich möchte Jesus folgen, von dem es heißt, dass er sein Leben gegeben hat, um mich zu erlösen. Und ich möchte, so gut ich kann, ihm ähnlich werden.

Und sollte es ganz dumm kommen und sich am Ende herausstellen, dass die Atheisten Recht behalten haben, die behaupten, dass es keinen Gott gibt, dass alles nur ein großer Schwindel war, dann habe ich dennoch ein erfülltes Leben gehabt und mich daran geübt, in der Liebe zu wachsen.

Das ist nicht die schlechteste Wahl, wie ich finde.

Amen.

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